Ex-Bahnvorstand rechnet mit S21 ab Sarrazin wirft DB-Spitze Misswirtschaft vor

Der Bundestag beschäftigt sich am Montag mit dem Thema "Ausstieg und Umstieg bei dem Bahnprojekt Stuttgart 21". Laut Thilo Sarrazin war das Projekt von Beginn an unwirtschaftlich.

Thilo Sarrazin war Chef der DB-Konzernrevision und Vorstand für den Bahnbereich Netz. Außerdem hat er für die Bundesbank und als Berliner Finanzsenator gearbeitet. Für die Sitzung im Bundestag-Verkehrsausschuss am kommenden Montag hat die AfD Sarrazin als Experten benannt.

Bild von Thilo Sarrazin (Foto: picture-alliance / dpa, Fotograf: Maurizio Gambarini)
Als früherer Bahnvorstand hat Thilo Sarrazin auch die Kosten für den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs geprüft. Fotograf: Maurizio Gambarini

In ihrer Mittwochsausgabe zitiert die "Stuttgarter Zeitung" eine Stellungnahme des früheren Bahnvorstands. Demnach waren bereits neun Jahre vor Baubeginn die finanziellen Risiken von S21 bekannt. Schon im Sommer 2001 sei "völlig klar" gewesen, dass "die wie immer berechnete Wirtschaftlichkeit des Projekts Stuttgart 21 in sich zusammenbrechen würde, wenn sich nur ein kleiner Teil der Risiken, etwa im Tunnelbau, materialisierte". Laut Sarrazin warnte ein damaliges Gutachten, dass nur bei Ausklammerung aller Risiken die Wirtschaftlichkeitsberechnung "ein knapp positives Ergebnis" gebracht habe.

"S21 auf letztem Platz"

Im Auftrag des früheren Bahnchefs Hartmut Mehdorn hat Sarrazin die geplanten DB-Großprojekte nach Rentabilität berechnet. Dabei habe S21 den "mit Abstand hintersten Rangplatz" eingenommen. Dieses Risiko sei mindestens den beteiligten sachkundigen Beamten im Bundesfinanzministerium und DB-Mitarbeitern "vollständig bekannt" gewesen. Doch die Kostenrisiken seien aus politischen Gründen ignoriert worden.

S21-Gegner kritisieren schon lange, dass Stuttgart 21 entgegen dem Wirtschaftlichkeitsgebot dadurch "erkauft" worden seien, dass Steuergelder in Milliarden-Höhe der Bahn zu Gute kommen würden, unter anderem in Form eines überteuerten Vertrags zum Nahverkehr.

STAND