Lebenskünstler Naturpark Schönbuch Stuttgarter Forscher entdecken neue Bärtierchen-Art

Forscher der Universität Stuttgart haben im Naturpark Schönbuch bei Böblingen eine neue Bärtierchen-Art gefunden. Die winzigen Tiere sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen und gelten als Überlebenskünstler.

Der Name der Art lautet "Milnesium inceptum", das heißt Pionier. Bärtierchen leben in Gewässern: im Meer, im Süßwassser, auch auf Moospolstern, aber auch in heißen Wüstenregionen, Gletschern und im Naturpark Schönbuch. Endeckt wurden die Tiere im Schönbuch schon im Jahr 2003, aber erst jetzt wurde bekannt, wie außergewöhnlich sie sind.

Collage: Aufnahme des Bärtierchens "Milnesium inceptum" mit einem Mikroskop, im Hintergrund eine Wiese (Foto: SWR, Uni Stuttgart: Ralph Schill)
Montage mit einer Aufnahme von "Milnesium inceptum" Uni Stuttgart: Ralph Schill

Trockenheit oder Kälte sind kein Problem

Die weniger als einen Millimeter großen Tierchen mit acht Beinen sind Überlebenskünstler. Sie haben die Fähigkeit, lange Zeit ohne Stoffwechsel auf bessere Umweltbedingungen zu warten. Bärtierchen können auch komplett austrocknen. Wenn man wieder Wasser hinzufügt, dann erwachen sie wieder zum Leben. Ihren Namen tragen sie, weil sie sich mit ihren Beinchen tapsig wie ein Bär bewegen - das ist aber nur unter dem Mikroskop zu erkennen.

Der Entdecker der Bärtierchen-Art aus dem Naturpark Schönbuch (Kreis Böblingen) ist Zoologe Ralph Schill von der Universität Stuttgart. Als er im Jahr 2003 das Tier fand, merkte er, dass es sich vom damals in der Forschung bekannten Referenz-Exemplar des Bärtierchens unterschied. So begann er, seinen Fund weltweit mit anderen Exemplaren zu vergleichen. Rund 1.000 verschiedene Arten von Bärtierchen sind bekannt.

Der Forscher Ralph Schill (Foto: Privat)
Ralph Schill promovierte an der Universität Tübingen und ist seit 2003 an der Universität Stuttgart tätig Privat

Mithilfe eines japanischen Wissenschaftlers fand er einen Doppelgänger seines Bärtierchenexemplars in Japan: "Das ist das Spannende daran, dass sie komischerweise gleich aussahen", sagte Schill dem SWR. Der Grund dafür ist nicht bekannt.

"Entweder diese Art kommt in vielen verschiedenen Teilen der Welt vor und man wusste es nicht, oder es gab einen Austausch - zum Beispiel durch einen Gast, der die Art aus dem Schönbuch nach Japan eingeschleppt hat - oder anders herum, dass ein Japaner sie in den Schönbuch brachte."

Forscher Ralph Zill

Bärtierchen im Weltall

Bisher ist wenig über die Bärtierchen bekannt. Ein deutscher Pastor, Johann August Ephraim Goeze aus Sachsen, hatte die kleinen Tiere im Jahr 1773 entdeckt. Erforscht werden sie seit knapp 200 Jahren. Eine der ersten Bärtierchen-Arten beschrieb der französische Zoologe Louis Michel François Doyère in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Weltweit gibt es laut Zill derzeit weniger als hundert Forscher, die sich mit den Tieren beschäftigen.

Lichtmikroskopische Aufnahme des Bärtierchens (aus Japan) (Foto: Atsushi Suzuki)
Eine Aufnahme des "Milnesium inceptum" aus Japan Atsushi Suzuki

"Mit dieser von ihm dann als Modellorganismus etablierten Art schuf Ralph Zill eine der renommiertesten Bärtierchenforschergruppen weltweit", formulierte die Universität Stuttgart in einer Mitteilung. Gemeinsam mit schwedischen Kollegen hat Zill auch schon einmal Bärtierchen ins Weltall gesandt - ein Teil von ihnen kam lebend zurück.

Der Naturpark Schönbuch

Radfahrer im Schaichtal, Naturpark Schönbuch (Archiv) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/imageBROKER)
Das Schaichtal im Naturpark Schönbuch picture alliance/imageBROKER

Der Naturpark Schönbuch, zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb gelegen, hat eine Fläche von 156 Quadratkilometer und ist Lebensraum für eine Vielzahl oft bedrohter Tier- und Pflanzenarten wie zum Beispiel Feuersalamander, Gelbbauchunken, Hohltauben, Schwarzspechte, Hirschkäfer und Orchideen. 

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