Seltene Tiere und Pflanzen retten Wilhelma verstärkt Engagement für weltweiten Artenschutz

Die Wilhelma will sich noch stärker als bisher für bedrohte Tiere und Pflanzen einsetzen. Dazu sind am Montag weitere Artenschutzprojekte des Stuttgarter Zoos vorgestellt worden.

Die Wilhelma beteiligt sich seit Jahren an europäischen Zuchtprogrammen, um seltene Tierarten zu erhalten. Jetzt soll auch Nothilfe für die letzten Sumatra-Nashörner geleistet werden. "Es ist wenige Sekunden vor zwölf", sagte Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin. Nach seinen Angaben sind nur noch weniger als 80 Tiere auf zwei indonesischen Inseln bekannt.

Wilhelma Stuttgart Einsatz für bedrohte Arten

Ein weißer Vogelkäfig. Rechts davon weist ein Schild mit der Aufschrift "Balistar" auf die bedrohte Vogelart hin. (Foto: SWR)
Eine der bedrohten Vogelarten, für die sich die Wilhelma stark macht. Bild in Detailansicht öffnen
Der extrem gefährdete Balistar in der Wilhelma Verena Neuhausen Bild in Detailansicht öffnen
Der selten gewordene Balistar aus Indonesien in der Wilhelma Verena Neuhasuen Bild in Detailansicht öffnen
Vogelbauer als Zeichen für bedrohte Arten hängen im Eingangsbereich der Wilhelma Verena Neuhausen Bild in Detailansicht öffnen
In der Stuttgarter Wilhelma geht´s tropisch feucht zu. Verena Neuhausen Bild in Detailansicht öffnen
Der Schneeleopard - kaum in seinem Gehege in der Wilhelma zu erkennen. Verena Neuhausen Bild in Detailansicht öffnen
Tropischen Regenwald findet man auch in der Wilhelma... Verena Neuhausen Bild in Detailansicht öffnen

Tiere in Reservaten aufziehen

"Wenn man nicht sofort, konsequent und nachhaltig eingreift, können die letzten Sumatra-Nashörner binnen kürzester Zeit unwiederbringlich von der Erde verschwunden sein", sagte Kölpin. Ansatz der Rettungsaktion ist es, alle verbliebenen Tiere aufzuspüren und sie in drei Reservaten mit Zuchtstationen einander näherzubringen, um reelle Chancen auf ausreichend Nachwuchs herzustellen.

Die Wilhelma züchtet nicht nur bedrohte Arten in Stuttgart, sondern setzt sich auch weltweit dafür ein, dass deren Artgenossen in ihren ursprünglichen Lebensräumen geholfen wird.

junges, am Boden liegendes Nashorn (Foto: Pressestelle Wilhelma)
Junges Sumatra-Nashorn Pressestelle Wilhelma

Nashörner- und Regenwaldschutz

Hierbei beschreitet die Wilhelma jetzt neue Wege und will dem internationalen Engagement für den Artenschutz gemeinsam mit ihren Besucherinnen und Besuchern zusätzlichen Schwung verleihen. Zu den neuen Projekten und Strategien gehört auch der ganzheitliche Regenwaldschutz. Für Spenden über den in anderen Zoos bereits bewährten "Artenschutz-Euro" sollen daher bei den Besuchern geworben werden.

Ein Verschlag mit einem grünen Schild. Rechts im Hintergrund Regenwaldbäume, links abgerodetes, kahles Feld. (Foto: Pressestelle Wilhelma)
Regenwald-Projekt in Belize Pressestelle Wilhelma

80.000 Euro in funf Jahren über Spenden

Unter Thomas Kölpin, der seit 2014 Direktor ist, hat die Wilhelma ihre Anstrengungen für den Artenschutz deutlich verstärkt. Dank vieler kreativer Fundraising-Aktionen stieg der jährliche Erlös, der zuvor bei rund 30.000 Euro lag, in diesen fünf Jahren auf zuletzt 80.000 Euro an, wie der Kassensturz 2018 ergeben hat. Für den guten Zweck gab es zum Beispiel originelle Spendenboxen, Lotterien, Geschenkbasare, den Verkauf von fair gehandelter Schokolade und das Recycling alter Handys. „Es ist großartig, wie unsere Gäste dieses Engagement für den Artenschutz mittragen, indem sie bei den Aktionen mitmachen“, sagte Kölpin.

Ein Schild mit der Abbildung von Schneeloparden und der Aufforderung für sie zu spenden (Foto: SWR, Vernea Neuhausen)
Die Wilhelma bittet um Mithilfe bei der Rettung der Schneeleoparden. Vernea Neuhausen

Schneeleoparden-Projekt

Im Zoologisch-Botanischen Garten wird seit Jahren jede neue Großanlage mit einem Einsatz für ein Schutzprogramm vor Ort begleitet. So fördert die Wilhelma seit Eröffnung des neuen Schneeleoparden-Geheges 2018 ein Projekt des Naturschutzbundes NABU in Kirgisien. Der unterstützt dort die Patrouillen gegen Wilderer.

einem Bambus-Rahmen hängt ein Plakat mit der Aufschrift "Silent Forest".  (Foto: SWR, Verena Neuhausen)
Auch für den Schutz der Vögel in Asien sollen sich die Besucher der Wilhelma stark machen. Verena Neuhausen

Flyer für Artenschutzprogramme

Spenden fließen so an mehr als ein Dutzend Organisationen weltweit. Um die Besucher stärker einzubeziehen, legt die Wilhelma künftig am Eingang einen Flyer aus, der die Projekte kurz vorstellt. Jedes Artenschutz-Programm wählt die Wilhelma nach fachlichen Kriterien individuell aus, begleitet es über Jahre und kann so den Erfolg messen. "Das Engagement erfordert einen langen Atem, aber es wirkt, wenn man am Ball bleibt und konsequent vorgeht", berichtete Stefanie Reska, die bei der Wilhelma für die Artenschutz- Aktivitäten zuständig ist.

Ein uniformierter Afrikaner vor einem Jeep, auf dessen Pritsche ein Gehege installiert ist (Foto: Pressestelle Wilhelma)
Die Wilhelma untgerstützt den Kampf gegen Wilderer in Afrika. Pressestelle Wilhelma

Zahl der Berggorillas in Zentralafrika gestiegen

Im Virunga-Nationalpark in Zentralafrika etwa ist während der sieben Jahre, in denen die Wilhelma die Spürhundestaffel "Congohounds" der Parkranger unterstützt, die Zahl der bedrohten Berggorillas von 880 auf rund 1000 gestiegen. Das ist nicht nur das Verdienst der Wilhema, aber die Hundestaffel mache die Situation in dem Park sicherer, da ist sich Artenschützerin Reska sicher.

Ein Nashorn tritt aus einen Waldstück hervor (Foto: Pressestelle Wilhelma)
Vom Aussterben bedroht: das Sumatra-Nashorn Pressestelle Wilhelma

Neues Regenwald-Projekt in Belize

Ganz neue Wege beschreitet die Wilhelma bei einem Projekt in dem mittelamerikanischen Land Belize. Nach eigenen Angaben konnte die Wilhelma einer Nicht-Regierungs-Organisation, der Corozal Sustainable Future Initiative (CSFI) ermöglichen, Regenwaldflächen aufzukaufen. Das soll dauerhaft verhindern, dass dieser Regenwald gerodet wird. Aus erster Hand können sich die Wilhelma-Besucherinnen und Besucher über die Programme jedes Jahr am Artenschutztag informieren: Am Pfingstmontag stellen die Kooperationspartner ihre Projekte in der Wilhelma an Infoständen persönlich vor.

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