Kritik und Verständnis für teure Sanierung Sanierung der Oper Stuttgart kostet bis zu einer Milliarde Euro

Die Sanierung der Oper Stuttgart wird voraussichtlich 740 bis 960 Millionen Euro kosten. Das teilten Stadt und Land am Dienstag mit. Die hohen Kosten stoßen auf Kritik, aber nicht nur.

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Die Zahlen beruhen auf Berechnungen und Prüfungen des Landesbetriebs Vermögen und Bau. Darin enthalten sind Sanierung, Erweiterung und Modernisierung des gut 100 Jahre alten Opernhauses von dem renommierten Architekten Max Littmann und eine jährliche Kostensteigerung von drei bis vier Prozent, erklärten Wissenschafts- und Kunstministerin Theresia Bauer und der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) im Anschluss an eine Sitzung des Verwaltungsrats der Württembergischen Staatstheater.

Fünf bis sechs Jahre Bauzeit

Gerechnet wird mit einer fünf- bis sechsjährigen Bauzeit. Während dieser Zeit soll der Betrieb von Oper und Ballett in einer Interimsspielstätte stattfinden. Die Suche danach gestaltete sich schwierig und langwierig und wurde begleitet von einem Streit, ob man nicht lieber ein neues Opernhaus bauen solle. In einer Sitzung des Verwaltungsrats des Staatstheaters Stuttgart wurde dann am 18. Mai 2018 beschlossen, das historische Opernhaus auch in Zukunft als Spielstätte von Oper und Ballett zu nutzen.

Grafik über geplanten Standort der Interimsoperspielstätte (Foto: Stadt Stuttgart)
OB Kuhns Vorschlag für eine Interimsspielstätte in der Nähe der Wagenhallen. Der rosa- und gelb-farbende Bereich soll die Spielstätte darstellen. Stadt Stuttgart

Als Interimsspielstätte war lange Zeit das alte Paketpostamt im Gespräch. Nachdem ein Gutachten zu dem Ergebnis kam, dass hier der Umbau schon mindestens 116 Millionen Euro kosten würde, stoppte Oberbürgermeister Kuhn das Vorhaben. Er präferiert als Interims-Standort die Wagenhallen in der Nähe des Pragfriedhofes. Denn dort soll ein neues Wohn- und Kreativquartier entstehen.

Kostenreduzierung durch Wiederverkauf der Zwischenspielstätte

Der Vorschlag sieht vor, dass die Stadt Gebäude baut, die dann von den Mitarbeitern der Staatstheater zwischengenutzt werden können. Für die Aufführungen von Oper und Ballett soll ein temporäres Gebäude errichtet werden. Dieses soll nach der Nutzung wieder verkauft werden. Die Kosten allein für das temporäre Aufführungsgebäude werden mit 104 Millionen Euro angegeben. Durch den Wiederverkauf erhofft sich die Stadt eine Kostenreduzierung um gut neun Millionen Euro.

Entscheidung erst 2020

Über die jetzt vorgestellten Pläne wird der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater in seiner nächsten Sitzung im März 2020 entscheiden. Stadt und Land als Träger der Staatstheater tragen die Kosten zu gleichen Teilen. Damit ist zusätzlich auch eine Entscheidung des Stuttgarter Gemeinderats und des Landtags notwendig.

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Bauer verteidigt Kosten, Kritik von Opposition und Bürgerinitiative

Während Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Tag nach der Bekanntgabe den hohen Betrag verteidigte und versicherte, dass das Land seinen Teil an der Finanzierung übernehmen werde, sprach Alexander Kotz, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Gemeinderat von einer "gewaltigen Summe". Für die "Jahrhundertaufgabe Klimawandel" investiere die Stadt 200 Millionen Euro, 500 Millionen als städtischer Anteil für die Opernsanierung sei da "eigentlich nicht vorstellbar", so der CDU-Stadtrat.

Die frühere Stuttgarter Kulturbürgermeisterin und heutige Kultusministerin von Baden-Württemberg Susanne Eisenmann nennt die Württembergischen Staatstheater ein "absolutes Aushängeschild", sie mahnt beim Thema Sanierung zum richtigen Maß.

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Auch Wieland Backes von der Bürgerinitiative "Aufbruch Stuttgart" kritisierte die hohen Kosten. "Hochkultur ist wichtig, hat aber auch eine preisliche Obergrenze."

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"Das muss sich eine reiche Stadt wie Stuttgart leisten können"

Für die jetzt genannten Kosten zeigte die Intendantin des Stuttgarter Theaters tri-bühne Edith Körber Verständnis. Eine reiche Stadt wie Stuttgart und ein Land wie Baden-Württemberg müssten sich die Sanierung des "tollen Opernbaus" leisten können.

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