Reaktionen auf das Urteil im NSU-Prozess aus der Region Stuttgart "Gerechte Strafe"

Beate Zschäpe hat nach Ansicht türkischstämmiger Menschen In Stuttgart-Feuerbach eine gerechte Strafe bekommen. Für Andere bleiben aber noch Fragen offen.

Clemens Binninger (li) und Wolfgang Schorlau (re) (Foto: picture-alliance / dpa, SWR, Montage SWR)
Clemens Binninger (li) und Wolfgang Schorlau (re) Montage SWR

Im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach leben viele türkischstämmige Menschen. "So, wie ich den Prozess verfolgt habe, ist es ein gutes Urteil", kommentierte ein Mann im SWR den Richterspruch gegen Beate Zschäpe im NSU-Prozess. Und eine Frau sagte in der Blitzumfrage: "Soviele Menschen wurden ermordet ohne Grund, ohne Schuld. Ein gerechtes Urteil." Das Oberlandesgericht München hatte die Hauptangeklagte Zschäpe am Morgen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Tschäpe wurde als Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) verurteilt, der neun Männer türkischer und griechischer Herkunft und die deutsche Polizistin Beate Kiesewetter ermordet hatte.

"Es bleiben Zweifel"

Der frühere Böblinger CDU-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger leitete den zweiten NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Für ihn sind nach dem Urteil längst nicht alle Fragen geklärt. "Bei der Menge an V-Leuten, also Mitgliedern aus dem Neonazi-Spektrum, die es im Umfeld dieser Leute gab: Dass da niemand etwas gewusst haben will - nicht mal vom Aufenthaltsort: Da haben wir große Zweifel", sagte Binninger im SWR.

"Wesentliche Fragen offen"

Der Stuttgarter Schriftsteller Wolfgang Schorlau hat in seinem Krimi „Die schützende Hand“ ausgiebig zum Thema NSU recherchiert. So ausgiebig, dass er im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags Baden-Württemberg befragt wurde. Das Urteil sei gut so, sagt er. Aber wesentliche Fragen seien noch offen, zum Beispiel die nach den Unterstützern des NSU. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe alles allein ausbaldowert haben: Die Anschlagsorte, die Waffenbeschaffung und so weiter", sagte Schorlau dem SWR. Das ganze rechte Netzwerk sei in München außen vor geblieben. "Wir wissen nicht, wer das ist. Und das Zweite: Haben die Geheimdienste Verantwortung dafür? Es bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass irgendwann jemand auspackt."

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