Paradise-Prozess vor dem Landgericht Stuttgart Zeugen belasten Bordell-Betreiber Rudloff

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Beihilfe zur Zuhälterei und zum Menschenhandel werden Bordell-Betreiber Jürgen Rudloff vorgeworfen. Seit März steht er vor Gericht. Am Dienstag wurden die ersten Zeugen vernommen.

Mann im Anzug wird von Polizeibeamten am Arm geführt (Foto: picture-alliance / dpa)
Prozessauftakt am 23. März 2018 vor dem Landgericht Stuttgart. Der Geschäftsführer des Paradise-Clubs Jürgen Rudloff wird unter anderem Zuhälterei und Menschenhandel vorgeworfen.

Rendite von 30 Prozent versprochen

Ein früherer Freund des Hauptangeklagten hat über seine Geschäftsbeziehungen zum Betreiber des Großbordells Paradise ausgesagt. Der Stukkateur-Meister hatte Jürgen Rudloff vor vielen Jahren über seinen Betrieb kennengelernt. Man sei erst privat zusammengekommen, dann auch geschäftlich, so der Zeuge. Rudloff habe ihm Investitionen in einen FKK-Club in München sowie in einem Laufhaus in Leipzig angeboten – mit der Aussicht auf eine Rendite von 30 Prozent jährlich. Das Laufhaus habe er nie gesehen und auch das FKK-Haus kannte er nur von Plänen, die ihm Jürgen Rudloff gezeigt habe. Beides wurde nicht realisiert, am Ende habe er rund eine halbe Million Euro seines Privatvermögens verloren, sagte der Zeuge, und die Freundschaft zu Rudloff sei zerbrochen.

Formel 1-Manger Willi Weber gehört zu den Geprellten

Eine Aussage, die Einblicke in das Geschäftsgebaren des Hauptangeklagten erlaubt: Rudloff wird Betrug in Höhe von drei Millionen Euro vorgeworfen. Er soll Investorengelder für neue Bordelle angeworben haben, verbunden mit der Aussicht auf Rendite und Zinsen. Zu den Geprellten gehört auch der frühere Formel 1-Manager Willi Weber, der eine halbe Million Euro investiert hat. Tatsächlich, so die Anklage, habe Rudloff das Geld aber verwendet, um seine Schulden zu begleichen und seinen aufwendigen Lebensstil zu finanzieren.

Welche Rolle spielten Kontakte zu den Hells Angels?

Die Staatsanwaltschaft geht nach jahrelangen Ermittlungen davon aus, dass der 64-Jährige seine Kontakte zu den Reutlinger Hells Angels - sowie über die Türsteher-Bande United Tribunes - genutzt hat, um ständig neue Frauen in seinem Bordell in Leinfelden-Echterdingen zu bekommen. Die Frauen seien dann im Paradise zur Prostitution gezwungen worden, so Staatsanwalt Peter Holzwarth.

Auch der Zeuge berichtete von den Kontakten des Bordellbetreibers zu einem Mitglied der Hells Angels, einem glatzköpfigen, stämmigen Mann mit Hells-Angels-Kutte. Dieser sei mit einer Harley-Davidson mit Reutlinger Kennzeichen ständig bei Rudloff vorgefahren und dort mehr oder weniger ein- und ausgegangen. Als der Zeuge Probleme mit einer Immobilie auf Mallorca hatte, habe Rudloff gesagt, er frage Freunde, ob sie helfen könnten. Später habe dann ein Hells-Angels-Mitglied "bei der betreffenden Immobilienvermittlerin angeklopft", so der Zeuge wörtlich.

Der Prozess gegen Rudloff und mehrere Mitangeklagte gilt als Mammutprozess. Er wird voraussichtlich bis ins nächste Jahr andauern.

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