Raser-Mordprozess vor dem Landericht Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Mordprozess vor dem Landgericht Urteil gegen Jaguar-Raser in Stuttgart erwartet

In Stuttgart wird am Freitag das Urteil gegen einen 21-jährigen mutmaßlichen Raser erwartet. Er soll in einer Tempo-50-Zone mit bis zu 168 Stundenkilometern gefahren sein und zwei Menschen getötet haben. War das Mord?

Es ist die erste Mordanklage nach einem tödlichen Raserunfall in Baden-Württemberg, die seit September vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt wurde. Sechs Jahre Haft und eine Verurteilung wegen Mordes hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Schlussvortrag gefordert. Die Verteidigung plädierte auf fahrlässige Tötung und zwei Jahre, die nach der Untersuchungshaft zur Bewährung ausgesetzt werden sollen. Beide Seiten fordern die Anwendung von Jugendstrafrecht, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt mit 20 Jahren noch Heranwachsender war. Außerdem spricht die Verteidigung von einer "Reifeverzögerung".

Umfassende Zeugenbefragungen

Zwei Monate lang hat die Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts Details haarklein herausgearbeitet, rund 100 Zeugen wurden gehört: Freunde des Fahrers, Polizisten vom Unfallort, Augenzeugen des Crashs, Mediziner und Sachverständige und auch andere Autofahrer, denen der Sportwagen des 21-Jährigen bereits mehrere Stunden vor dem tödlichen Unfall aufgefallen war.

Zwei Menschen starben

Bei der verhängnisvollen Fahrt im März war der Angeklagte mit durchgedrücktem Gaspedal und mit bis zu 168 Stundenkilometern - das hatte die Datenauswertung aus dem Jaguar ergeben - durch die Stuttgarter Rosensteinstraße gerast. Als vor ihm ein Auto abbiegen wollte, wich der Angeklagte aus, verlor die Kontrolle und prallte in einen Kleinwagen am Straßenrand, der in der Ausfahrt des dortigen Kinos wartete. Darin saß ein junges Paar, eine 22-Jährige und ein 25-Jähriger. Sie starben nur Momente später.

"Ich weiß auch, dass es viel zu einfach ist, einfach nur zu sagen, dass es mir leid tut."

Schriftliche Erklärung des 21-jährigen Angeklagten

Seine Schuld hatte der angeklagte KfZ-Lehrling während des Prozesses eingeräumt: "Wegen mir sind zwei Menschen gestorben, es gibt nichts zu beschönigen." Die Verhandlung verfolgte er meist mit gesenktem Blick und still. Während er befragt wurde, wurde die Öffentlichkeit zu seinem Schutz ausgeschlossen. Seine Freunde aus dem Stuttgarter Nordbahnhofviertel beschrieben den jungen Mann als eher zurückhaltend. Offenbar ist er außerdem sehr auf Autoritätspersonen wie zum Beispiel seinen älteren Bruder fixiert. Klar wurde auch: Der 21-Jährige zeigte sich gern mit schnellen Autos, sowohl auf der Straße als auch in sozialen Netzwerken im Internet. Bereits zwei Mal vor dem Unfall hatte sich der KfZ-Lehrling schon schnelle Autos ausgeliehen.

Ein Kreuz mit Namen Jacqui und Riccardo auf einem Grünstreifen an der Straße, davor sind Blumen gepflanzt. (Foto: SWR)
An der Unfallstelle in der Stuttgarter Rosensteinstraße haben die Eltern der Verstorbenen einen Gedenkort angelegt.

Eltern der Verstorbenen waren beim gesamten Prozess dabei

Die Eltern der beiden Verstorbenen verfolgten den gesamten Prozess als Nebenkläger mit. Der Vater des toten 25-Jährigen trug dabei immer ein T-Shirt, auf dem das Gesicht seinen Sohnes gedruckt ist. Die Mutter der 22-jährigen Verstorbenen sagte vor Gericht über ihre Tochter: "Ich vermisse sie schrecklich. Ich vermisse ihr Lachen und ihr Reden."

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