Das Bordell "Paradise" bei Stuttgart (Foto: picture-alliance / dpa, Archivbild)

Menschenhandel in Großbordell Erstes "Paradise"-Urteil: Bewährungsstrafe für Ex-Geschäftsführer

Im Stuttgarter Prozess um Menschenhandel und Zwangsprostitution in der Bordellkette "Paradise" ist das erste Urteil gefallen. Der frühere Geschäftsführer erhielt eine Bewährungsstrafe.

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Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Der 53-Jährige wurde vor dem Stuttgarter Landgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt . Er habe unter anderem Beihilfe zum Menschenhandel und zur sexuellen Ausbeutung geleistet, sagte der Richter am Freitag. Zugleich habe er billigend in Kauf genommen, dass Frauen in dem Großbordell in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen) zur Prostitution gezwungen worden seien.

Der Mann hatte in dem Verfahren ein weitgehendes Geständnis abgelegt. In dem Großbordell waren auch viele Frauen unter 21 Jahren tätig, teilweise aus Osteuropa. Sie seien in vielen Fällen durch Drohungen oder Schläge gefügig gemacht worden. Der seit März laufende Prozess gegen die drei anderen Angeklagten ist bis ins kommende Jahr terminiert.

Vorwurf: Schwerer Menschenhandel

Hauptangeklagter ist der inzwischen 65 Jahre alte ehemalige Chef der Bordellkette, Jürgen Rudloff. Er sitzt seit September 2017 in Stuttgart in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem die Förderung von schwerem Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, Beihilfe zur Zuhälterei und Betrug vorgeworfen. 2008 hatte Rudloff sein erstes Rotlichthaus vor den Toren von Stuttgart eröffnet. Es kamen weitere Großbetriebe in Frankfurt, Saarbrücken und Graz hinzu. Mitangeklagt sind Mitarbeiter, darunter sein Presse- und Marketingchef.

Für ehrliche und saubere Prostitution geworben

Über Jahre hatte der Bordellchef medienwirksam eine angeblich ehrliche und saubere Prostitution propagiert. Seine Idee: Er bietet die Plattform, sprich die Räume und ein Wellness-Drumherum. Die Prostituierten würden dort selbstständig arbeiten. Was aber in der Anklage stand, klang ganz anders: In den Bordellen hätten Hells Angels und United Tribuns das Sagen - sie hätten die Frauen anschaffen lassen und dann abkassiert.

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