Montage mit Bildern von den Demos in Stuttgart (Foto: SWR)

Tausende Demonstranten in Innenstadt Stuttgarter beziehen Stellung

Nach den rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz fanden am Freitag zwei Demos in Stuttgart statt. Ein Lager zog deutlich mehr Menschen an.

Rund 1.200 Menschen trafen sich nach Polizeiangaben auf dem Karlsplatz, um "gegen Rassismus, Sexismus und Homo- und Trans-Feindlichkeit, für Liebe Respekt, Bildung und Gleichberechtigung" zu demonstrieren. Unter anderem beteiligen sich daran Parteien, Gewerkschaften, Künstler und die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hielt auf dem Podium eine Rede: "Es ist notwendig, dass unsere Stadt ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung setzt", so Kuhn. Stuttgart sei eine Stadt der Vielfalt. Dazu gehörten unterschiedliche Herkünfte, Lebensstile und sexuelle Orientierung. Kuhn wandte sich auch gegen die AfD. "In Chemnitz hat sich klar gezeigt: Die AfD macht mit Neonazis gemeinsame Sache."

"Ich möchte mir nicht von irgendwelchen Typen mit Hundekrawatte sagen lassen, was ich zu denken, fühlen und wie ich zu lieben habe."

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne)

Vertreter der AfD hatten ihre Sympathie zur "Demo für alle" bekundet. Am Freitag nahm der Kreisverband der Stuttgarter AfD offiziell aber nach eigenen Angaben an keiner der beiden Demonstrationen teil.

Stuttgart Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) spricht auf der Bühne (Foto: SWR)
Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) auf dem Podium

Gegendemo zur "Demo für alle"

Die Veranstaltung unter dem Motto "Gemeinsam Vielfalt leben" war ursprünglich als Gegenveranstaltung zu einer Kundgebung der konservativen Organisation "Demo für alle" gedacht. Letztere kämpft seit Jahren für das klassische Familienmodell - Vater, Mutter und Kinder - und gegen angebliche Frühsexualisierung von Kindern durch die Thematisierung von alternativen Lebensweisen in Lehrplänen. Frühere Veranstaltungen haben auch schon rechtsextreme Teilnehmer angezogen.

Wegen der Vorfälle in Chemnitz habe sich die kleine Gegendemo zu einer "großen Demonstration für Vielfalt und Respekt, einer Demonstration gegen Rechts" ausgeweitet, informierten die Organisatoren "100% Mensch" über Facebook.

"Bus der Meinungsfreiheit"

Zu der Veranstaltung auf den Marktplatz, der "Demo für alle", kamen laut Polizei bis zu 80 Teilnehmer. Sie wurden mit Absperrgittern und einem großen Polizeiaufgebot geschützt. "Ich freue mich, dass wir hier sind in Stuttgart, dem Geburtsort der 'Demo für alle' - aber dass man uns abschotten muss, damit man uns nicht angreift, ist erschütternd", sagte Hedwig von Beverfoerde, die Gründerin des Vereins. Die Veranstalter hatten mit rund 100 Teilnehmern gerechnet. Größer war die Zahl der Gegendemonstranten auf dem Marktplatz, die laut Polizei "lautstark" gegen den "Bus der Meinungsfreiheit" der konservativen Organisation protestierten. Nach Polizeiangaben waren es bis zu 800. Gegen 17:30 Uhr endete die Veranstaltung, der Bus, mit dem die Organisation über ihre Anliegen informiert, fuhr davon.

Demonstranten vor einem Bus in Stuttgart (Foto: SWR)
"Der Bus der Meinungsfreiheit" auf dem Stuttgarter Marktplatz
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