Hand mit Messer (Foto: Imago, xdnet_cdnx)

Landgericht Stuttgart Fast sieben Jahre Haft wegen Messerattacke

Ein 20-Jähriger hatte in Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis) den Vater seiner Ex-Freundin niedergestochen. Dafür ist er am Dienstag zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Das Landgericht Stuttgart hat einen 20 Jahre alten Mann wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Erwachsenenrecht eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert. Der aus Afghanistan Geflüchtete hatte gestanden, im vergangenen Juli in Plüderhausen im Rems-Murr-Kreis in das Zimmer seiner Ex-Freundin eingestiegen zu sein.

Acht Mal zugestochen

Der 20-jährige Afghane hatte seiner Ex-Freundin in deren Zimmer mit einem Fleischermesser aufgelauert haben. Die Ex-Freundin war aber nicht da. Dafür hörte der Vater des Mädchens verdächtige Geräusche. Als er ins Zimmer kam, hatte der junge Mann achtmal zugestochen.

Schuldfähig

Die Vorsitzende Richterin erklärte, der 20-jährige Täter sei in seiner Reife verzögert, da er schon mit 8 Jahren das Elternhaus in Afghanistan verlassen musste und auf sich alleine gestellt gewesen sei. Er sei jedoch voll schuldfähig gewesen, als er im letzten Sommer sich bei dem Pizzaservice, für den er jobbte, ein langes und extrem scharfes Fleisch-Messer beschafft hatte. Zusätzlich hatte er sich noch Handschuhe und eine Gesichtsmaske besorgt. Damit war er in das Elternhaus seiner Exfreundin in Plüderhausen eingestiegen.

Motiv Eifersucht

Sein Motiv sei völlig überzogene Eifersucht gewesen, weil die junge Frau sich von ihm getrennt hatte – etwas, womit der junge Mann offenkundig nicht klarkam, wie das Gericht ausführlich darstellte. Und das, obwohl – wie die Richterin ausdrücklich betonte, sich die junge Frau ganz normal verhalten hatte. Ihr Gewalt anzutun, das sei das Motiv des jungen Mannes gewesen – und als er statt ihrer auf den Vater traf, wurde der Opfer seiner mörderischen Wut, so die Richterin.

Seelische Schäden beim Opfer

In der Begründung schilderte sie ausführlich, welchen immensen körperlichen, aber vor allem seelischen Schaden die tiefen Stichwunden bei dem Familienvater ausgelöst haben. Und sie würdigte, dass das Opfer trotzdem im Prozess ohne jede Spur von Racheabsicht ausgesagt habe. Ausdrücklich lobte sie, wie die gesamte Familie mit dem Gericht kooperiert habe, obwohl die Tat allen Beteiligten extrem nah gegangen sein musste. 

Schwer traumatisiert

Sie hoffe, dass das Urteil jetzt dazu beitrage, dass die immer noch schwer unter der Tat leidende Familie etwas zur Ruhe komme. Zeitweilig habe die Familie nach der Tat nicht mal mehr in dem Haus leben können, und der Vater könne noch immer nicht wieder voll arbeiten. Die Richterin beschrieb ausführlich, wie erschreckend der junge Mann bei der Tat immer wieder zugestochen hatte und wie es dem Mann offenkundig egal war, ob der Vater den Angriff überlebte.

Abschiebung so gut wie sicher

Der 20 Jährige Afghane muss jetzt erst mal zurück in die Untersuchungshaft und wird, wenn das Urteil rechtskräftig wird, in eine Jugendhaftanstalt verlegt. Die Richterin verwies auf das anhängige Asylverfahren des jungen Mannes – und kündigte an, dass er mit Sicherheit zurück nach Afghanistan abgeschoben werde, wenn er einen Teil seiner Strafe verbüßt habe.

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