Dunkle Wolken ziehen über die Mercedes-Benz Niederlassung in Stuttgart (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Norbert Försterling/dpa)

Anhörungsverfahren läuft Hunderttausende Daimler-Transporter im Verdacht illegaler Abgastechnik

Der Stuttgarter Autobauer Daimler steht im Verdacht, bei einem weiteren Dieselmodell eine illegale Abschaltvorrichtung verbaut zu haben. Es geht europaweit um hunderttausende Fahrzeuge.

Betroffen sind europaweit rund 260.000 Transporter des Modells Sprinter, davon etwa 100.000 in Deutschland. Die Wagen mit der Abgasnorm Euro 5, die bis 2016 hergestellt wurden, sollen nach einem Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) an Daimler vom 25. September eine "unzulässige Abschaltvorrichtung" verwenden. Das KBA hat ein Anhörungsverfahren eröffnet, bestätigte ein Daimler-Sprecher dem SWR. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" berichtet.

Bereits Rückruf beim GLK angeordnet

Laut Daimler handelt es sich jedoch um keinen neuen oder überraschenden Fund. Bereits im Juni hatte das KBA für rund 60.000 Diesel-Geländewagen vom Typ Mercedes-Benz GLK 220 einen Rückruf mit Sofortvollzug angeordnet. In diesem Zusammenhang habe Daimler "bereits darüber informiert, dass die beanstandete Funktionalität in verschiedenen Baureihen enthalten ist und eine Prüfung angekündigt". Für die fraglichen Sprinter sei "diese Prüfung abgeschlossen und das KBA hat nach eigenen Messungen nun auch ein Anhörungsverfahren eröffnet", hieß es. Im Fall des GLK hat Daimler Widerspruch eingelegt. Nach Auffassung des Konzerns ist die beanstandete Funktionsweise zulässig.

Nach dem Bericht von "Bild am Sonntag" beanstandet das KBA in seinem Schreiben an Daimler eine Computerfunktion für die Steuerung des Sprinter-Motors OM 651. Sie sorge dafür, dass der Grenzwert für Stickoxide von 180 Milligramm pro Kilometer nur beim gesetzlichen Prüfzyklus eingehalten werde, aber nicht im täglichen Betrieb.

Bußgeld wegen Verletzung der Aufsichtspflicht

Im Zuge des Dieselskandals hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart im September gegen Daimler außerdem ein Bußgeld in Höhe von 870 Millionen Euro verhängt. Grund war eine fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht in einer mit der Fahrzeugzertifizierung befassten Abteilung. Diese führte laut Staatsanwaltschaft dazu, dass die Dieselfahrzeuge Genehmigungen erhielten, obwohl der Ausstoß von Stickoxiden bei den Autos teilweise nicht den Vorschriften entsprach.

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