Dieter Zetsche (l), scheidender Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, und sein Nachfolger Ola Källenius stehen zu Beginn der Daimler Hauptversammlung gemeinsam auf dem Podium (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Karriererückblick von Daimler-Chef Zetsche Vom Kommen und Gehen bei Daimler

Am Mittwoch war der letzte Arbeitstag für Dieter Zetsche als Daimler-Chef. Im SWR-Interview hat er über seinen Nachfolger, die Diesel-Affäre und sein Treffen mit Donald Trump gesprochen.

Sein ganzes Berufsleben verbrachte Dieter Zetsche bei Daimler: in der Entwicklung, als Leiter des Vertriebs, Präsident der Daimler-Tochter Chrysler Group und schließlich als Daimler-Vorstandsvorsitzender. Nach mehr als 13 Jahren an der Spitze des Unternehmens tritt er nun ab und macht Platz für den Schweden Ola Källenius. "Ich bin seit langer Zeit überzeugt gewesen, dass Ola Källenius das Potenzial hat, in diese Aufgabe hineinzuwachsen", sagte Zetsche im SWR-Interview. Er habe große Zuversicht, dass sich das Unternehmen mit Källenius sehr positiv entwickeln werde.

Erste Ziele hat sich der zukünftige Daimler-Chef Källenius bereits vergangene Woche gesteckt. So teilte er mit, dass Daimler bis 2039 eine klimaneutrale Neuwagen-Flotte anstrebe. "Das ist ziemlich bald", stellte Zetsche fest. In der Autobranche sind 20 Jahre nicht viel Zeit. Dennoch hält er Källenius' Ankündigung für richtig, auch wenn das bedeute, "die Komfortzone zu verlassen". Daimler tue das in voller Überzeugung und mit der klaren Intention, die klimaneutrale Neuwagen-Flotte auch zu realisieren.

Zum Thema Dieselaffäre sagte der noch amtierende Daimler-Chef, er sei immer davon ausgegangen, dass die Daimler-Ingenieure grundsätzlich in guter Absicht handeln. "Bisher sind mir auch keine Fakten bekannt, die diese Aussage in Frage ziehen würden", so Zetsche. Ins Detail wollte er aber wegen der laufenden Ermittlungen nicht gehen.

"Trump ist eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit"

Im SWR-Interview erinnerte sich Zetsche außerdem an die Begegnung mit US-Präsident Donald Trump im vergangenen Dezember. "Er ist sicherlich eine sehr eindrucksvolle Persönlichkeit, die es ohne jeden Zweifel versteht, ihre Zuhörer in einen gewissen Bann zu schlagen", sagte Zetsche. Er war damals zusammen mit Vertretern von BMW und Volkswagen in die USA gereist. Seiner Einschätzung nach hat der Besuch die Wahrscheinlichkeit von Strafzöllen auf deutsche Autos zumindest reduziert. Auch wenn er bei dem Gespräch mit Trump in erster Linie nur Zuhörer gewesen sei. "Wir hatten innerhalb der Dreiviertelstunde vielleicht fünf Minuten Redeanteil - zu dritt."

Seine Entscheidung, in diesem Jahr keine Parteispenden zu tätigen, verteidigte Zetsche. Daimler sei viele Jahre das einzige große Unternehmen gewesen, das überhaupt an Parteien gespendet habe. Dafür habe es auch Kritik gegeben, so Zetsche. Außerdem sei man in 200 Ländern aktiv und würde dort auch kein Geld an Parteien geben. Im vergangenen Jahr hatte der Autokonzern mehr als 300.000 Euro gespendet. CDU und SPD erhielten jeweils 100.000 Euro, 40.000 Euro gingen an die Grünen, CSU und FDP. Ob die Parteien sich künftig wieder über Spenden von Daimler freuen können, liegt nicht mehr in Zetsches Hand. "In diesem Jahr haben wir so entschieden, jetzt schauen wir mal, wie es im nächsten aussieht", sagte er.

Zetsche geht, Schnurrbart bleibt

Dann wird Zetsche nicht mehr bei Daimler mitentscheiden, nach 13 Jahren als Chef. Nur wenige andere Vorstandsvorsitzende können eine so lange Amtszeit vorweisen. Vielleicht auch, weil er sich zu einer Marke entwickelt hat? Das sei sicherlich nicht seine Absicht gewesen, sagt der Daimler-Chef. Auch wenn er nicht bestreitet, inzwischen eine solche zu sein. Zur Marke Zetsche gehört auch sein Schnurrbart, den er seit seiner Jugend trägt. Ihn abzurasieren, ist nicht geplant. "Aber ich habe auch noch nie darüber nachgedacht, wie es ohne kleinen Finger wäre."

Das ganze Gespräch von Dieter Zetsche mit SWR-Chefredakteur Fritz Frey finden Sie hier.

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