Ferdinand Piëch  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa (Archivbild von 2014))

Im Alter von 82 Jahren Porsche-Enkel und Ex-VW-Chef Piëch gestorben

Der langjährige VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist tot. Der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche begann seine Karriere beim Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche, den er später in den VW-Konzern einverleibte.

Dauer

Die Witwe Piëchs, Ursula Piëch, bestätigte den Tod ihres Ehemannes. Ihr Mann sei am Sonntag im Alter von 82 Jahren "plötzlich und unerwartet verstorben", hieß es in einer Mitteilung Ursula Piëchs, die der Anwalt der Familie, Christian Schertz, verschickte.

Ursula Piëch schrieb: "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, hieß es weiter. Piëch hinterlasse eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern.

Start des Porsche-Enkels bei Porsche in Zuffenhausen

Ferdinand Piëch wurde am 17. April 1937 als Sohn von Anton und Louise Piëch und Enkel von Ferdinand Porsche in Wien geboren. Der gelernte Maschinenbauer startete seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Seinen Ruf als Konstrukteur erwarb er sich bei Audi in Ingolstadt, wo er Entwicklungen von der Aluminium-Karosserie in Leichtbauweise bis hin zum Audi-Quattro-Antrieb vorantrieb - auch wenn nicht alles technisch Machbare immer einen großen Verkaufserfolg zeitigte. 1988 rückte er an die Spitze der VW-Tochter Audi, die er zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von BMW und Mercedes machte.

Langjähriger VW-Chef Das Leben des Porsche-Enkels Ferdinand Piëch

Audi-Vorstandsmitglied (Technische Entwicklung) Ferdinand Piëch Anfang der Achtzigerjahe mit einem Goldenen Lenkrad in der Hand neben einem Audi 100. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa)
Ferdinand Piëch startet seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen - seinen Ruf als Konstrukteur erwirbt er sich aber bei Audi in Ingolstadt. Das Foto zeigt ihn Anfang der Achtzigerjahre neben einem Audi 100 - und mit einem Goldenen Lenkrad in der Hand. Die Auszeichnung für neue Automodelle wird von einer Boulevardzeitung vergeben. 1988 rückt Piëch an die Spitze der VW-Tochter, von 1993 bis 2002 führt er dann den Mutterkonzern als Vorstandschef. picture alliance/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen, schreibt seine Witwe Ursula Piëch nach seinem Tod. Hier steigt der damalige VW-Vorstandsvorsitzende in Hamburg aus einem neuen Ein-Liter-Auto aus. Der Wagen verbrauchte 2002 bei einer Testfahrt weniger als einen Liter Kraftstoff auf einhundert Kilometern. In diesem Jahr scheidet Piëch als Vorstandschef aus - und leitet dann den Aufsichtsrat von VW. (c) dpa - Bildfunk Bild in Detailansicht öffnen
2009 wird der VfL Wolfsburg Deutscher Meister - mit VW als Sponsor. Da nimmt der VW-Patriarch beim Autokorso schon mal Gratulationen der Fußballfans entgegen. (c) dpa - Bildfunk Bild in Detailansicht öffnen
Ein Machtkampf, der die Wirtschaftswelt in Atem hält: Erst scheitert Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (r.) mit dem Versuch, VW zu übernehmen, anschließend werden die Zuffenhausener selbst geschluckt. Hier begrüßt der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Piëch Wiedeking zu Beginn der Volkswagen-Hauptversammlung in Hamburg im Jahr 2009. (c) dpa - Bildfunk Bild in Detailansicht öffnen
Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Gerhard Schröder (r.) zeichnet den VW-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch 1997 in Hannover mit der Landesmedaille aus. Der Altkanzler wird Piëch später den Rücken stärken, als der sich 2015 einen Machtkampf mit dem damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn liefert - und schließlich im Zorn hinwirft. (c) dpa (Archivbild) Bild in Detailansicht öffnen
Mit seiner zweiten Frau Ursula ist Ferdinand Piëch fast 35 Jahre lang verheiratet. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor - 13 hat Piëch laut seiner Witwe insgesamt. In früheren Medienberichten war häufig von zwölf Kindern die Rede gewesen. Fünf Kinder stammen aus seiner ersten Ehe, zwei aus einer zwölf Jahre langen Verbindung mit Marlene Porsche, der später geschiedenen Frau seines Vetters Gerhard Porsche. Ursula Piëch wird 2012 auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat. Das Bild zeigt das Paar vor fünf Jahren bei der Audi-Hauptversammlung in Ingolstadt. (c) dpa Bild in Detailansicht öffnen
Piëch beschäftigt sich in seiner Freizeit mit fernöstlicher Kultur und japanischer Ethik - und er ist ein erfahrener Segler. Seine große Leidenschaft bleiben aber Autos, Motorräder und Motoren. Am Sonntag ist Ferdinand Piëch im Alter von 82 Jahren gestorben. picture alliance/Andreas Gebert/dpa (Archivbild von 2010) Bild in Detailansicht öffnen

Jahrelang im Machtzentrum des VW-Konzerns

Von 1993 bis 2002 führte er schließlich Volkswagen als Vorstandschef und leitete im Wolfsburger Konzern anschließend bis 2015 den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre.

Porsche wird zwölfte Marke im VW-Konzern

Unter seiner Ägide verleibte sich VW Porsche ein, nachdem der Stuttgarter Sportwagenbauer zuvor mit seinem eigenen Versuch, VW zu übernehmen, gescheitert war. Seine Macht schien zeitweilig unbegrenzt, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

Machtkampf mit Winterkorn

Der detailverliebte Autonarr lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn mit strenger Hand, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zum damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn - er verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin.

Aktienpaket an der VW-Dachholding Porsche SE verkauft

Was ihm zunächst blieb, war das Aufsichtsratsmandat beim Volkswagen-Haupteigner Porsche SE - die Familien Porsche und Piëch halten 100 Prozent der Stimmrechte an der Firma. 14,7 Prozent davon gehörten zu dem Zeitpunkt Piëch. 2017 bot er seinen Verwandten den Großteil des Aktienpakets an, die griffen zu.

Ostern 2017 wurde Piëch 80 Jahre alt. Zum Geburtstag würdigte VW die Verdienste des Auto-Managers: "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", sagte ein VW-Sprecher. "Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft."

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