Nahaufnahme eines Melanoms (Foto: picture-alliance / dpa, Unihautklinik Tübingen)

Hautkrebs-Kongress in Stuttgart Experten: Sonnencreme schützt nicht vor Krebs

Sonnengebräunte Haut - das war vorgestern. Heute schützt man sich vor zuviel Sonne. Wie man Hautkrebs erkennt und am besten behandelt, dazu treffen sich Experten in Stuttgart.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Diesen Sommer gab es Sonne satt. Millionen Menschen setzten sich Sonnenbrillen auf und legten sich in die Sonne. Dazu ordentlich Sonnencreme auf die Haut, am besten mit Lichtschutzfaktor 50. Das sollte gegen Sonnenbrand helfen und vor Hautkrebs schützen. "Ein Irrglaube", warnt der Tübinger Hautexperte Claus Garbe.

Ungebremst steigende Hautkrebsraten

Es sei nicht so, dass die Haut durch Sonnenschutzmittel komplett vor Hautkrebs geschützt werden könne. "Vor Sonnenbrand ja, vor Hautkrebs nicht", so der Dermatologe. Schon sehr niedrige Dosen UV-Strahlung verursachten Veränderungen des Erbguts in der Haut, die das Krebsrisiko vergrößern können. "Sobald die Haut braun wird, sind schon Mutationen ausgelöst", sagt Hautexperte Garbe und warnt zusammen mit seinen Kollegen vor ungebremst steigenden Hautkrebsraten.

Hautmutationen bei Kindern

Garbe ist Tagungspräsident des 28. Deutschen Hautkrebskongresses am Donnerstag in Stuttgart. Der Professor berichtet vom "überraschenden Resultat" einer Studie mit rund 1.800 Kindergartenkindern, nach der Sonnenschutzmittel keinen Effekt auf die Entwicklung von Hautmutationen hatten. Schutz durch Kleidung dagegen habe einen deutlichen Unterschied ausgemacht.

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Verdoppelung der Hautkrebsraten bis 2030

Solange die Menschen das ausgiebige Sonnenbaden nicht sein ließen, solange braun sein "in" sei, stiegen die Hautkrebsraten wohl weiter, sagt der Mediziner, und das ungebremst. Bis 2030 werde eine Verdoppelung bei der Zahl der Neuerkrankungen erwartet. Dann gibt es in Deutschland so viele neue Fälle von Hautkrebs im Jahr wie bei allen anderen Krebsarten zusammen, so Garbe. Er sieht ein Plateau frühestens 2050.

Die Haut vergisst nicht

Gab es in den 50er Jahren nur einen Fall des besonders tückischen schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom) in Deutschland auf 100.000 Menschen pro Jahr, waren es in den 90er Jahren bereits acht Fälle und im Jahr 2010 rund 25. Für das Jahr 2030 werden Garbe zufolge 45 Fälle prognostiziert. Menschen, die heute an Hautkrebs erkranken, hätten vor etwa 20, 30 Jahren zu viel Sonne bekommen, erklärt der Mediziner.

Spätfolgen

Experten sehen in den derzeit ungebremst steigenden Fallzahlen die späten Folgen UV-bedingter Hautschäden in Kindheit und Jugend sowie nach freizeit- und berufsbedingter, langjähriger Sonneneinstrahlung. Je intensiver und anhaltender die Haut der UV-Strahlung ausgesetzt war, desto höher ist das Krebsrisiko.

Hautschäden summieren sich auf

Für Ralf von Kiedrowski von Berufsverband der Deutschen Dermatologen gilt: Zwar mache ein Sonnenbrand allein noch keinen Hautkrebs. "Aber die Haut addiert auf". Im Laufe des Lebens wachse der aufsummierte Schaden - und die Wahrscheinlichkeit für Hautkrebs steige.

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