Wohnungsdebatte im Rathaus Stuttgart (Foto: SWR, Verena Neuhausen)

Mietsituation in Stuttgart Hausbesetzung nach Generaldebatte

Stuttgart gehört zu den bundesweit teuersten Städten. Bezahlbare Wohnungen sind kaum zu finden. Bei einer Generaldebatte im Gemeinderat wurde diskutiert und am Abend sogar erneut ein Haus besetzt.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) will in der Landeshauptstadt den sozialen Wohnungsbau stärken und mehr bezahlbare Mietwohnungen schaffen. "Das andere regelt der Markt", sagte Kuhn am Donnerstag bei einer Generaldebatte zum Wohnungsbau im Gemeinderat. Immer wieder wurde er durch Zwischenrufe von Protestierenden unterbrochen.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Landeshauptstadt sei nicht wegzudiskutieren, räumte der Grünen-Politiker ein. Es sei Aufgabe städtischer Politik, den Mangel zu beheben. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz etwa äußerte sich enttäuscht über die fehlenden Fortschritte in der Ära Kuhn. SPD-Fraktionschef Martin Körner sagte, dass Mieten von 13 oder 14 Euro je Quadratmeter in der City längst keine Seltenheit mehr seien.

Hausbesetzung (Foto: SWR)
Im Mai hatten zwei Familien leerstehende Wohnungen in Stuttgart-Heslach besetzt, bis die Polizei diese räumte.

Baumaßnahmen im Umland helfen auch Stuttgart

Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft brauche mehr Mittel, sagte Kuhn. Er begrüßte ausdrücklich Aktivitäten in der Region: Das helfe auch, indirekt mehr bezahlbaren Wohnraum für die Landeshauptstadt zu schaffen - ohne den Charakter Stuttgarts zu gefährden.

Laut Stadt wurden im vergangenen Jahr in Stuttgart 2.000 Wohnungen geschaffen, und damit die Zielvorgabe 1.800 erfüllt, darunter 300 Sozialwohnungen.

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Demo auf dem Marktplatz und neue Hausbesetzung

Während im Rathaus die Fraktionen des Gemeinderates nach Wegen aus der Wohnungsnot suchten, ohne Beschlüsse zu fassen, demonstrierten auf dem Marktplatz davor rund 150 Menschen. Aufgerufen dazu hatte das Aktionsbündnis "Recht auf Wohnen". Die Teilnehmer trugen Banner mit Aufschriften wie "Wohnraum für alle" oder "Wohnen ist Menschenrecht". Stuttgart dürfe nicht zu einer Stadt der Reichen werden, lautete die Botschaft der Redner.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, besetzten Demonstranten am Donnerstagabend ein renovierungsbedürftiges Haus im Stadtteil Bad Cannstatt. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich bis zu 60 Personen an der Aktion. Gegen 23 Uhr verließen die Aktivisten das Gebäude wieder - so wie sie es zuvor bereits angekündigt hatten. Alles sei friedlich abgelaufen, so die Polizei.

Das Haus in der Nähe des S-Bahnhofes gehört der Stadt - es steht seit Jahren leer, weil es Streit darüber gibt, ob es abgerissen oder saniert werden soll.

Aktivisten laufen (Foto: SWR)
Rund 100 Aktivisten laufen zu einem leerstehenden Haus in Stuttgart
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