Gedenken an den Holocaust Acht neue Stolpersteine in Stuttgart erinnern an NS-Opfer

Stolpersteine erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Nun wurden acht weitere der Metallwürfel in Stuttgart verlegt. Die Veranstalter finden: Das Thema ist aktueller denn je.

Der Künstler Gunter Demnig verlegt einen Stolperstein in Stuttgart (Foto: SWR, Jürgen Waibel)
Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt auf der Stuttgarter Königstraße einen Stolperstein für ein jüdisches NS-Opfer. Jürgen Waibel

"Dies ist ein absolut außerordentlicher Tag", sagt Edith Rothschild, eine Enkelin der bekannten jüdischen Familie Rothschild in Stuttgart. Sie ist mit ihrem Mann eigens aus den USA angereist und steht mit rund 80 anderen Gästen am Donnerstag auf der Stuttgarter Königstraße. Sie sieht mit Tränen in den Augen zu, wie der Kölner Künstler Gunter Demnig schweigend, im Gedenken an ihren Vorfahren Aron Rothschild, einen Stolperstein im Asphalt verlegt. Einst hatte Aron Rothschild in der Königstraße 19A gewohnt, bis er von den Nationalsozialisten im Vernichtungslager Treblinka in Polen ermordet wurde.

Dauer

"Verantwortung für die Demokratie übernehmen"

Mit dabei war auch eine neunte Klasse des Mädchengymnasiums St.Agnes, amerikanische Schüler aus Böblingen und Vertreter der Initiative Stolperkunst. Organisiert wurde die Aktion von den Stuttgarter Stolperstein-Initiativen. "Stolpersteine ermahnen dazu, sich unserer Geschichte bewusst zu sein und damit Verantwortung für die Demokratie in unserem Land zu übernehmen", hieß es von der Organisation. Der angebliche "Vogelschiss der Geschichte" (Anm. d. Red.: Damit bezieht sich die Initiative auf ein Zitat von AfD-Chef Alexander Gauland Anfang Juni) dürfe sich angesichts zunehmender antisemitischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Hetze sowie Übergriffen nicht wiederholen.

Im Vordergrund Angehörige von Aron Rothschild (Foto: SWR, Jürgen Waibel)
Die Angehörige Edith Rothschild war mit ihrem Mann aus den USA angereist. Jürgen Waibel

Als am Donnerstag alles vorbei ist und der neue Stolperstein im Boden glänzt, ist Edith Rothschild bewegt und erleichtert - und sie erzählt, dass sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft zurück hat. Warum sie diese wollte? "Die Nazis haben sie mir genommen. Jetzt habe ich sie zurückgeholt. Ich bin Amerikanerin und Deutsche. Das ist meine Familie."

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