Projekt unter Führung der Universität Hohenheim Forscher wollen die Landwirtschaft entgiften

Forscher der Universität Hohenheim wollen in einem mehrjährigen und millionenschweren Versuch prüfen, unter welchen Umständen die konventionelle Landwirtschaft komplett auf Chemie verzichten könnte.

Der mögliche Ausweg aus der Chemie auf dem Feld: Die Forscher in Stuttgart und ihre Partner wollen neben einer verbesserten digitalen Technik und abgestimmten Saatfolgen vor allem Mineraldünger so einsetzen, dass er den umstrittenen chemischen Pflanzenschutz ersetzt. "Das könnte ein dritter Weg werden - ein Weg zwischen der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft", so Enno Bahrs, Sprecher des Projekts. Die Forschung ist auf viereinhalb Jahre angelegt. Untersucht werden dabei der gesamte "Lebensweg" von Gemüse und Obst - von der Aussaat über die Ernte bis auf den Markt sowie Ackerbaustrategien.

Einsatz von Pestiziden im Ackerbau (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Einsatz von Pestiziden im Ackerbau (Archivbild) Picture Alliance

Breiter Einsatz von Technologien

Dabei sollen die Vorteile der konventionellen und der ökologischen Landwirtschaft vereint werden, so Bahrs. Partner des Projekts stammten aus 20 Fachgebieten. Beteiligt sind neben Koordinator Universität Hohenheim auch das Julius-Kühn-Institut - das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Quedlinburg - und die Universität Göttingen.

"Zum Einsatz kommen modernste automatisierte und digitalisiert vernetzte Technologien, die biologischen Prinzipien folgen", kündigte Bahrs an. "Ziel sind hohe Erträge mit qualitativ hochwertigen Produkten bei gleichzeitiger Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, auch durch den Einsatz mineralischer Dünger." Außerdem soll untersucht werden, wie sich der Anbau ohne chemische Pflanzenschutzmittel, aber mit Mineraldünger auf das Wachstum der Pflanzen auswirkt.

Untersucht wird auch die Wirkung auf Insekten und den Boden

"Wir erfassen die Folgen auf Schaderreger, Unkräuter und den Ertrag", erklärte Ralf Vögele, Dekan der Fakultät Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim. "Außerdem prüfen wir die Wirkung auf bestäubende Insekten und auf den Boden." Der Weg zum Ziel führt nach Ansicht Vögeles unter anderem über andere Fruchtfolgen aus Halm- und Blattfrüchten mit Winter- und Sommerfrüchten. "Neben Getreide und Mais werden auch Eiweißpflanzen und Zwischenfrüchte integriert."

Förderung von 5,3 Millionen Euro

Das Projekt mit dem etwas sperrigen Namen "LaNdwirtschaft 4.0 Ohne chemisch-synthetischen PflanzenSchutz" (NOcsPS) wird mit 5,3 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert. "Das ist eine Innovation", so Bahrs. "Dieses System ist bislang eine Forscherwüste."

Kritik vom Deutschen Bauernverband

Landwirtschaft ohne Pflanzenschutzmittel werde aber nicht funktionieren, meint der Deutsche Bauernverband. Dann wären Kulturen Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt, und es sei mit Ertragsverlusten zu rechnen. Unumstritten ist jedoch auch bei den Forschern, dass die Weltbevölkerung mit Ökolandbau als Alternative zur konventionellen Landwirtschaft nicht zu ernähren ist.

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