Europäischer Tag des Notrufs 112 Privater Rettungsdienst im Rems-Murr-Kreis wird ausgebremst

Schnelle Hilfe ist nicht immer möglich. Dafür sind die Anfahrtszeiten schlichtweg zu lange. So auch im Rems-Murr-Kreis. Ein privater Rettungsdienst bietet jetzt Hilfe an. Doch der wird ausgebremst.

Bei Menschen in Not ist Eile geboten - sei es, wenn sie einen Unfall erleiden oder Opfer eines Brandes sind. Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von 15 Minuten wird oft nicht erreicht. Rettungsdienste wie das Rote Kreuz, Malteser oder Arbeiter-Samariter-Bund schaffen es teilweise nicht in der vorgeschriebenen Zeit am Einsatzort zu sein.

Interviewpartner vor Krankenwagen (Foto: SWR, Fabian Siegel)
Helmut Winkler will im Rems-Murr-Kreis nicht nur Krankenfahrten anbieten. Fabian Siegel

Nur Krankenfahrten durch privaten Anbieter

Auch im Rems-Murr-Kreis braucht der Rettungsdienst teilweise zu lange zum Patienten. Nun bietet ein privater Unternehmer seine Hilfe bei Notfalleinsätzen an. Mit wenig Resonanz von den zuständigen Gremien. So darf der Unternehmer Helmut Winkler lediglich Krankenfahrten anbieten. Wenn es darum geht Menschen zu retten, darf das Team von Winkler dagegen nicht helfen. Winkler selbst sagt, er könne es innerhalb von drei Monaten schaffen, Notfalleinsätze zu fahren. "Das Personal ist vorhanden, wir könnten schnelle Hilfe leisten", so Winkler. Auch die Krankenwagen sind mit moderner Technik ausgestattet.

DRK weist Kritik von sich

Über Notfalleinsätze entscheiden sogenannte Bereichsausschüsse. Der für den Rems-Murr-Kreis zuständige lehnt das bisher ab. In diesem Ausschuss sitzen die Krankenkassen und die ehrenamtlichen Rettungsdienste.

Dauer

Das DRK betreibt acht von neun Rettungswachen im Rems-Murr-Kreis. Den Vorwurf, Konkurrenz nicht zulassen zu wollen, weist ein Sprecher zurück. "Wir als Rotes Kreuz haben keinen Personalmangel. Daher ist bei uns die Sache rein infrastukturell begründet." Das DRK will die Rettungswachen ausbauen. Doch bis dahin kann die Hilfsfrist von 15 Minuten nicht immer eingehalten werden.

Wettbewerb erwünscht

Bereits 2010 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass nicht nur etablierte Hilfsorganisationen wie DRK oder Feuerwehr die Arbeiten bei Notfällen übernehmen können, sondern auch private Rettungsdienste. Diese können ihren Sitz in Deutschland oder anderen EU-Ländern haben. Die Gesetzgeber wollten ein Signal für mehr Wettbewerb setzen. Denn Hilfe im Notfall ist teuer und bislang teilen sich in Deutschland die großen Hilfsorganisationen und die Feuerwehr die Arbeiten bei Notfällen fast vollständig unter sich auf. Kritiker bemängeln, die Einsatzzahlen im Rettungswesen stiegen schneller als der Rettungsdienst wachse.

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