Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern (Foto: SWR)

Erste Mordanklage nach Raserei in Baden-Württemberg Mordprozess nach tödlichem Verkehrsunfall in Stuttgart hat begonnen

Vor dem Landgericht Stuttgart hat am Mittwoch der Mordprozess gegen einen jungen Autofahrer begonnen, der ein junges Pärchen getötet haben soll. Der erste Zeuge schilderte den Mann als "labil".

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Wegen des großen Zuschauerandrangs begann der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts Stuttgart mit einer Stunde Verspätung. Angeklagt ist ein 20-jähriger Mann. Er soll an einem Abend im März in einem gemieteten Auto mit 160 bis 165 Stundenkilometern auf eine Kreuzung in der Stuttgarter Innenstadt zugerast sein und den tödlichen Unfall verursacht haben, so die Staatsanwaltschaft Stuttgart zu Beginn des Prozesses.

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Angeklagter war laut Zeugenaussage ein Poser

Als erster Zeuge sagte der 19-jährige Beifahrer des Jaguarfahrers aus. Er hatte über soziale Netzwerke mitbekommen, dass der 20-Jährige in Stuttgart unterwegs war und wollte mitfahren. Kurz vor dem Unfall stieg er zu. "Das war eine Sache von 30 Sekunden", erinnerte er sich im Prozess. "Das ging ruckzuck." Er schilderte den Angeklagten als ruhigen Menschen, der sich alles sagen ließ. Aber auch als Poser, der seine Fahrten mit geliehenen Autos gerne auf Instagram einstellte.

Anklage: Es war Mord

Beim Betreten des Gerichtssaals hatte der Angeklagte sein Gesicht hinter einem Aktenordner und unter einer roten Kapuze verborgen. Er schwieg - auch als die Staatsanwältin ihm vorhielt, dass ihm das tödliche Risiko seiner Fahrweise bewusst gewesen sei. Angesichts des gewollten Geschwindigkeitsrausches sei ihm das aber egal gewesen. Wer den Tod anderer billigend in Kauf nehme, müsse sich wegen Mordes verantworten.
Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft noch wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Ankläger änderten ihre Meinung jedoch, als ein Gutachter den Bordcomputer des Jaguar ausgewertet und eine Geschwindigkeit von etwa 160 Stundenkilometern ermittelt hatte.

Verteidiger: Es war kein Mord

Der Verteidiger des 20-Jährigen räumte zu Prozessbeginn ein, dass sein Mandant die Verantwortung dafür trage, dass eine 20-jährige Frau und ihr 25-jähriger Freund durch den Unfall aus dem Leben gerissen wurden. Ihn deshalb wegen Mordes anzuklagen, wies der Anwalt jedoch entschieden zurück. Dies sei - so seine Meinung - ein dem Zeitgeist geschuldeter Vorwurf.

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Eltern der Opfer sind im Prozess dabei

Die Eltern der beiden Getöteten treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Sie rangen mit den Tränen, als am Mittwoch von der Anklage verlesen wurde, wie der Sportwagen des Angeklagten in den Kleinwagen ihrer Kinder gekracht war. Der junge Mann fuhr damals einen 550 PS starken, gemieteten Jaguar F-Type Coupé. Als er einem entgegenkommenden Fahrzeug auswich, habe er die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und den Kleinwagen des jungen Paars gerammt, der an einer Parkplatzausfahrt stand. Die Beiden waren gerade erst aus dem Rheinland nach Stuttgart gezogen und starben noch an der Unfallstelle.

Zwei Tote wegen Raser (Foto: SWR)
Der tödliche Unfall ereignete sich am späten Abend des 6. März 2019.

Spuren des Unfalls sind noch sichtbar

Auch Monate nach dem Unglück sind die Spuren des tödlichen Unfalls in der Stuttgarter Rosensteinstraße noch zu sehen: In einem Grünstreifen neben der Straße an der Unfallstelle stehen Kerzen, vertrocknete Blumen, ein Kreuz und neuerdings auch ein herzförmiger Gedenkstein. Auf dem Stein ist das Bild der 22-jährigen Frau und ihres 25-jährigen Freundes, die hier gestorben sind.

Gedenkstein (Foto: SWR, Katharina Kurtz)
Bei dem Unfall waren zwei Menschen, ein junges Pärchen, gestorben Katharina Kurtz

Bundesweit nur wenige Mordanklagen wegen Raserei

Nur eine Woche vor dem tödlichen Unfall in Stuttgart hatte der Bundesgerichtshof erstmals ein Mordurteil gegen einen rücksichtslosen Raser bestätigt, der im Jahr 2017 in Hamburg mit einem gestohlenen Taxi einen Mensch getötet und zwei weitere schwer verletzt hatte.

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