Urteil im schwäbisch-schottischen Whisky-Streit Whisky aus Rems-Murr-Kreis darf nicht "Glen Buchenbach" heißen

Der Whisky aus dem Rems-Murr-Kreis "Glen Buchenbach" darf nicht länger so heißen. Das hat das Landgericht Hamburg entschieden. Es folgte damit einer Klage der schottischen Whisky-Produzenten.

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Das Landgericht Hamburg urteilte am Donnerstag, dass mit dem Namensbestandteil "Glen" die besonders geschützte geografische Angabe "Scotch" beeinträchtigt werde. Das bestätigte ein Gerichtssprecher in Hamburg. Die Waldhornbrennerei Klotz aus Berglen (Rems-Murr-Kreis) hat nun einen Monat Zeit zu entscheiden, ob sie gegen die Entscheidung in Berufung geht. Dann müsste sich das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) mit dem Fall beschäftigen.

"Scotch" in der EU-Spirituosenverordnung geschützt

Das juristische Schlachtfeld, auf dem Schotten und Schwaben sich seit 2013 bekriegen, ist die EU-Spirituosenverordnung. Sie schützt Dutzende von regionalen Herkunftsbezeichnungen, von "Scotch Whisky" bis zu "Haselünner Korn". Von "Glen" ist im Anhang III der Verordnung keine Rede. Das aus dem Gälischen abgeleitete englische Wort "Glen" bedeutet "kleines Tal" oder "Bergschlucht". In der EU-Verordnung ist auch festgelegt, dass die Anbieter von Spirituosen ihre Kunden nicht über den Ursprung ihrer Produkte in die Irre führen dürfen. Damit sollen nicht nur die Hersteller der Originalprodukte geschützt werden, sondern vor allem die Verbraucher in der EU.

Die schottische Whisky-Industrie schützen

Und "Glen", so die Schotten, stehe nun einmal für Whisky aus Schottland. "Unsere Mandanten sind glücklich", sagte Anwältin Wiebke Baars von der Rechtsanwaltsgesellschaft Taylor Wessing, die in dem Verfahren die schottische Seite vertrat. Es sei wichtig für die internationale Strategie der SWA, die schottische Whisky-Industrie zu schützen. Deshalb gehe sie auch im Ausland gegen Nachahmer und mögliche Irreführung vor. "Viele Gerichte quer durch viele Rechtssysteme haben geurteilt, dass Namen wie 'Highland' und 'Glen' oder Abbildungen wie Dudelsackspieler so stark mit Schottland und schottischem Whisky verbunden sind, dass ihre Benutzung in Verbindung mit anderem Whisky irreführend ist", sagte SWA-Direktor Alan Park.

Urteil: Irreführendes kann nicht nachträglich klargestellt werden

Bei der Entscheidung des Hamburger Gerichts sei besonders hervorzuheben, dass falsche oder irreführende Angaben in der Bezeichnung des Produkts nicht durch klarstellende Hinweise auf der Verpackung ausgeglichen oder geheilt werden könnten. "Damit könnte man den Schutz der geografischen Herkunft zu leicht aushebeln", sagte Baars. "Der Gesetzgeber hat seinen Willen da sehr deutlich gemacht."

"Das erste Gefühl: Ich bin enttäuscht."

Jürgen Klotz, Inhaber der Waldhornbrennerei in Berglen

Der Inhaber der Waldhornbrennerei Jürgen Klotz zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht. Vor der 12. Kammer desselben Landgerichts habe "Glen Els", ein anderer deutscher Whisky, im Namensstreit um das Wörtchen "Glen" Recht bekommen. "Der darf das verwenden und wir nicht", so Klotz. Ob die Waldhornbrennerei in Berufung gehe, wollte Klotz von der Urteilsbegründung abhängig machen und zunächst mit seinem Anwalt besprechen.

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Die Faktenlage spreche klar für die Waldhornbrennerei, sagte auch Klotz' Anwalt Sven Mühlberger. Nach Umfragen, die von der Gegenseite in Auftrag gegeben wurden, hätten kaum Verbraucher einen unmittelbaren Bezug zwischen "Glen" und "Scotch Whisky" hergestellt. Zudem sei "Glen" kein schottisches, sondern ein englisches Wort, das aus dem Irischen stamme und weltweit benutzt werde. "Mit der gleichen Argumentation könnte die SWA nahezu jeden schottisch anmutenden Begriff wie 'Mac' oder 'Maria Stuart' für sich beanspruchen."

Die Akte des langwierigen Rechtsstreits ist mittlerweile 5.000 Seiten dick und umfasst zehn Ordner. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte den Fall (Rechtssache C44/17) bereits im Juni vergangenen Jahres auf dem Tisch und ihn an die deutsche Justiz zurückgeschickt.

Whisky-Produktion für Großbritannien wichtig

Für Schottland und ganz Großbritannien hat die Whisky-Produktion große Bedeutung. Mit 128 Brennereien weist Schottland die größte Dichte an Whisky-Destillen weltweit auf. Sie exportierten 2017 rund 1,2 Milliarden Flaschen Whisky in alle Welt und erlösten damit 4,4 Milliarden Pfund (fünf Milliarden Euro). Nach Deutschland werden ungefähr 50 Millionen Flaschen exportiert. Mehr als 10.000 Beschäftigte arbeiten direkt in der schottischen Whisky-Industrie.

Bildergalerie: Nicht nur bei Whisky wird gestritten

Streit um Namen regionaler Produkte Schwäbischer Whisky, Spätzle und Rostbratwürste

Kleine Flaschen des Whiskys "Glen Buchenbach" stehen im Hofladen der Waldhornbrennerei in Berglen, Baden-Württemberg. (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)
Schwaben und Schotten sollen ja Gemeinsamkeiten haben. Aber beim Whisky sollen diese nun aufhören. Der schottische Whisky-Verband hatte der Brennerei aus dem Rems-Murr-Kreis untersagen wollen, ihren Whisky "Glen Buchenbach" zu nennen. Das Wort "Glen" (gälisch, "kleines Tal") sei schottischen Ursprungs und wecke beim Verbraucher die gedankliche Verbindung zu schottischem Whisky, einem "Scotch". Und "Scotch Whisky" ist eine geschützte geografische Bezeichung. Sebastian Gollnow Bild in Detailansicht öffnen
Um in Deutschland das Siegel "geschützt" zu bekommen, muss ein Produkt in einer Region entweder erzeugt oder verarbeitet oder hergestellt sein. Ein Kriterium reicht. Das Ganze wird sehr unterschiedlich gehandhabt. "Schwäbische Spätzle" zum Beispiel werden in ganz Baden-Württemberg und in "Bayerisch Schwaben" produziert – das kann man als geografische Angabe so durchgehen lassen. Die Zutaten allerdings müssen nicht aus dem Land sein und sind es häufig auch nicht. Bild in Detailansicht öffnen
Ähnlich wie mit den Spätzle verhält es sich auch mit den "schwäbischen Maultaschen". Bild in Detailansicht öffnen
Beim "Allgäuer Bergkäse" sind die Vorgaben streng. Das Produkt trägt das Label "geschützte Ursprungsbezeichnung". Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung müssen in ein und demselben Gebiet stattfinden. Beim Bergkäse darf die Milch nur von glücklichen Allgäuer Kühen kommen und nur dort produziert werden. Bild in Detailansicht öffnen
Die "Schwarzwälder Forelle" muss tatsächlich in einem zertifizierten Betrieb im Schwarzwald aufwachsen, sonst darf sie nicht so genannt werden. Bild in Detailansicht öffnen
Auch die "Aachener Printen" müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Bild in Detailansicht öffnen
Ebenso wie das "Lübecker Marzipan". Bild in Detailansicht öffnen
Auch der "Nürnberger Lebkuchen" ist geschützt. Bild in Detailansicht öffnen
Die "Thüringer Rostbratwurst": Die Vorschrift, dass 51 Prozent der Bestandteile aus Thüringen kommen müssen, wurde gekippt, es wird in Thüringen nicht genug Schweinefleisch produziert. Nun wird das Fleisch aus anderen Regionen und Ländern zugekauft. Die Wurst selber aber darf nur in Thüringen nach überliefertem Rezept produziert werden. Außerdem muss sie zwischen 20 und 25 Gramm wiegen, ihre Länge liegt zwischen sieben und neun Zentimetern. Bild in Detailansicht öffnen
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