Hotel Silber (Foto: SWR)

Eine Ausstellung zu Polizei und Verfolgung Ort der Erinnerung "Hotel Silber" wird in Stuttgart eröffnet

Die Nazis folterten und ermordeten hier Juden, Homosexuelle und Andersdenkende. In dem ehemaligen Hotel wird ab kommendem Dienstag mit einer Dauerausstellung an die Opfer erinnert.

Dauer

An dem geschichtsträchtigsten Ort in der Stuttgarter Dorotheenstraße haben die Organisatoren eine Ausstellung mit über 1.000 Quadratmetern Fläche eingerichtet. Über drei Stockwerke hinweg wird die Geschichte des Hotels gezeigt. Von den Anfängen als Hotel, der Zeit der Weimarer Republik bis hin zur Nazi-Zeit und dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Ausstellung zu Polizei und Verfolgung Ort der Erinnerung "Hotel Silber" wird in Stuttgart eröffnet

Hotel Silber (Foto: SWR)
Die Kuratoren des Hauses der Gesichte haben die Dauerausstellung im ersten Stock des Hotels zusammen mit Bürgern der "Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber" entwickelt. Bild in Detailansicht öffnen
Einige Fenster wurden absichtlich zugemauert: Mit Stichworten sollen die Besucher auch von außen auf die Themen der Ausstellung aufmerksam gemacht werden. Bild in Detailansicht öffnen
Die Gestapozentrale war in das Gebäude des ehemaligen Hotels eingezogen. Im Eingangsbereich des heutigen Museums sieht man noch die prachtvollen Säulen. Bild in Detailansicht öffnen
Das Bundesarchiv hat für die Dauerausstellung den Brief eines Elfjährigen zur Verfügung gestellt, der um Gnade für seinen Vater fleht. Bild in Detailansicht öffnen
Auch von außen kann man sich mit der Geschichte des Hotels Silber befassen. So sind Einzelschicksale auch zur Straße hin dokumentiert. Bild in Detailansicht öffnen

Sitz des Polizeipräsidiums und der Politschen Polizei am Ende der Weimarer Republik

Der Fokus liegt dabei auf den Gräueltaten, die hier von den Nazis begangen wurden. Anfang des Jahres 2011 begannen im Haus der Geschichte Baden-Württemberg die Recherchen und Vorarbeiten für die Errichtung eines Erinnerungsorts im so genannten Hotel Silber in Stuttgart, der ehemaligen Zentrale der Politischen Polizei und später Gestapo in Württemberg und Hohenzollern. Hier versuchte man, die linken und rechten Extremisten zu überwachen.

Dauer

Verfolgung durch Gestapo

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Württemberg im März 1933 wurde das Haus systematisch zum Hauptquartier des Terrors im Land ausgebaut. Von hier aus verfolgte man zunächst die politischen Gegner von SPD und KPD, vom Zentrum und den Kirchen. Später traf es auch die jüdischen Mitbürger, während des Zweiten Weltkriegs auch noch die Zwangsarbeiter.

Vom Hotel Silber aus in die Konzentrationslager

Homosexuelle, Sinti und Roma oder so genannte Asoziale waren schon in der Weimarer Republik verfolgt worden und wurden nun einer verschärften Unterdrückung ausgesetzt. Vom Hotel Silber aus organisierte die Gestapo die Verhaftungen, die Verschickung in die Konzentrations- und später in die Vernichtungslager. Nach Angaben der der Ausstellungsmacher und Experten des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg arbeitete die Gestapo nicht heimlich, sondern ganz offen.

Gestapo kann offen handeln

"Sie stand im Telefonbuch und jeder im Land wusste, wer dort wirkte. Dabei war die scheinbar allmächtige Gestapo personell zwar nach 1933 massiv ausgebaut worden", heißt es auf der Webseite zum Hotel Silber. Trotzdem war sie auf die Mithilfe der "Volksgenossinnen" und "Volksgenossen" angewiesen. Und an Denunziationen gab es keinen Mangel. Die Mehrzahl der Bevölkerung trug das Wirken der Gestapo mit.

Wiederaufbau des Polizeipräsidiums nach Kriegsende

Nach Kriegsbeginn war das Personal der Stuttgarter Gestapo in schwerste Verbrechen verwickelt. Noch kurz vor Kriegsende wurden im Hotel Silber mehrere Menschen brutal ermordet. Nach Kriegsende wurde der erhalten gebliebene Teil des Gebäudes wieder zum Polizeipräsidium, der zerstörte Flügel schnell wieder aufgebaut.

STAND