Neue Dauerausstellung im Landgericht zur NS-Justiz 423 Mal Tod durch Fallbeil in Stuttgart

Eine neue Dauerausstellung im Stuttgarter Landgericht erinnert an die unrühmliche Zeit der NS-Justiz in der Landeshauptstadt. In dieser Zeit wurden 423 Menschen hingerichtet.

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402 Männer und 21 Frauen starben in der Zeit von 1933 bis 1944 im Lichthof des alten Justizgebäudes durch das Fallbeil. Die Namen der Opfer sind auf Stelen vor dem Stuttgarter Landgericht nachzulesen. Ein Ausstellungsbereich erinnert außerdem an 73 jüdische Juristinnen und Juristen aus dem Landgerichtsbezirk Stuttgart, die während der NS-Zeit ermordet oder in die Emigration gezwungen wurden.

Ausstellung als Mahnung

Zusammen mit dem Oberlandesgericht und dem Landgericht Stuttgart hat das Haus der Geschichte die neue Daueraustellung "NS-Justiz in Stuttgart" konzipiert. "Die Ausstellung dient dem Gedenken an die Vergangenheit und mahnt, die Grundwerte eines freiheitlichen Rechtsstaats in der Gegenwart zu schützen und zu verteidigen", sagte die Präsidentin des Oberlandesgerichts Stuttgart Cornelia Horz bei der Pressekonferenz am Montag.

Auf Stelen vor dem Stuttgarter Landgericht sind die Namen von 423 Menschen zu lesen, die während der NS-Zeit im Lichthof des alten Justizgebäudes hingerichtet wurden. (Foto: Haus der Geschichte Baden-Württemberg / Pressefoto Kraufmann / Christoph Schmidt)
Die Namen der Opfer sind vor dem Stuttgarter Landgericht nachzulesen. Haus der Geschichte Baden-Württemberg / Pressefoto Kraufmann / Christoph Schmidt

Der Ausstellungsort - das Landgericht Stuttgart in der Urbanstraße - ist nicht zufällig gewählt. Landgerichtspräsident Andreas Singer findet es wichtig, dass "wir diese Ausstellung mitten in den Räumlichkeiten unseres Gerichts haben. Gerade uns Richterinnen und Richtern muss sie der Stachel im Fleisch sein", so Singer. Er erinnerte daran, dass der Volksgerichtshof und die Sondergerichte zentrale Terrorinstrumente waren. "Ein solches Versagen der Dritten Gewalt darf sich niemals wiederholen."

Besucher der Ausstellung NS-Justiz stehen vor einer Schautafel mit Texten und Bildern. (Foto: Haus der Geschichte Baden-Württemberg / Pressefoto Kraufmann / Christoph Schmidt)
Schautafel zur Verfolgung von Juristen Haus der Geschichte Baden-Württemberg / Pressefoto Kraufmann / Christoph Schmidt

Viele NS-Juristen nach 1950 wieder in der Justiz tätig

Die Ausstellung dokumentiert die NS-Strafjustiz. Das Sondergericht Stuttgart verhängte während des Zweiten Weltkriegs 60 Prozent der Todesstrafen wegen Eigentums- und Wirtschaftsdelikten. Für ein Todesurteil des Volksgerichtshofs reichte schon die Kritik an der NS-Kriegsführung aus.
In der Ausstellung werden auch die Biografien der Richter und Staatsanwälte beim Sondergericht und bei den Strafsenaten dokumentiert, die an der Verhängung von Todesstrafen beteiligt waren. Die meisten von ihnen waren ab 1950 wieder in der Justiz tätig.

Die Dauerausstellung "NS-Justiz in Stuttgart" ist ab 30. Januar im Stuttgarter Landgericht montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zu sehen.

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