Viele bunte Stühle auf einem Platz (Foto: SWR, Katharina Kurtz)

Das kann Gemeinde Integration Musterstadt Stuttgart

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Fast jeder zweite Stuttgarter hat Wurzeln außerhalb der Stadt. Hier prallen fremde Kulturen, andere Sprachen und vielfältige Religionen aufeinander. Dennoch bleibt es friedlich.

Dauer

Anders als in manch anderen Städten Deutschlands gibt es keine unsicheren Stadtviertel, keine Gangs, die Straßenzüge beherrschen, keine abgehängten Stadtviertel. Anders als in Paris oder London gibt es keine Ghettos oder Vorstädte mit sozialen Brennpunkten. Stuttgart wird deshalb weltweit als Musterstadt für Integration gehandelt. EU-Leitfäden richten sich nach Stuttgart; Stuttgarts friedliche Vielfalt hat es sogar auf die Titelseite der New York Times geschafft.

Plakat der Kampagne "Meine Stimme für Stuttgart" (Foto: Meine Stimme für Stuttgart)
Meine Stimme für Stuttgart

Wenig Arbeitslosigkeit stärkt den Zusammenhalt

Der stärkste Motor für die Stuttgarter Integration ist seine Wirtschaft. Menschen finden hier Arbeit – und die Arbeitsplätze ziehen Migranten nach Stuttgart. Während zum Beispiel in Spanien oder Italien ein Drittel der Jugendlichen arbeitslos sind, haben in Stuttgart nur drei Prozent der jungen Menschen keinen Job.

Unterstützung über das Welcome Center

Die Stadt nutzt die wirtschaftliche Anziehungskraft. Seit 2015 gibt es das Stuttgarter Welcome Center. Es hilft neu hinzugezogenen Arbeitskräften vom Deutschkurs über Verwaltungsformulare bis hin zu Freizeitangeboten. Die Stadt fördert zudem Bildung für Migranten. Das geht weit über Deutschkurse hinaus.

Heimat ist mehr als Deutschkenntnisse und Arbeit

Hinter der Stuttgarter Integrationspolitik steht der städtische Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic. Er kam mit zehn Jahren nach Stuttgart und sprach kein Wort Deutsch. Seine Erfahrungen helfen ihm heute im Amt. Er hatte Freunde und Lehrer, die ihm die Sprache beigebracht haben. Also gibt es in Stuttgart ein ausgeklügeltes System von professionellen Deutschlehrern und ehrenamtlichen Paten.

Die Bildung macht´s

Bildung hat Gari Pavkovic weitergebracht – wie viele aus der Gastarbeitergeneration. Waren die ersten, die nach Stuttgart kamen, noch einfache Arbeiter in der Automobilbranche, sind deren Kinder schon erfolgreiche Unternehmer. Und die dritte Generation von Einwanderern verzeichnet bereits eine hohe Anzahl von Akademikern – denn, so Pavkovic, das Bildungsideal greife trotz sozialer Unterscheide: Wer leisten wolle, kann in Stuttgart etwas erreichen.

Studenten sitzen im Großen Hörsaal vom Auditorium. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Das erreichte Bildungsniveau bei Frauen mit Migrationshintergrund ist in jüngeren Altersgruppen sehr viel höher als bei den Älteren Picture Alliance

Nationalismen bedrohen den Integrationsfortschritt

Auch wenn in Stuttgart Menschen unterschiedlicher Herkunft gut zusammen leben – der Friede ist bedroht. So macht auch in Stuttgart aufkeimender Nationalismus in den Herkunftsländern der Harmonie hier zu schaffen. Mit Sorge sieht Pavkovic etwa wachsenden Nationalismus von hier lebenden Türken, Polen oder Ungarn. Daraus resultierende Konflikte könnten auch das hohe Maß der Integration in Stuttgart gefährden, denn Bestrebungen von  Nationalisten richteten sich gezielt gegen eine tolerante Vielfalt und ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Kulturen.

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