Demonstration der Arbeitsgemeinschaft Wald auf dem Stuttgarter Schloßplatz am 06.09.2019 (Foto: SWR)

Massive Schäden nach Trockenheit Demonstranten fordern fünf Euro pro Einwohner für den Wald

Trockenheit und Schädlingsbefall haben die Wälder in Baden-Württemberg massiv geschädigt. Förster und verschiedene Organisationen haben am Freitag in Stuttgart für mehr finanzielle Unterstützung demonstriert.

Millionenhilfe für den Wald haben mehrere hundert Demonstranten am Freitag in Stuttgart gefordert. Bei der Protestaktion der Arbeitsgemeinschaft Wald Baden-Württemberg (AG Wald) rief deren Vorsitzender Dieter Hellmann laut Mitteilung die Landesregierung dazu auf, bis 2030 jährlich mindestens fünf Euro pro Einwohner zu investieren, um die Wälder "klimafit" zu machen. Nach zwei trockenen Sommern sind im baden-württembergischen Wald schwere Schäden aufgetreten.

"Jahrzehntelange Arbeit mit Herzblut wurde in zwei Sommern zunichte gemacht."

Dieter Hellmann, Vorsitzender AG Wald

Hellmann kritisierte den Personalabbau in den Forstverwaltungen in den vergangenen Jahren. Viele Forstleute seien überlastet und kämen mit der Aufarbeitung der Schäden nicht mehr hinterher. Roland Burger, Präsident der Forstkammer Baden-Württemberg, wies darauf hin, dass viele private Waldeigentümer die Aufarbeitung nicht mehr bewältigen könnten, weil sie dafür tausende von Euro investieren müssten. Der Wald leide unter dem Klimawandel, den er eigentlich selbst abmildern solle.

Hauk will Wald mit Notfallplan helfen

Die Demonstranten forderten eine schnelle, umfassende und unbürokratische Umsetzung des Notfallplans von Forstminister Peter Hauk (CDU). Der Plan umfasst mehrere Maßnahmen - etwa zur Unterstützung der Klimaforschung und des Krisenmanagements. Außerdem soll es finanzielle Unterstützung für Waldbesitzer und Erleichterungen für die Holzvermarktung geben. Vorgesehen sind aber auch 200 neue Stellen in der Forstverwaltung.

AG Wald: Notfallplan noch "ein leeres Papier"

Noch allerdings sind die für den Notfallplan nötigen jeweils 40 Millionen Euro jährlich im nächsten Doppelhaushalt nicht bewilligt. Die Beratungen für den Doppeletat 2020/21 des Landes gehen bald in die heiße Phase. Da das Geld knapp ist und die Ministerien zum Sparen aufgerufen sind, ist noch offen, ob Hauks Pläne so durchgehen. Solange sei der Notfallplan ein leeres Papier, sagte der Vorsitzende der AG Wald, Dietmar Hellmann, bereits vor der Demonstration dem SWR. "Es geht nicht um die Rettung der Förster oder der Waldbesitzer", sagte er. "Es geht um die Rettung der Wälder." Wälder seien systemrelevant, um den Klimawandel einzudämmen. "Es geht hier um die Lebensgrundlage von uns allen."

Föster und Forst-Politik in der Kritik

Auslöser für die Krisenstimmung sind die massiven Waldschäden nach zwei trockenen Sommern in Folge. Zuletzt hatte Deutschlands bekanntester Waldschützer Peter Wohlleben die Arbeit der Förster selbst dafür veranwortlich gemacht.

"Die deutsche Forstwissenschaft steht häufig im Dienst der Forstindustrie. Die Kontrollbehörden sind gleichzeitig die größten Holzverkäufer in Deutschland."

Peter Wohlleben, Förster und Bestsellerautor

Die Forst- und Holzwirtschaft setze seit Jahrzehnten auf anfällige Fichten statt naturnahe, heimische Mischwälder, so Wohlleben. Der Klimawandel bringe dieses System nun zum kippen. Dass nun die Förster die kranken Bäume fällen, so lange ihr Holz noch verkauft werden kann, sei der falsche Weg. "Damit wird Biomasse und Feuchtigkeit entzogen und der verbleibende Wald wird noch anfälliger."

Peter Wohlleben vor Baum (Foto: SWR, SWR -)
Bestsellerautor Peter Wohlleben ("Das geheime Leben der Bäume") kritisiert, wie Politik und Behörden mit den Wäldern in Baden-Württemberg umgehen. SWR -

Wohlleben und andere Kritiker fürchten, dass die millionenschweren Notprogramme zur Rettung des bedrohten Waldes lediglich eine Subventionierung der bestehenden Fichten-Monokulturen bedeuteten.

"Der Klimawandel ist für jeden Waldtypus eine Extremsituation"

"Es ist anmaßend zu sagen, die Förster hätten das verursacht."

Bastian Kaiser, Forstwirt und Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

Die Förster im Land zeigen wenig Verständnis für die Kritik. Es gebe durchaus vorherrschende Baumarten, aber man habe schon lange begonnen, den Laubanteil zu erhöhen, sagte der Rektor der Hochschule für Forstwissenschaft in Rottenburg (Kreis Tübingen), Bastian Kaiser, im SWR. Der Klimawandel und die Erderwärmung von einem Grad sei für jeden Typus Wald eine Extremsituation. "Wir müssen alles daran setzen, dass es nicht zwei, drei oder vier Grad werden." Die Zukunft der Bäume hänge auch davon ab, wie schnell neue Forschungsergebnisse umgesetzt werden könnten.

Massive Waldschäden im ganzen Land

Laut Experten ist etwa ein Drittel des Waldes in Baden-Württemberg schwer krank, 10.000 Hektar Wald seien aufgrund von Dürre und Borkenkäfern zerstört. Fortsminister Hauk zufolge sind im gesamten Land drastische Schäden an Buchen aufgetreten. Im Rheintal falle die Kiefer auf großen Flächen aus, in weiten Teilen Baden-Württembergs gebe es immense Schäden bei Tannen, und der Fichtenbestand sei massiv vom Borkenkäfer geschädigt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bei einer Waldbegehung im August im Schwarzwald gesagt: "Wir sind in einer echten Krisensituation."

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