Die zweite Röhre des Tunnels Feuerbach vor dem feierlichen Durchbruch (Foto: Pressestelle, Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm e.V., Florian Model)

Bauprojekt Stuttgart 21 Durchschlag am Tunnel Feuerbach gefeiert

Nach drei Jahren Bauzeit ist am Dienstag die zweite Röhre des Tunnels Feuerbach für Stuttgart 21 fertig gegraben worden. Bei der Durchschlagsfeier gab es auch Zwischenrufe von S21-Gegnern.

Die Mineure haben am Dienstagnachmittag publikumswirksam vor rund 700 geladenen Gästen das letzte Stück Steinwand für die zweite Röhre des Tunnel Feuerbachs durchstoßen. Bahnchef Richard Lutz zeigte sich über den Durchschlag eines weiteren Tunnels erfreut und bezeichnete Stuttgart 21 als "Quantensprung für die Bahninfrastruktur".

Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) forderte, auch weiterhin den Mut zu haben, Großprojekte anzugehen. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) stellte klar, dass es spätestens seit dem Volksentscheid 2011 kein Zurück mehr gebe. "Der ist für mich das letzte Wort."

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Auch Stuttgart 21-Gegner meldeten sich zu Wort: Der Stuttgarter Stadtrat Hannes Rockenbauch (SÖS/Linke Plus) und Aktivist riefen zwischen die Worte von Bahnchef Lutz "Oben bleiben" und hielten ein Transparent in die Höhe. Vor dem Tunnel in Stuttgart hatten sich rund 100 weitere S21-Gegner mit Fahnen, Bannern und Trillerpfeifen versammelt.

70 Prozent der Tunnel fertig

Mit dem Durchschlag der zweiten, rund drei Kilometer langen Röhre des Feuerbacher Tunnels sind rund 70 Prozent aller neuen Tunnel für Stuttgart 21 in der Landeshauptstadt gegraben und gesprengt. Der jetzt durchstoßene Tunnel beginnt im Bahnhof Stuttgart-Feuerbach und führt auf direktem Weg zum neuen Tiefbahnhof in der Stuttgarter City. In ihm werden Züge aus Mannheim, Karlsruhe und Paris die Stadtbahngleise unterqueren. Unter der alten Eisenbahndirektion, welche derzeit auf Betonstützen steht, sollen die Züge dann mit 100 Stundenkilometern in den Hauptbahnhof einfahren.

In weiten Teilen haben sich die Mineure in zwei getrennten Röhren für den Feuerbacher Tunnel in das Gestein gegraben. Die erste Röhre wurde bereits im März durchstoßen. Knifflig wurde es unter anderem im Bereich Kriegsberg, weil hier je zwei Tunnelröhren aus Richtung Feuerbach und aus Richtung Bad Cannstatt zusammentreffen.

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Anhydrit sorgte für Mehrkosten und Verzögerung

Und auch das Gestein machte die Arbeiten komplizierter als gedacht: Die Tunnelröhren führen durch anhydrithaltiges Gestein, das beim Kontakt mit Wasser aufquellen kann. Im A81-Engelbergtunnel bei Leonberg (Kreis Böblingen) hat das in der Vergangenheit schon zu Schäden geführt. Daher mussten die S21-Arbeiter die Tunnelwände unter anderem bis zu einem Meter dick verstärken.

Das sorgte für Mehrkosten - neben anderem zusätzlichen Maßnahmen wie zum Beispiel dem verschärften Brandschutz im neuen Tiefbahnhof. Derzeit spricht die Bahn von Projektgesamtkosten von 8,2 Milliarden Euro und einem Eröffnungstermin im Jahr 2025. Wer die Mehrkosten bezahlt, ist aber immer noch unklar. Die Projektpartner - das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart sowie der Flughafen - haben abgewinkt.

Acht Jahre Mahnwache der S21-Gegner

Das Gezerre um die Mehrkosten kritisieren auch die S21-Gegner und halten an ihrem Protest fest. Sie haben am Dienstag das achtjährige Jubiläum ihrer Mahnwache am Hauptbahnhof gefeiert - den Angaben der Initiative Parkschützer zufolge die längste ununterbrochene Mahnwache in Deutschland.

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