Polizei deckt Gruppe auf die Scheinehen vermittelt haben. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Friso Gentsch/dpa)

Interview mit Polizeisprecher Johannes Freiherr von Gillhausen Wie werden Scheinehen in Stuttgart vermittelt?

Bei einem Großeinsatz hat die Polizei unter anderem in Stuttgart mutmaßliche Schleuser und Vermittler von Scheinehen festgenommen. Ein Polizeisprecher erklärt die Hintergründe.

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Acht Personen hat die Polizei am Mittwoch festgenommen. Was wird ihnen vorgeworfen, Herr von Gillhausen?

Diese acht Beschuldigten haben sich relativ gut organisiert. Der 54-Jährige war zuständig für die Beschaffung der Heiratspartnerinnen. Er hat in Griechenland Frauen angeworben, die schon mit einer gefälschten Heiratsurkunde nach Deutschland gekommen sind. Mit dem auf der Urkunde angegebenen Ehepartner – in der Regel ein abgelehnte Asylbewerber - ist man dann zum Ausländeramt gegangen und hat dort eine EU-Aufenthaltskarte beantragt. Das hat dem Asylbewerber die Möglichkeit verschafft, sich hier für fünf Jahre aufzuhalten und auch einer legalen Arbeit nachzugehen.

Ging es dabei um viel Geld?

Die Gruppierung hat – so schätzt man - pro Fall etwa 25.000 Euro verdient. So ist es üblich bei Schleuserfällen. Diejenigen, die sich hier den Aufenthalt verschaffen wollen, müssen dafür bezahlen.

Gibt es Zahlen, wie viele solcher Ehen geschlossen wurden?

Wir haben momentan 39 Verdachtsfälle, die vermutlich auch zur Anklage kommen. Das ist natürlich Sache der Staatsanwaltschaft. Nun stößt man immer wieder auf Querverbindungen und man geht von einem dreistelligen Bereich aus, indem sich das Ganze dann irgendwann ansiedeln kann.

Für die Stuttgarter Polizei war es ein großer Schlag. Ist das bundesweit betrachtet ein Einzelfall oder nur die Spitze des Eisberges?

Für uns war es ein toller Erfolg. Eine lange Ermittlungsarbeit ist dem vorausgegangen. Bundesweit muss man davon ausgehen, dass es natürlich da noch sehr viel mehr Gruppierungen gibt, vielleicht auch einzelne Leute, die sowas organisieren.

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