Arbeiten am Stuttgarter Neckartor Hightech-Straßenbelag soll Stuttgarter Stickoxide fressen

Am Stuttgarter Neckartor wird diese Woche ein neuer Fahrbahnbelag aufgebracht. Der "Clean Air"-Asphalt soll die Luftbelastung durch Stickoxide verringern.

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16:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Der Name "Clean Air" ist Programm: Der neue, fotokatalytische Straßenbelag soll die Luft in Stuttgart reinigen, um Fahrverbote zu vermeiden. Der "saubere" Asphalt wird zwischen Willy-Brandt- und Cannstatter Straße am Stuttgarter Neckartor aufgebracht. Er enthält Titandioxid, das Stickoxide in harmlose Substanzen verwandeln soll.

So funktioniert der neue Belag

Sobald die Sonne scheint, wirkt das Titandioxid wie eine Art Katalysator. Stickstoffdioxid soll so in Nitrat umgewandelt und beim nächsten Regen einfach in die Kanalisation gespült werden. Ist damit also der Stein der Weisen gefunden?

Geteilte Meinungen über Titandioxid

Die Umweltschutzorganisation BUND hält Titandioxid für gefährlich. Es gebe Hinweise, dass der Stoff krebserregend sei, sagte Gerhard Pfeifer vom BUND Stuttgart kürzlich dem SWR. Die Stuttgarter Landesregierung verweist dagegen auf das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, dass die geringen Mengen des Titandioxid nicht gesundheitsschädlich seien.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz ist bezüglich der Wirkung von Titandioxid skeptisch. Denn der Stoff wirkt nur begrenzt - es sei nur eine "mögliche lokale Reduzierung von Stickoxiden im unteren Prozentbereich" zu erwarten.

Der neue "Clean Air"-Asphalt soll Stickoxide abbauen. (Foto: SWR, Foto: Diana Hörger)
Am Neckartor in Stuttgart wird der neue Hightech-Belag aufgebracht. Foto: Diana Hörger

Belagsarbeiten auch nachts

Auf dem rund 300 Meter langen Abschnitt am Neckartor werden rund 8.200 Kilo des "Clean Air"-Asphalts aufgebracht. Die Belagsarbeiten sollen vor Ostern fertig werden. Deshalb wird auch nachts gearbeitet. Insgesamt kostet die Maßnahme rund 700.000 Euro. Davon übernimmt die Landesregierung 200.000 Euro. Den Rest zahlt die Stadt.

Bundesweiter Pilotversuch

Ab Ostern soll alle vier Wochen getestet werden, wie viel Stickoxide der Asphalt tatsächlich abbauen kann, hieß es am Montag von der Stadt Stuttgart und Landesregierung. Es ist die erste Straße bundesweit, die mit dem High-Tech-Belag getestet wird. In Stockach (Kreis Konstanz) soll in wenigen Monaten der bundesweit zweite Modellversuch mit "Clean-Air"-Asphalt auf den Weg gebracht werden. 

Kritik an Umleitungen

Während den aufwändigen Bauarbeiten haben Fußgänger und Fahrradfahrer allerdings das Nachsehen. Kritik gibt es vor allem an dem Umweg für Fahrradfahrer, der erst bergauf, dann bergab und am Ende durch eine Stadtbahn-Station führt. "Wieder mal 'Zum Teufel mit  den Radfahrern'", schreibt zum Beispiel Christine Lehmann in ihrem Blog "Fahrradfahren in Stuttgart". Die Neckartor-Initative hat die Situation unter dem Titel "Alles für das Auto" dokumentiert und kommentiert. Auch der "Zweirat Stuttgart" kritisierte die Umleitung an der Baustelle.

Die Umleitung für Fahrradfahrer: Vom Radweg aus geht es erst bergauf, dann wieder hinab und hinunter durch eine Stadtbahn-Haltestelle. (Foto: Google Earth, SWR)
Die Umleitung für Fahrradfahrer: Vom Radweg aus geht es erst bergauf, dann wieder hinab und hinunter durch eine Stadtbahn-Haltestelle. Google Earth, SWR
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