Nur einzelne Züge überlastet

Pfingsten und 9-Euro-Ticket: kein ÖPNV-Chaos in der Region Stuttgart

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Trotz Pfingsten und 9-Euro-Ticket ist es in der Region Stuttgart nicht zu großen Überlastungen gekommen. Der VVS rät Freizeitausflüglern dennoch, Stoßzeiten möglichst zu meiden.

Ferienbeginn, Pfingsttage, SWR Sommerfestival: In der Region Stuttgart war vergangenes Wochenende viel los. Ausgelastete Züge seien da wenig überraschend, sagte Thomas Hachenberger, Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifbundes Stuttgart (VVS). Trotz hoher Nachfrage nach dem 9-Euro-Ticket habe man die Lage in den Stuttgarter Bussen und Bahnen unter Kontrolle gehabt.

"Zum einen ist die Infrastruktur im Raum Stuttgart ausreichend, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Zum anderen zählt die Gegend im Vergleich zum Bodensee oder Städten wie Heidelberg nicht direkt zu den größten touristischen Hotspots."

Im Stadtgebiet sei die Auslastung im ÖPNV den Zählungen zufolge an den Feiertagen nur um knapp zehn Prozent gestiegen. Einige S-Bahnen im VVS-Gebiet wurden zwar verlängert. Mehr Züge mussten allerdings nicht eingesetzt werden.

Stuttgarter berichten von moderat vollen Zügen

Einige Fahrgäste, die am Wochenende unterwegs waren, erklärten gegenüber dem SWR, dass die Züge gut gefüllt, aber nicht überlastet waren. Andere gaben an, dass sie den ÖPNV aus Angst vor Chaos an den Bahnhöfen ohnehin gemieden hätten.

An einigen Bahnhöfen in der Region Stuttgart drängten sich am Pfingstwochenende die Fahrgäste.  (Foto: SWR)
An einigen Bahnhöfen in der Region Stuttgart drängten sich am Pfingstwochenende die Fahrgäste.

Wer sich fernere Ziele wie den Bodensee für einen Ausflug aussuchte, musste sich zu Stoßzeiten in Geduld üben und zum Teil auf den nächsten Zug warten. Kurzzeitig kündigte die Deutsche Bahn auf ihrer Homepage Zugausfälle an und konnte die Mitfahrt nicht garantieren. Wegen vieler Reisenden musste die Mitnahme von Fahrrädern auf einigen Strecken eingeschränkt oder untersagt werden.

SWEG will am Wochenende mehr Zugkapazitäten anbieten

Das Verkehrsunternehmen SWEG Bahn Stuttgart GmbH habe daraus Konsequenzen gezogen und für den Wochenendverkehr für mehr Zugkapazitäten gesorgt, erklärte eine Sprecherin. Die überwiegend landeseigene SWEG hatte im Januar den insolventen Anbieter Abellio Rail Baden-Württemberg als Tochtergesellschaft übernommen.

Die SWEG ist seit Jahresbeginn für mehrere Regionalverbindungen in der Region Stuttgart zuständig. (Foto: SWR, Hendrik Zorn)
Die SWEG ist seit Jahresbeginn für mehrere Regionalverbindungen in der Region Stuttgart zuständig. Hendrik Zorn

Beim Verkehrsdienstleister Go-Ahead Baden-Württemberg habe man Pressesprecherin Daniela Birnbaum zufolge das Sicherheitspersonal an Knotenbahnhöfen verstärkt, um Fahrgäste besser zu informieren und zu lenken. Man bedaure es, wenn etwa auf der Murrbahn der parallel verkehrende Intercity "fast ohne Fahrgäste" fährt, sagte Birnbaum. Bereits seit dem Wochenende würden bei Go-Ahead dank zusätzlicher Bestellungen durch das Land verfügbare Fahrzeuge für Zugverstärkungen eingesetzt.

Verbindliche Aussagen zu den Auswirkungen des 9-Euro-Tickets ließen sich laut Go-Ahead nach wenigen Tagen noch nicht treffen. Die Nachfrage sei an den ersten Werktagen nicht durchgehend gleichstark gewesen und das Pfingstwochenende auch kein Maßstab für künftige Wochenenden.  

Ticket zum Reisen besser unter der Woche nutzen  

Zum Wochenstart habe sich die Anzahl der Fahrgäste in den Zügen wieder normalisiert. Mit Blick auf den Brückentag kommende Woche und die Sommerferien rät VVS-Geschäftsführer Hachenberger dazu, Freizeitausflüge nach Möglichkeit auch unter der Woche und außerhalb der Pendler-Stoßzeiten zu planen.

Wer leere Bahnsteige und eine große Auswahl an Sitzplätzen will, sollte in den Randzeiten reisen. (Foto: SWR, Anja Müller)
Wer leere Bahnsteige und eine große Auswahl an Sitzplätzen will, sollte in den Randzeiten reisen. Anja Müller

Wer die Chance auf einen Sitzplatz erhöhen möchte, sollte demnach ab 10 Uhr vormittags fahren und bei seiner Reiseroute nicht nur die Regionalzüge, sondern auch S-Bahnen und Busse in Betracht ziehen.

"Ich empfehle, zuerst kürzere Strecken für einen Trip auszuprobieren, statt sich direkt auf eine mehrstündige Reise einzulassen. So kann man testen, ob man das Reisen in volleren Zügen auch genießen kann."

Sorge um die verlässliche Mitnahme von Fahrrädern im Zug

Stammkunden der Bahn mit einem Abo begrüßen das 9-Euro-Ticket zwar mehrheitlich. Sie bemerken aber auch die sich daraus ergebenden Unannehmlichkeiten. Besonders Radfahrer beklagen, dass es bei vollen Zügen keinen Platz mehr für ihr Rad im Zug geben würde. "Wenn schon Personen nicht garantiert mitgenommen werden können, dann funktioniert das mit dem Rad erst recht nicht", erklärte ein Pendler gegenüber dem SWR.

Ein Bahnreisender hebt sein Fahrrad in eine S-Bahn. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Im Nahverkehr kann es aktuell mit Fahrrad eng werden. Picture Alliance

Ein Neukunde zeigte sich indes experimentierfreudig. Er nehme das Risiko in Kauf, mit dem Fahrrad mal nicht mitfahren zu können: "Ich spare so viel Geld bei der Anreise und kann so die Gegend besser erkunden. Der Preis ist für mich vorerst auf jeden Fall ein Argument, das Auto mal stehen zu lassen."

Klar ist, dass die Mitnahme-Kapazitäten in Stoßzeiten schnell knapp werden. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sprach sich nach dem reisereichen Wochenende auch deshalb für den Ausbau der Infrastruktur im ÖPNV und für zusätzliche Fahrzeuge aus.

Pfingstwochenende als Testlauf für Sommerferien

Die Reisewelle zu Pfingsten ist laut VVS-Chef Hachenberger ein guter Testlauf für die kommenden Brückentage und Sommerferien gewesen. Für die Region Stuttgart zieht er ein positives Fazit und geht davon aus, dass die maximale Zahl an Fahrgästen wie am Pfingstwochenende in den kommenden Monaten nicht überschritten werde.   

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