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Gegner des Bahnpojekts S21 haben am Montag zur 500. Demo aufgerufen. Tausende Demonstranten waren gekommen. Es ist einer der am längsten andauernden Bürgerproteste bundesweit.

Beim "runden Protest" am Montag versammelten sich zahlreiche Demonstranten vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Laut den "Parkschützern" kamen 4.000 Teilnehmer. "Soviel Durchhaltevermögen! Respekt!", kommentierte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) im Vorfeld der Jubiläumsdemo die lange Proteststaffel. Allerdings könnte er die Motivation angesichts des fortgeschrittenen Baus auch "nur begrenzt" nachvollziehen.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Vor über zehn Jahren gab es den ersten Protest

Am 26. Oktober 2009 hatte sich erstmals ein Grüppchen versammelt, um gegen die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs zu protestieren. Werner Sauerborn, inzwischen Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, erinnert sich noch gut daran, wie der Protest begann. "Am Anfang, da waren es ganz wenige, da standen die Redner noch auf Biertischen", sagte er dem SWR.

Im Sommer 2010 gingen dann zehntausende Menschen auf die Straße. Nach dem "Schwarzen Donnerstag" am 30. September 2010 erreichte die Bewegung ihren Höhepunkt. Selbst wenn der Protest im Vergleich dazu inzwischen stark nachgelassen hat, finden nach wie vor jeden Montag Demonstrationen gegen das Milliardenprojekt der Bahn statt.

S21-Gegner Sauerborn war bei 450 Montagsdemos

Der 70-jährige Sauerborn war über die Jahre hinweg immer dabei. Er kommt auf rund 450 Montagsdemos, bei denen er mitlief. Die paar Mal, die er nicht dabei war, war er krank oder im Urlaub. Er und die anderen S21-Gegner hoffen immer noch, dass ihre Argumente gehört werden. "Entscheidend ist, was das Ergebnis ist", sagte Sauerborn. "Wenn es so desaströs ist, wie sich das abzeichnet, wie wir das schon immer gesagt haben, dann gibt es keinen 'Point of no return'. Dann bleibt Protest sinnvoll bis zum Schluss."

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6:00 Uhr
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SWR2

Kritikpunkte der Gegner: Kostenexplosion und Brandschutz

Reinhold Weber von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg erklärt die "Hartnäckigkeit der Proteste" damit, dass viele Befürchtungen der Projektgegner eingetreten seien, zum Beispiel bei den Kosten und der Bauverzögerung. Dem SWR sagte er, dass er den für die Montagsdemonstranten häufig benutzten Begriff "Wutbürger" irreführend finde, er würde eher von "Menschen mit Bürgersinn" sprechen.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Zu den Hauptkritikpunkten der Demonstranten gehören die Kostenexplosion des Bahnprojekts, der Brandschutz und befürchtete Kapazitätsengpässe. Die Sorge ist, dass mit den künftig acht unterirdischen Gleisen ein Engpass gebaut wird.

Verkehrsexperte fordert auch künftig oberirdische Gleise

Bei der Jubiläumskundgebung am Montagabend werden der Kolumnist Joe Bauer, die Verkehrsexperten Heiner Monheim und Hermann Knoflacher sowie die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig sprechen. Dabei wird Verkehrsexperte Monheim an die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und bei der Bahn appellieren, dass der Stuttgarter Hauptbahnhof künftig genügend Gleise haben wird. Ohne oberirdische Gleise sei die benötigte Kapazität nicht darstellbar, heißt es in seiner vorab veröffentlichten Rede.

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