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Der Schwabtunnel verbindet seit 1896 den Stuttgarter Süden mit dem Westen. Damals wurde mit dem Tunnel ein großes Verkehrsproblem gelöst - heute gibt es an gleicher Stelle neue.

Vor fünf Jahren war es noch düster in der 125 Meter langen Tunnelröhre, heute strahlt sie wieder in neuem Glanz: Die Fliesen an den Wänden sind nicht mehr trübe und vereinzelt abgefallen, sondern vollzählig und hell. Von 1894 bis 1896 hatte man den etwas über zehn Meter breiten Tunnel als Meisterleistung der damaligen Ingenieure durch den Hasenberg getrieben, der den Stuttgarter Westen vom Süden trennt, Tonnenweise mit Ziegeln das Innere ausgekleidet und als letzte Schicht mit Fliesen versehen.

Abkürzung für Arbeiter, Fuhrwerke und die Straßenbahn

4.000 Arbeiter, die damals zu Fuß gingen, mussten keine großen Umwege mehr laufen, um von ihrem Wohnort im Westen zu Arbeitsstätten in den Süden zu gelangen. Fuhrwerke hatten es einfacher. Auch eine Straßenbahn führte bis 1972 durch den Tunnel. Seither verkehrt eine Buslinie.

Schwabtunnel wurde zu Bunker im Zweiten Weltkrieg

Ende 1943 wurde der Schwabtunnel gesperrt und in einen "Großluftschutzraum" umgewandelt. Dafür wurden die Portale mit Mauern verschlossen. Im Inneren entstanden durch eine hölzerne Zwischendecke zwei Etagen für insgesamt 1.500 Menschen, heißt es im Stadtlexikon des Stuttgarter Stadtarchivs.

Verkehre nehmen im engen Tunnel zu

Seit den 1950er Jahren hat der Straßenverkehr in Stuttgart deutlich zugenommen. Heute müssen sich Fußgänger und Radfahrer, Autos und Busse den schmalen Tunnel teilen. Das geht nicht ohne Probleme. Insbesondere Fahrradfahrer beschweren sich immer wieder über Autos, die mit zu wenig Abstand an ihnen vorbei fahren.

Verkehrsversuch: Autoverkehr nur in einer Richtung

Aktuell wird im Gemeinderat der Vorschlag diskutiert, den Autoverkehr einseitig aus dem Tunnel zu verbannen und eine Umleitung einzurichten. Busse sollen davon ausgenommen werden. Ein sechsmonatiger Verkehrsversuch soll Klarheit darüber bringen, ob solche Maßnahmen geeignet sind, den Verkehr zu verbessern. Noch ist unklar, wann darüber entschieden werden und wann der Versuch starten soll. Wenn eine politische Entscheidung getroffen ist, sollen rechtliche Hürden abgeklärt werden. Bis dahin bleibt es dabei: Im Schwabtunnel müssen viele Verkehrsarten miteinander auskommen.

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