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Daimler setzt seine S-Klasse unter Strom und will in Sachen Elektromobilität aufholen. Der Stuttgarter Autobauer greift damit unter anderem den Platzhirsch Tesla an.

Der Autobauer Daimler hat am Donnerstagabend bei einer Weltpremiere sein neues S-Klasse-Modell mit Elektroantrieb vorgestellt. Mit dem EQS will der Stuttgarter Konzern mehr Marktanteile auf dem umkämpften Elektroauto-Markt gewinnen und mehr Druck auf den Elektroautobauer Tesla ausüben. Hergestellt wird die vollelektrische Luxuslimousine am Standort Sindelfingen (Kreis Böblingen) - dort, wo auch die S-Klasse mit Verbrennungsmotoren entsteht. "Wir bauen auf der gleichen Linie die S-Klasse und EQS", sagte der Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius. Batteriesysteme produziert in zwei Fabriken das Mercedes-Benz-Werk Stuttgart-Untertürkheim.

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Elektromobilität: Daimler hat Nachholbedarf

Wie groß die Nachfrage tatsächlich nach der Elektrolimousine ausfallen wird, scheint noch nicht sicher. Ola Källenius will flexibel bleiben. "Je nachdem, wie der Markt reagiert, können wir auf den Markt reagieren", meinte der Konzernchef.

Der Einstieg in die Elektromobilität lief bei Daimler nicht unbedingt nach Wunsch. Seit fast zwei Jahren rollt der Elektro-SUV vom Band und verkauft sich eher schleppend. Mit der neuen vollelektrischen Luxuslimousine EQS will der Stuttgarter Autobauer durchstarten. Das neue S-Klasse-Modell mit Elektroantrieb hat eine Reichweite, nach dem neuen Prüfstandard WLTP, von bis zu 770 Kilometern, braucht 15 Minuten Ladezeit für weitere 300 Kilometer. "Es wird am Anfang sicherlich zu Preisen über 100.000 Euro angeboten werden", sagte Birgit Priemer, Chefredakteurin der Automobil-Zeitschrift "Auto Motor und Sport" und ergänzt, dass potentielle Kunden wohl deshalb nicht an jeder Ecke zu finden seien.

EQS von Mercedes-Benz: Komplette Neuentwicklung

Aus technischer Sicht ist das neue Luxus-E-Auto von Mercedes-Benz eine Neuentwicklung. Für den EQS wurde die Elektro-Architektur, EVA, neu entwickelt. Das unterscheidet die Elektro-S-Klasse vom SUV mit Elektroantrieb, EQC. Er war noch auf Basis des Verbrennermodells GLC konstruiert worden.

"Es ist ein Riesenvorteil, wenn man eine eigenständige Elektro-Plattform entwickelt und auf den Markt gebracht hat, weil man dann auf diese Spezifika - eben der Elektromobilität - eingehen kann", meinte Professor Stefan Bratzel vom Institut Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Mit der neuen Plattform könne man Batterien genug Platz einräumen und die Konstruktion speziell auf Elektroantriebe ausrichten.

Daimler vs. Tesla: Das Rennen beginnt

Mit der vollelektrischen Luxuslimousine will Mercedes-Benz stärker in den Elektroauto-Markt vordringen. (Foto: SWR)
Mit der vollelektrischen Luxuslimousine will Mercedes-Benz stärker in den Elektroauto-Markt vordringen.

In der reinen Elektromobilität sei Mercedes-Benz ein Nachzügler, sagt Professor Bratzel. Die Verkaufszahlen gibt sein Institut mit etwa 48.000 rein elektrisch betriebener Fahrzeuge an. Tesla habe im gleichen Zeitraum rund 500.000 Fahrzeuge verkauft. Daimler hat jetzt die Aufholjagd eingeläutet, und Konzernchef Ola Källenius sitzt am Steuer. Er möchte in der Elektromobilität die Nummer 1 in der Welt werden.

"Da ist immer noch die Frage, in welchem Bereich?", fragte sich Birgit Priemer von "Auto Motor und Sport". "Ist das im Bereich der Premium-Hersteller, oder ist es weltweit? Weltweit gibt es natürlich Player wie VW, die deutlich schneller auf hohe Stückzahlen kommen, einfach, weil sie ja auch viel mehr Marken im Verbund mit drin haben."

Hat Daimler rechtzeitig umgesteuert?

Kritiker warfen Daimler in der Vergangenheit mangelnde Innovationskraft vor. Nach den vermeintlich manipulierten Dieselfahrzeugen und dem rapiden Kursabsturz im Jahr 2020 scheint die Stimmung bei Anlegerinnen und Anlegern jetzt wieder besser zu werden. An der neuen Aufholjagd könnte das Schicksal von Daimler hängen, meint Professor Stefan Bratzel. "Um auch das klar zu sagen, wenn man das nicht schafft, dann ist es nicht sicher, dass in zehn bis 15 Jahren Daimler als unabhängiger Player noch am Markt ist."

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