Ein Feuerwehrmann zersägt nach dem Sturm in BW einen Baum, der auf die Straße gestürzt ist. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Thomas Warnack)

Starke Orkanböen am Feldberg gemessen

Bilanz nach Sturmtief "Nasim" in BW: Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und Verkehrsstörungen

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Die Region Schwarzwald war am stärksten betroffen vom Unwetter. Hier kam es zu Stromausfällen, Autounfällen und langen Wartezeiten an Bahnsteigen.

Sturmtief "Nasim" hat am Donnerstag Starkregen, heftigen Wind und Hagel nach Baden-Württemberg gebracht. Besonders betroffen: Der Schwarzwald. Hier wurden auf dem Feldberg Windgeschwindigkeiten von bis zu 141 Kilometer pro Stunde gemessen.

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Rund 75 Einsätze und Stromausfall in der Nacht in Südbaden

Unwetter und Sturmböen führten vor allem im Raum Freiburg zu einigen Unfällen, Stromausfall und Verkehrsproblemen. Mehrere Bäume seien umgestürzt, Dachziegel von Häusern gefallen, teilte die Polizei mit. Die Feuerwehr musste 75 Mal ausrücken. In Vörstetten (Kreis Emmendingen) prallte ein junger Mann mit seinem Motorroller auf einem Forstweg gegen einen umgestürzten Baum. Fahrer und Sozius wurden von dem Roller geschleudert und schwer verletzt, beide waren laut Polizei betrunken. Das Motorrad überschlug sich und landete in einem Bach.

Freiburg

Orkanartige Böen Viele Unwettereinsätze: Sturmtief Nasim zieht über Südbaden

Unfälle, umgestürzte Bäume und ein Stromausfall: Etwa 75 Einsätze wegen des Sturms, das ist die Bilanz des Polizeipräsidiums Freiburg von der Nacht auf Freitag.  mehr...

In Endingen (Kreis Emmendingen) kollidierten zwei Fahrzeuge, nachdem eine Windböe den Anhänger eines der Autos erfasst hatte. Und im Buchenbacher Ortsteil Falkensteig im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald fiel für knapp fünf Stunden der Strom aus.

Wind bläst Schaf um

Auch ein Schaf in Eichstetten am Kaiserstuhl (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) hatte mit dem stürmischen Wetter zu kämpfen. Laut Polizei wurde das Tier mehrfach umgeweht und konnte schließlich nicht mehr selbst aufstehen. Ein Schäfer musste ihm dabei helfen. Das Schaf blieb unverletzt.

Surfer im Bodensee in Seenot

In der Region Bodensee-Oberschwaben hat es in der Nacht keine größeren Schäden durch das Sturmtief "Nasim" gegeben. Allerdings musste am Donnerstagabend ein Surfer in Seenot von der Wasserschutzpolizei an Land gebracht werden. Ansonsten sei es bei vereinzelt umgestürzten Bäumen und Straßenschildern geblieben. In der Ulmer Innenstadt musste die Feuerwehr mit Drehleiter ausrücken, weil lose Dachziegel herunterfielen. Insgesamt gab es in der Region Donau-Iller knapp 50 Unwettereinsätze wegen umgefallener Verkehrsschilder, Bauzäune und Bäume - die meisten davon im Landkreis Biberach. Auch im Ostalbkreis stürzten vereinzelt Bäume auf Straßen, zu größeren Schäden oder Behinderungen kam es nicht. In Biberach zog der Sturm eine Lüftungsanlage des Krankenhauses in Mitleidenschaft, wie die Polizei mitteilte. 

In Stuttgart musste die Feuerwehr nach eigenen Angaben ein Dach sichern, nachdem dieses durch den Sturm beschädigt worden war und sich Ziegel gelöst hatten. Auch Teile des Europaviertels und die Heilbronner Straße wurden sicherheitshalber gesperrt. Die Stadtverwaltung teilte mit, es sei möglich, dass sich von einem beschädigten Gebäude Platten lösten und auf die Straße fielen.

Eine Villa in Stuttgart von oben. Das Kupferdach des Gebäudes ist von starkem Wind halb abgedeckt.  (Foto: Andreas Rosar )
In der Hohenzollernstraße in Stuttgart hat der Wind das Kupferdach einer Villa umgeknickt. Andreas Rosar Bild in Detailansicht öffnen
Die Feuerwehr war wegen eines abgeknickten Kupferdaches in der Hohenzollernstraße im Einsatz. Andreas Rosar Bild in Detailansicht öffnen
In Stuttgart-Feuerbach haben zwei während des Sturms umgestürzte Bäume eine Telefonleitung getroffen. Andreas Rosar Bild in Detailansicht öffnen
Eine Windböhe trug dieses Gewächshaus eines Stuttgarter Baumarkts auf einen Parkplatz. 7aktuell Bild in Detailansicht öffnen
Ein Sturm hat am Donnerstag zahlreiche Bäume abgeknickt. Michael Kögel Bild in Detailansicht öffnen

Im Nordschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb gab es bereits im Laufe des Donnerstagnachmittags einige Schäden wegen des Sturms: So fielen im Kreis Freudenstadt Bäume und Baustellen-Absperrungen an mehreren Stellen auf die Straße, beispielsweise in Loßburg. In Nagold (Kreis Calw) beschädigte ein umgestürzter Bauzaun ein parkendes Auto. In Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen), kenterte ein Boot auf dem Baggersee. Dabei kamen weder der Segler noch das Boot zu Schaden.

Ein umgewehtes Verkehrsschild blockierte in Dettingen an der Erms (Kreis Reutlingen) eine Straße. In Reutlingen-Gönningen deckte der Sturm das Dach eines Einfamilienhauses teilweise ab. Das Werbeschild eines Fastfood-Lokals sorgte für eine Straßensperrung und einen geräumten Parkplatz beim Autohof in Vöhringen-Sulz im Kreis Rottweil - das Schild drohte nämlich herabzustürzen.

Starke Behinderungen im Bahnverkehr

Bereits am Donnerstagmorgen hatte die Deutsche Bahn über Twitter gewarnt, es könne im Bahnverkehr zu Beeinträchtigungen und Geschwindigkeitsreduzierungen kommen. Reisende sollten sich deshalb regelmäßig über ihre Verbindung informieren. Die Bahnstrecke zwischen Engen (Kreis Konstanz) und Immendingen (Kreis Tuttlingen) war bis Donnerstagnachmittag wegen eines umgestürzten Baums gesperrt. Der Baum auf den Gleisen blockierte die Verbindungen Stuttgart-Zürich und Stuttgart-Singen. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Weiterhin gesperrt ist die Strecke der Breisgau-S-Bahn zwischen Breisach und Gottenheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) - wegen eines weiteren umgestürzten Baums.

Baum auf der Strecke zwischen #Breisach und #Gottenheim. Streckensperrung. Züge aus #Freiburg(Breisgau) Hbf wenden in #Gottenheim. Züge aus #Endingen am Kaiserstuhl wenden in #Gottenheim. SEV mit zwei Bussen zwischen #Gottenheim und #Breisach ist eingerichtet. Update folgt.

Weitere Unwetterwarnung für Freitag

Nach einer kurzen Beruhigung am Freitagmorgen wurde es ab Mittag erneut stürmisch. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab eine Unwetterwarnung für den Regierungsbezirk Freiburg für Lagen über 1.000 Meter heraus. So könne es Sturmböen von bis zu 70 Kilometer pro Stunde in den Niederungen und orkanartige Böen von bis zu 120 Kilometer pro Stunde in höheren Lagen rund um den Feldberg geben.

Der DWD warnt weiterhin vor entwurzelten Bäumen und Dächern, die beschädigt sein können. Menschen in den betroffenen Gebieten sollen auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände achten und alle Fenster und Türen schließen. Gegenstände im Freien sollten gesichert werden, der Aufenthalt im Freien so gut es geht vermieden werden. Der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU) mahnte deshalb eindringlich, vorerst auf Waldspaziergänge zu verzichten.

Noch bis Samstag soll es in Baden-Württemberg regnen und stürmen - stellenweise mit Orkanböen. Diese Winde mit einer Geschwindigkeit von mehr als 103 Kilometer pro Stunde werden in Höhenlagen oberhalb von 1.000 Metern erwartet, warnt der Deutsche Wetterdienst.

Dauerregen im Schwarzwald

Allerdings könnten sich auch in niedrigeren Lagen am Rande entstehender Gewitter Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde entwickeln. Für den Schwarzwald rechneten die Expertinnen und Experten ab Donnerstagvormittag mit Dauerregen, also 60 Litern pro Quadratmeter, in Staulagen sogar mit bis zu 80 Litern. Bis zum Samstag soll der Regen anhalten. Dort, wo es kalt genug ist, kann aus dem Regen Schnee werden. In der Nacht zum Sonntag sinkt die Schneefallgrenze auf rund 800 Meter.

Der April macht was er will

Bis zum Sonntag macht der April seinem Ruf alle Ehre. "Doch dann werden wir belohnt", so ein Experte des DWD. Ab Sonntag seien der Regen und auch das Aprilwetter erstmal passé, am Montag könnten dann wieder Temperaturen von bis zu 20 Grad erreicht werden.

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