Neues Kita-Gesetz in Rheinland-Pfalz: Kinder beim Spielen (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Monika Skolimowska)

Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule

Studie: In baden-württembergischen Kitas fehlen zehntausende Fachkräfte

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Es gibt mehr Personal in den Kitas im Land - aber das reicht für eine optimale Betreuung nicht aus, so die Bertelsmann-Stiftung. Ihre Studie zeigt, dass eine riesige personelle Lücke klafft.

Die Nachfrage seitens der Eltern ist groß, der Fachkräftemangel auch: Trotz eines deutlichen Personalausbaus in den Kitas wird es in Baden-Württemberg schwerfallen, ausreichend Erzieherinnen und Erzieher für die starke Nachfrage in der Kinderbetreuung einzustellen.

Bis zum Jahr 2030 müssten die bestehenden Ausbildungskapazitäten fast verdoppelt werden, um den Bedarf der Eltern zu erfüllen und Kitas auch weiter mit dem heutigen Personalschlüssel auszustatten. Das ist trotz vergleichsweise guter Zahlen nicht zu schaffen, wie Analysen deutlich machen, die die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag in Gütersloh vorgelegt hat.

Mehr als 33.000 Fachkräfte in Kitas benötigt

Laut dem erstmals veröffentlichten "Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule" werden in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 rund 36.000 Menschen in den Kita-Beruf eintreten. Das werde aber bei Weitem nicht reichen, rechnet die Stiftung vor. Denn um in allen Kitas eine kindgerechte Personalausstattung nach wissenschaftlichen Empfehlungen sowie ausreichend Plätze zu sichern, werden mehr als 33.000 weitere Erzieherinnen und Erzieher benötigt, sind die Experten der Stiftung überzeugt.

"Diese Lücke ist bis 2030 weder durch die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten zu schließen, noch lassen sich bis dahin genügend Quereinsteiger gewinnen und pädagogisch qualifizieren."

Soll bis zum Ende dieses Jahrzehnts auch die Leitungsausstattung verbessert werden, erhöht sich die Zahl der fehlenden Fachkräfte sogar auf mehr als 41.000.

Verbände und Politik sehen Handlungsbedarf

Unterdessen kritisiert die Gewerkschaft Verdi, die Ausbildung in Baden-Württemberg sei zwar gut, es gebe aber zu wenige Ausbildungsplätze. Des Weiteren fordert Verdi eine bessere Bezahlung um Stellen als Erzieherin und Erzieher attraktiver zu machen. Die SPD fordert gleichzeitig mehr Studienplätze für Kita-Fachkräfte.

Südwestmetall sieht Wirtschaftsstandorte gefährdet, wenn aus Fachkräftemangel zu wenige Plätze in Kindertagesstätten verfügbar seien. Der Verband der Metall- und Elektroindustrie fordert deshalb Fachkräfte im Ausland anzuwerben.

Kritik in Richtung Kultusministerium äußerte Monika Stein, die baden-württembergische Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), auf der Social-Media-Plattform Twitter.

Es wird allerhöchste Zeit umzusteuern! Unzufriedenheit der Kita-Fachkräfte steigt wegen Überlastung und mangelnder Wertschätzung und gleichzeitig fehlen ausgebildete Erzieher*innen und der Nachwuchs an Fachkräften. Gute Bildung ist nicht zum Nulltarif zu haben. @KM_BW ist am Zug. https://t.co/Y43Jta8RQg

Zahl an Kita-Kindern steigt

Die Nachfrage nach Kitas und Betreuung wächst immer weiter: Die Zahl der unter Dreijährigen in einer baden-württembergischen Kita oder Kindertagespflege hat sich laut Stiftung zwischen 2011 und 2020 von 57.000 auf etwas mehr als 98.500 Kinder deutlich erhöht. Dennoch geht aus dieser Altersgruppe nur etwa jedes dritte Kind (30 Prozent) in eine Kita.

Diese sogenannte Teilhabequote ist in den ostdeutschen Bundesländern mit durchschnittlich 53 Prozent deutlich höher. Im Osten muss eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft allerdings auch 5,5 Krippenkinder betreuen, in Baden-Württemberg kann sie sich drei Kindern widmen. "Von gleichwertigen Lebensverhältnissen in der frühkindlichen Bildung ist Deutschland also nach wie vor weit entfernt", kritisiert die Bertelsmann Stiftung.

Gefährdung der Entwicklung

Im Personalschlüssel sehen die Expertinnen und Experten die zentrale Stellschraube für Kita-Qualität: "Wenn Kinder in schlechten Betreuungssettings sind, weil zu wenig Personal da ist, dann gefährden wir ihre Entwicklung - etwa in sprachlicher, motorischer oder emotionaler Hinsicht", sagt Studienmitarbeiterin Annette Stein "Egal wie gut eine Fachkraft ausgebildet ist: wenn sie sich um zu viele Kinder kümmern muss, kann sie maximal eine Betreuung gewährleisten." Von frühkindlicher Bildung könne dann keine Rede mehr sein.

BW erreicht Empfehlungen bei Krippengruppen

Die gute Nachricht: die Personalschlüssel von allen Gruppentypen sind in Baden-Württemberg besser als der westdeutsche Durchschnitt und können auch in einigen Belangen mit den Empfehlungen mithalten. Bei den Krippengruppen und fast auch bei den Gruppen mit unter Vierjährigen werden die wissenschaftlichen Empfehlungen erreicht, bei den Kindergartengruppen liegt Baden-Württemberg in der Quote sogar besser.

Aufholen muss das Land aber beim Kindergarten ab zwei Jahren und in den altersübergreifenden Gruppen. Genau dort fehle noch das Personal, um die wissenschaftlichen Empfehlungen für eine kindgerechte Qualität zu erfüllen.

Die Landesregierung dürfe keine Zeit verlieren, sagt die Bildungsexpertin der Bertelsmann Stiftung Kathrin Bock-Famulla. Es müsse bereits jetzt mit dem Ausbau der Kita-Plätze und Ausbildungskapazitäten begonnen und um zusätzliche Berufsschullehrer und -lehrerinnen geworben werden.

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