Schüler testen sich selbst beim Corona-Schnelltest. (Foto: SWR, Frank Polifke)

Lehrerverbände und SPD

Scharfe Kritik für gelockerte Corona-Maßnahmen an Schulen und Kitas in Baden-Württemberg

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Tests statt Quarantäne - für die gelockerten Corona-Bedingungen an den Schulen und Kitas in Baden-Württemberg hagelt es Kritik. Kultusministerin Schopper hält das für übertrieben.

Zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahrs haben Lehrerverbände und SPD die jüngste Lockerung der Corona-Regeln an Schulen und Kitas scharf kritisiert. Der Philologenverband hält die Lockerungen für "unverantwortlich". Ralf Scholl, Chef des baden-württembergischen Verbands der Gymnasiallehrer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei völlig leichtsinnig, die Sicherheitsmaßnahmen abzubauen. "Ich gehe deshalb davon aus, dass im Herbst Corona an den Schulen massiv toben wird."

Welche Regeln gelten an baden-württembergischen Schulen? Ein Überblick:

Baden-Württemberg

Lehrerverbände und SPD Scharfe Kritik für gelockerte Corona-Maßnahmen an Schulen und Kitas in Baden-Württemberg

Tests statt Quarantäne - für die gelockerten Corona-Bedingungen an den Schulen und Kitas in Baden-Württemberg hagelt es Kritik. Kultusministerin Schopper hält das für übertrieben.  mehr...

Außerdem sei es "hanebüchen", wenn Kinder unter sechs Jahren gar nicht mehr getestet werden müssten. Scholl kritisiert auch, dass bei einem Corona-Fall in den weiterführenden Schulen die Mitschülerinnen und Mitschüler nicht mehr in Quarantäne müssen, sondern nur noch fünf Tage lang täglich getestet werden sollen. "Das sorgt natürlich für die Weiterverbreitung des Coronavirus, weil die Schnelltests erst drei bis vier Tage danach anschlagen", so der baden-württembergische Verbands-Chef.

Schopper weist Kritik zurück

Die baden-württembergische Kultusministerin Theresia Schopper (Grüne) hat die Kritik an der neuen Corona-Schulverordnung des Landes zurückgewiesen. Dem SWR sagte Schopper, Corona-Vorsichtsmaßnahmen würden auch weiterhin eingehalten, weil die Kinder und Jugendlichen bei einem Corona-Fall in weiterführenden Schulen täglich getestet würden.

"Ehrlicherweise finde ich, hat der Philologenverband schon deutlich zu sehr aufs Blech geschlagen. Es ist nicht so, dass wir unverantwortlich handeln."

Wenn wie bisher die ganze Klasse in Quarantäne müsste, würde man den Präsenzunterricht durch die Hintertür wieder kassieren, so die Grünen-Politikerin. Nur wer positiv getestet ist, soll laut Schopper in Quarantäne gehen. Außerdem könnten sich inzwischen auch die zwölf- bis 17-Jährigen impfen lassen.

Ein Sprecher ihres Ministeriums ergänzte, von einem Abbau der Sicherheitsmaßnahmen könne keine Rede sein. Man habe mit der Masken- und Testpflicht, mit dem Förderprogramm für Luftfilter sowie den Impfangeboten für Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren "deutlich mehr Sicherheitszäune eingezogen als für einen Großteil des restlichen gesellschaftlichen Lebens gelten".

Kritik auch von der GEW

Gegenwind erhält die Ministerin auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die hält es ebenso wie der Philologenverband für besonders fahrlässig, Kinder unter sechs Jahren gar nicht mehr zu testen. "Dass die Testpflicht in Kitas wegfällt, halte ich für eine Katastrophe", sagte GEW-Landeschefin Monika Stein der Deutschen Presse-Agentur. Stein und Philologenvertreter Ralf Scholl finden, statt zu lockern hätte das Land dafür sorgen müssen, dass alle Klassenzimmer rechtzeitig mit Luftfiltern ausgestattet werden. Die GEW-Landeschefin vermutet hinter den Lockerungen Wahltaktik.

Landes-SPD bezeichnet Lockerungen als kopflos

SPD-Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch wirft der Landesregierung vor, statt für einen sicheren Schulstart zu sorgen, jetzt das Pandemiegeschehen an Schulen und Kitas einfach für abgeschafft zu erklären. Nur weil die Inzidenz nicht mehr das entscheidende Kriterium sei, "sind Corona, Ansteckungen, Quarantänen und Fernunterricht eben noch lange nicht aus der Welt", erklärte er. Die Lockerungen stünden "in keinem Verhältnis zu den versäumten Sicherheitsvorkehrungen wie Luftfilter oder flächendeckende Impfangebote".

In den neuen Verordnungen für Schulen und Kitas, die seit Samstag gelten, sind Inzidenzen als Maßstab für Maßnahmen entfernt. "Somit gibt es nun keine Regel mehr, die Wechsel- oder Fernunterricht ab dem Überschreiten eines bestimmten Inzidenzwertes vorschreibt", erklärte das Kultusministerium am Freitag. Die Maskenpflicht bleibt aber bestehen. Es gilt als gesichert, dass Kinder und Jugendliche bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus deutlich mildere Symptome haben als etwa alte Menschen.

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