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In Stuttgart haben sich am Donnerstag die wichtigsten Vertreter von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Umweltverbänden getroffen, um über den Strukturwandel der Automobilindustrie zu beraten. Neben der E-Mobilität sollen auch andere regenerative Antriebsmethoden in den Blick genommen werden.

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Führende Vertreter der Autoindustrie in Baden-Württemberg haben sich erneut für einen technologieoffenen Wandel der Branche ausgesprochen. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warb zur Halbzeit des "Strategiedialogs Automobilwirtschaft" am Donnerstag in Stuttgart dafür, neben der Elektromobilität auch regenerativ hergestellte Kraftstoffe oder die Brennstoffzellentechnik weiter zu entwickeln, um das Ziel einer CO2-freien Mobilität zu erreichen. Gleichzeitig zeigte er sich mit den Ergebnissen zufrieden. Baden-Württemberg habe sich national und international mit anderen Automobilstandorten vernetzt, Kooperationen angestoßen, die Elektrifizierung vorangebracht und viel Geld in die Entwicklung von Batterien, aber auch von synthetischen Kraftstoffen und der Brennstoffzelle gesteckt.

"Technologieoffenheit" gefordert

Die Chefs der großen Konzerne warnten erneut davor, sich bei den politischen Vorgaben und der Förderung zu sehr auf die Batterie zu konzentrieren. "Wir wollen den Klimaschutz technologieoffen", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner, der schon seit langem vehement auch für die Brennstoffzelle und den Einsatz synthetischer Kraftstoffe wirbt - und auch für eine Weiterentwicklung des Dieselmotors.

Das Land und die Automobilindustrie hatten den Strategiedialog im Mai 2017 ins Leben gerufen, um damit gemeinsam den Wandel in der Branche anzugehen.

100 Millionen Euro investiert

Als Ergebnis ist in den vergangenen drei Jahren unter anderem ein dichtes Netz an Elektroladesäulen entstanden, dazu eine Forschungsfabrik für Brennstoffzellen, ein Modellprojekt für Busse mit Wasserstoffantrieb oder Weiterbildungsangebote für Industriebeschäftigte. Das Land hat dafür bislang mehr als 100 Millionen Euro investiert. Noch mehr Geld - vor allem Forschungsförderung - kommt vom Bund.

Neben Ministerpräsident Kretschmann saßen für die Autohersteller Daimler-Chef Ola Källenius und Porsche-Chef Oliver Blume am Tisch. Bosch-Chef Denner vertritt die Zulieferindustrie. Außerdem waren Frank Mastiaux vom Energieunternehmen EnBW, Roman Zitzelsberger von der IG Metall, Brigitte Dahlbender von der Umweltschutzorganisation BUND und Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) dabei.

Die jährlichen "Top-Level-Meetings" sind allerdings nur ein kleiner Teil. Die eigentliche Arbeit an konkreten Projekten findet fortlaufend in verschiedenen, nach Themen sortierten Arbeitsgruppen statt.

Wandel als "Kraftakt"

"Für unsere Unternehmen ist dieser Wandel ein immenser Kraftakt. Die Corona-Pandemie hat die Belastungen vervielfacht. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um die Krise abzufedern", sagte Ministerpräsident Kretschmann auf der Pressekonferenz am Donnerstagmittag. Auch das Auto der Zukunft müsse in Baden-Württemberg vom Band laufen, dazu müssten bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden, so Kretschmann. "Wir wollen, dass unser Land auch in den alternativen und fortschrittlichen Technologien im Bereich Automobil weltweit eine führende Rolle innehat."

BUND-Sprecherin Dahlbender forderte, nicht nur neue Antriebe für Autos, sondern eine neue nachhaltige Mobilität in den Mittelpunkt zu stellen. "Für die Menschen steht die Bewältigung der Klimakrise im Vordergrund", sagte sie.

Skepsis zu EU-Plänen

Zurückhaltend äußerte sich Kretschmann am Rande des Strategiedialogs zu den Plänen der EU-Kommission, den CO2-Ausstoß in der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu reduzieren. "Ich mache nie Luftsprünge bei Ankündigungen, auch nicht bei meinen eigenen. Denn angekündigt ist schnell etwas", sagte Kretschmann. Er verwies dabei auf die unterschiedlichen Interessen und Strategien der Mitgliedsländer. Ähnlich äußerten sich die Autobauer: "Wir haben nichts gegen ehrgeizige Ziele", sagte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume. "Aber sie müssen verlässlich und planbar sein."

Wer sich über die Projekte des "Strategiedialogs" informieren möchte, findet im Internet eine virtuelle Ausstellung dazu, unter der Adresse sda2020.de.

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