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Laut einer Studie des Verkehrsministeriums würde es sich lohnen, mehr als 30 stillgelegte Bahnstrecken in Baden-Württemberg wieder in Betrieb zu nehmen. Dafür gibt es Geld von Bund und Land.

In Baden-Württemberg liegen zahlreiche Zugstrecken brach, aber das soll sich jetzt ändern. Denn für eine Verkehrswende im Land braucht es auch mehr Züge, die fahren. So sollen nun alte Bahnverbindungen wieder reaktiviert werden. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte bei der Vorstellung der Studie, in vielen Strecken stecke beträchtliches Potenzial und das wolle man jetzt heben. Bis zu 90 Prozent der Kosten werden vom Bund übernommen.

Um diese Strecken geht es:

Strecken mit sehr hohem Nachfragepotenzial (>1500 Fahrgäste pro Schultag)

  • Reutlingen Hbf - Engstingen (Echaztalbahn)
  • Marbach (Neckar) - Heilbronn (Bottwartalbahn)
  • Reutlingen Hbf - Nehren Süd (Somaschell)
  • Stuttgart - Untertürkheim - Kornwestheim Pbf (Schusterbahn)
  • Breisach - Colmar
  • Ludwigsburg - Markgröningen (Markgröninger Bahn)
  • Ettlingen West - Ettlingen Erbprinz (Albtalbahn)
  • Weil der Stadt - Calw (Hermann-Hesse-Bahn)
  • Göppingen - Schwäbisch Gmünd (Hohenstaufenbahn)
  • Göppingen - Bad Boll (Voralbbahn)
  • Göppingen - Kircheim (Teck)
  • Filderstadt - Neuhausen (Filder) (Filderbahn)

Strecken mit hohem Nachfragepotenzial (750 bis 1500 Fahrgäste pro Schultag)

  • Balingen (Württ) - Schömberg (b Balingen) - Rottweil (Zollern-Alb-Bahn 3)
  • Schopfheim - Bad Säckingen (Wehratalbahn)
  • Karlsruhe-Neureut - Karlsruhe - Mühlburg (Hardtbahn)
  • Graben-Neudorf - Hochstetten (Hardtbahn)
  • Singen (Hohentwiel) - Etzwilen TG
  • Waldenburg (Württ) - Künzelsau (Kochertalbahn)
  • Lauffen (Neckar) - Zaberfeld (Zabergäubahn)
  • Sigmaringen/Mengen - Krauchenwies - Stockach (Ablachtalbahn)
  • Mengen - Krauchenwies - Stockach (Ablachtalbahn)
  • Albstadt-Ebingen - Albstadt-Onstmettingen (Talgangbahn)

Strecken mit mittlerem Nachfragepotenzial (500 bis 750 Fahrgäste pro Schultag)

  • Neckarbischofsheim Nord - Obergimpern - Hüffenhardt/Bad Rappenau (Krebsbachtalbahn)
  • Haltingen - Kandern (Kandertalbahn)
  • Engstingen - Gammertingen (Schwäbische-Alb-Bahn)
  • Heimerdingen - Weißach (Strohgäubahn)
  • Kirchheim (Teck) - Weilheim (Teck) (Kleine Teckbahn)
  • Engstingen - Münsingen - Schelklingen (Schwäbische-Alb-Bahn)
  • Lauchringen - Stühlingen (Wutachtalbahn)
  • Eyach - Hechingen Landesbahn (Zollern-Alb-Bahn 4)
  • Rastatt - Haguenau
  • Neckarbischofsheim Nord - Obergimpern - Hüffenhardt (Krebsbachtalbahn)

Weniger Nachfragepotenzial, für touristischen Verkehr prüfen

  • Altshausen - Pfullendorf (Räuberbahn)
  • Leutkirch - Isny
  • Balingen (Württ) - Schömberg (b Balingen) (Zollern-Alb-Bahn 3)
  • Roßberg - Bad Wurzach (Roßbergbahn)
  • Bühl (Baden) - Stollhofen
  • Hintschingen - Blumberg-Zollhaus (Aitrachtalbahn)
  • Amstetten (Württ) - Gerstetten (Lokalbahn)
  • Maulbronn West - Maulbronn Stadt (Klosterstadt-Bahn)
  • Rudersberg-Oberndorf - Welzheim (Wieslauftalbahn)
  • Blaufelden - Langenburg

Der Bund übernimmt bis zu 90 Prozent der Kosten

Laut Hermann sind die Bedingungen so günstig wie noch nie: "Der Bund fördert die Baukosten für Reaktivierungsvorhaben neuerdings mit bis zu 90 Prozent. Das Land beteiligt sich zudem an den verbleibenden Kosten, so dass im Ergebnis Streckenreaktivierungen mit bis zu 96 Prozent der Baukosten gefördert werden können." Auch Machbarkeitsstudien will das Land bis 2023 fördern und bis zu drei Viertel der Kosten übernehmen. Auch den Betrieb der Strecke will grundsätzlich das Land übernehmen.

Verbände befürworten Reaktivierungen in Baden-Württemberg

Nach Angaben des Verbandes Allianz pro Schiene sind allein in Baden-Württemberg in den vergangenen 25 Jahren rund 178 Kilometer Eisenbahnstrecke für den Personenverkehr freigegeben worden, auf weiteren 25 werden nun Güter transportiert. Das sind laut Allianz mehr Kilometer als im selben Zeitraum abbestellt wurden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht das Land deshalb auch bereits auf einem guten Weg. Baden-Württemberg setze ähnlich wie Hessen und Niedersachsen schon länger auf Reaktivierungen, um den Schienenverkehr zu beleben.

"Bei einer solchen Reaktivierung hat man zunächst mal einen Fuß in der Türe. Ausbauen kann man die Verbindung später immer noch", sagt zudem der Landesvorsitzende von Pro Bahn, Stefan Buhl. Der Fahrgastverband Pro Bahn, der Mitglied in der Allianz pro Schiene ist, argumentiert mit Umweltaspekten. Außerdem feierten bereits wiederbelebte Strecken große Erfolge. Zum Teil seien Prognosen, die vor der Reaktivierung erstellt wurden, um das Zehnfache übertroffen worden.

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