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Immer mehr Städte in Baden-Württemberg halten den Stickstoffdioxid-Grenzwert ein. Die Maßnahmen für Luftreinhaltung scheinen zu greifen - zumindest in direkter Nähe zu den Messstationen.

In vier Städten in Baden-Württemberg ist jedoch nach wie vor zu viel Stickstoffdioxid in der Luft: Stuttgart, Heilbronn, Mannheim und Reutlingen rissen 2019 den Jahresmittel-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Landesanstalt für Umwelt hervor. Auch in Ludwigsburg lag der Jahresmittelwert zwar über der Grenze. Offiziell liegt eine Überschreitung aber nur vor, wenn über eine Strecke von mindestens 100 Metern die Werte überschritten werden. Das war den Angaben zufolge hier nicht der Fall.

Im Vergleich zum Vorjahr lagen damit weniger Städte im Land über dem Grenzwert - damals waren es noch 14. Zehn Städte und Gemeinden konnten ihre Werte entscheidend verbessern. Die Messungen in Backnang, Esslingen, Freiburg, Herrenberg, Leonberg, Ludwigsburg, Öhringen, Sindelfingen, Tübingen und Ulm blieben nach Überschreitungen im Vorjahr unter dem Grenzwert.

Neckartor nicht mehr dreckigste Messstelle im Land

An der bisher dreckigsten Messstelle, dem Stuttgarter Neckartor, konnte der Wert zwar landesweit am stärksten reduziert werden, er liegt aber mit 53 Mikrogramm pro Kubikmeter (2018: 71) weiter deutlich über der Grenze. Insbesondere dort waren zuletzt diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Belastung zu senken. So wurden eine Busspur eingerichtet und Filtersäulen aufgestellt. Neuer Negativ-Spitzenreiter ist nach den vorläufigen Zahlen die Messstation an der Stuttgarter Pragstraße. Hier wurden im Jahresmittel 58 Mikrogramm pro Kubikmeter (2018: 65) gemessen.

Hermann: Werden 2020 Grenzwerte überall einhalten

"Leider sind wir in Stuttgart, Mannheim, Heilbronn und Reutlingen noch nicht am Ziel", sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in einer Mitteilung. Die Messergebnisse seien aber insgesamt ein "super Zeugnis" für die Luftreinhaltepolitik der Landesregierung. Er gehe davon aus, dass die Genzwerte 2020 an allen Messstationen im Land eingehalten werden. Damit das auch im stark belasteten Stuttgart gelingt, wurden hier zum Jahreswechsel weitere Fahrverbote eingeführt. Nun dürfen auch Diesel der Euronorm 5 auf bestimmten Strecken nicht mehr fahren.

Wie viel Aussagekraft die Werte an den Messstationen für die Luftqualität in ganzen Städten haben, ist umstritten. "Das Diesel-Fahrverbot ist eine lokale Maßnahme und kann natürlich nur lokal wirken", sagt Luftreinhaltungs-Experte Ulrich Vogt von der Universität Stuttgart. "Stadtweit hat das in der Form natürlich keine große Auswirkung."

Die endgültigen Zahlen zur Luftbelastung an den Messstellen in Baden-Württemberg sollen Anfang Februar vorliegen.

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