Ein Schild mit der Aufschrift "Achtung - Auswertung Kinderpornografie" hängt an der Tür eines Büros beim Landeskriminalamt. (Foto: Imago, IMAGO / localpic (Archiv))

Anstieg von fast 70 Prozent

Deutlich mehr Fälle von Kinder- und Jugendpornografie in Baden-Württemberg

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Die Zahl der Fälle von Kinder- und Jugendpornografie hat in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Erst am Dienstag gab es in mehreren Landkreisen Durchsuchungen.

Mehr als 2.400 Fälle von Kinderpornografie hat die baden-württembergische Polizei im Jahr 2020 gezählt. Das geht aus Zahlen des Innenministeriums hervor und ist ein Anstieg von gut 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in diesem Jahr gehen die Zahlen weiter hoch, so das Innenministerium gegenüber dem SWR. Am Dienstag hatte das Polizeipräsidium Heilbronn eine Groß-Razzia gegen 33 Beschuldigte durchgeführt. Mehr als 80 Polizistinnen und Polizisten waren an den Durchsuchungen beteiligt. Sie stellten zahlreiche Beweismittel, vor allem Smartphones, Computer und Speichermedien, sicher.

Hinweise von private Organisationen mit Hilfe von Google und Facebook

Als Grund für die Zahl der gestiegenen Ermittlungsverfahren in letzter Zeit gibt das Innenministerium an, dass die Behörden immer mehr Verdachtsmeldungen aus den USA erhalten. Vor allem von der Nichtregierungsorganisation "National Center for Missing and Exploited Children" (NCMEC), die sich für die Rechte von Kindern einsetzt. Diese nehme Hinweise von Google und Facebook entgegen und leite sie auch an deutsche Strafverfolgungsbehörden weiter. Ermittlungsgruppen des Landeskriminalamts und der Polizeipräsidien gehen dagegen vor. Unter anderem in einer speziellen Cyber-Abteilung.

Eine Kriminaloberkommissarin sitzt in einem Büro vor einem Auswertungscomputer auf der Suche nach Kinderpornografie und Fällen von sexuellem Missbrauch.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Arne Dedert (Symbolbild))
Mehr als 2.400 Fälle von Kinderpornografie gab es 2020 in Baden-Württemberg. Künftig könnte es wegen eines neuen Gesetzes noch deutlich mehr Ermittlungen geben. picture alliance/dpa | Arne Dedert (Symbolbild)

Personal und Mittel zur Verfolgung von Kinderpornografie werden aufgestockt

Rund vier Millionen Euro habe das Land seit dem vergangenen Jahr in technische Infrastruktur und mehr Personal gesteckt. Im Koalitionsvertrag seien noch mehr Gelder vorgesehen. Außerdem gelang es laut Innenministerium, immer mehr Fälle von Kinderpornografie aufzuklären. Beispielsweise in Heilbronn wurde im Frühjahr dieses Jahres eine 13-köpfige Ermittlungsgruppe zur Bekämpfung von Straftaten im Bereich Kinder- und Jugendpornografie gebildet. Die Beamtinnen und Beamten haben demnach bereits mehr als 350 Fälle bearbeitet und mehr als 80 Objekte durchsucht.

Anbieter ab 2022 auch in Deutschland zur Meldung verpflichtet

Am 1. Februar 2022 tritt die Änderung des so genannten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes in Deutschland in Kraft. Danach sind laut Innenministerium Anbieter sozialer Netzwerke auch in Deutschland verpflichtet, Hass und bestimmte strafbare Inhalte, wie etwa Kinder- und Jugendpornografie, an die Strafverfolgungsbehörden zu melden. Vor diesem Hintergrund rechnet das Ministerium mit einem weiteren, deutlichen Anstieg an Ermittlungen im Bereich Kinderpornografie.

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