Eine männliche Hand dreht das Thermostat der Heizung auf Null.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer)

Heizung und Warmwasser werden abgedreht

Gaskrise: Städte und Kirchen in Baden-Württemberg gehen auf Sparkurs

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Wegen des drohenden Gasmangels ergreifen Kommunen und Kirchen im Land teils radikale Maßnahmen. In Verwaltungsgebäuden wird die Heiztemperatur abgesenkt, das Warmwasser abgestellt.

Aufgrund der drohenden Gas-Mangellage im Land wollen Kommunen wie auch Kirchen ihren Energieverbrauch deutlich reduzieren. So sollen etwa in der Karlsruher Verwaltung Klima- und Lüftungsanlagen sowie Warmwasser, wo möglich, abgeschaltet werden. Die Temperatur in Innenräumen soll um zwei Grad abgesenkt werden und in Fluren und Nebenräumen nur noch vor Frost schützen, wie ein Sprecher mitteilte.

Außerdem werde geprüft, die Heizperiode insgesamt zu verkürzen. Die Stadt Karlsruhe will auch öffentliche Gebäude nachts nur noch minimal beleuchten. Selbst Ampelanlagen will die Verwaltung abschalten, wenn die Sicherheit es zulässt.

Stuttgart heizt Bäder nur noch mit Solarenergie

Die Stadt Stuttgart spart zum einen bei den Bädern Energie. Seit dem 1. Juli wird das Wasser in den Freibädern nur noch mit Solarenergie beheizt. Eine garantierte Wassertemperatur gebe es dadurch nicht mehr, so ein Sprecher der Stadt.

Weiteres Einsparpotenzial sieht die Landeshauptstadt bei der Beleuchtung. "Wir erwägen derzeit sehr ernsthaft die Abschaltung der Außenbeleuchtung an städtischen Gebäuden wie dem Rathaus oder der Stadtbibliothek und wollen uns diesbezüglich auch mit den Kirchen abstimmen, soweit Kirchen angestrahlt werden", teilte Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit. Wie viel Energie die Stadt damit einsparen kann, wird - wie in Karlsruhe - derzeit noch ermittelt.

Tübingen: Beleuchtung und Beheizung werden reduziert

Die Stadt Tübingen setzt vor allem auf den massiven Ausbau erneuerbarer Energie und den Einsatz von Wärmepumpen und Pelletheizungen. Beleuchtung und Beheizung sollen laut einer Sprecherin auf das zulässige Minimum reduziert werden. Zudem würden derzeit alle Anlagen überprüft und optimal eingestellt.

Konstanz stellt das Warmwasser ab

Komplett Schluss mit Warmwasser ist ab sofort bei der Stadt Konstanz. Weitere Maßnahmen sind laut einer Sprecherin in Abhängigkeit der deutschen Gasspeicher geplant. Sollten die Speicher für den Winter nicht ausreichend gefüllt werden können, müssten nach einem Beschluss des Gemeinderats das Thermalbad und die Sauna sowie das Hallenbad am Seerhein schließen. Zudem sollen die städtischen Heizungen in diesem Jahr erst ab Oktober Wärme spenden, in Schulen und Kitas bis maximal 19 Grad.

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Neckarsulm will 20 Prozent Energie einsparen

Auch die Stadt Neckarsulm (Kreis Heilbronn) spart Energie: Rund 30 Maßnahmen sieht der Katalog vor, den der Gemeinderat beschlossen hat: Das Ernst-Freyer-Freibad wird zum Kaltbad und nur noch mit Solarthermie beheizt. Scheint die Sonne nicht, bleibt es kalt. Im Sportbad wird die Raumtemperatur abgesenkt, das Wasser hat bereits nur 26 Grad.

Dazu kommen weitere Maßnahmen: Kein Warmwasser mehr in Sporthallen, keine Beleuchtung historischer Gebäude und die Straßenbeleuchtung wird zwischen ein Uhr und fünf Uhr abgeschaltet. Der Beginn der Heizperiode in den städtischen Gebäuden wurde auf den 1. Oktober verschoben. OB Steffen Hertwig (SPD) schätzt, dass mit den Einschnitten rund 20 Prozent Energie eingespart werden könnten.

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Heilbronn zögert noch

Lauffen am Neckar (Kreis Heilbronn) hat die Gasheizung im Freibad abgedreht. Öhringen (Hohenlohekreis) hat beschlossen, das Hallenbad gar nicht erst aufzumachen. Die Heizung in öffentlichen Gebäuden wird auf 20 Grad runtergedreht, das Warmwasser abgestellt. Noch nicht ganz so weit scheint die Stadt Heilbronn zu sein. Hier will man einen Workshop des Städtetags zum Thema abwarten. Danach will die Stadt konkrete Vorschläge machen. Der Gemeinderat hat jedoch Sommerpause und tagt erst Ende September wieder.

Kirchen sollen kalt bleiben

Einsparpotenzial sehen auch die christlichen Kirchen im Land und haben sich dazu bereits ausgetauscht, wie eine Sprecherin der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart mitteilte. Bischof Gebhard Fürst rief die Verantwortlichen in den Kirchengemeinden dazu auf, sich aktiv auf die kommende Heizperiode vorzubereiten und zu planen, wie der Energieverbrauch gesenkt werden kann.

"Für uns als Kirche ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns solidarisch in die gesamtgesellschaftlichen Bemühungen einbringen, Energie einzusparen, um die Versorgung von zentralen Bereichen der kritischen Infrastruktur mit Gas und anderer Energie zu gewährleisten", teilte Bischof Fürst mit.

Energiespartipps aus der Erzdiözese Freiburg

Die Erzdiözese Freiburg stellte den Kirchengemeinden am Montag eine Handreichung mit Tipps zum Energiesparen zur Verfügung. Darin wird etwa erklärt, wie sich die Heiztemperatur herunterregeln lässt, ohne Frostschäden zu riskieren, und wie sich Gottesdienstbesucherinnen und -besucher auf niedrige Temperaturen in den Kirchen vorbereiten können.

Für Kirchenräume wird beim Gottesdienst eine maximale Temperatur von 13 Grad Celsius empfohlen. Um Kirchenkunst und Orgeln zu schützen, dürfe die Temperatur aber nicht unter fünf Grad fallen, hieß es bereits vergangene Woche in einem Rundschreiben an die Kirchengemeinden.

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Nachrichten, Wetter SWR2

Gottesdienste in Gemeindehäusern

Bei der evangelischen Landeskirche in Baden wie auch in Württemberg sind sogenannte Winterkirchen geplant. Um Energie zu sparen, soll dazu der Gottesdienst im Gemeindehaus und nicht in der Kirche stattfinden. Die Kirche wird dann nicht oder nur grundbeheizt, wie die Landeskirche in Baden mitteilte.

Zudem rät etwa die württembergische Landeskirche, auch wieder verstärkt auf digitale Angebote etwa für Gottesdienste zurückzugreifen. Auch die Außenbeleuchtung der Kirchen soll beim Energiesparen helfen, wenn auch mit deutlich geringerem Einsparpotenzial. Die Landeskirchen möchten nach eigenen Angaben zudem längerfristige Maßnahmen wie die Sanierung von Gebäuden aufgrund der Gas-Krise nun noch stärker angehen.

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