Der SPD-Politiker Erhard Eppler ist im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall gestorben (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sebastian Gollnow)

Im Alter von 92 Jahren in Schwäbisch Hall SPD-Urgestein Erhard Eppler gestorben

Der SPD-Politiker Erhard Eppler ist tot. Der politische Vordenker der Partei starb am Samstag im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Eppler galt als Urgestein der Sozialdemokraten und Vordenker aus den großen Zeiten der SPD. "Wir sind Erhard Eppler unendlich dankbar für das, was er uns alles gegeben hat. Er war eine herausragende Persönlichkeit der Sozialdemokratie, im Bund und in Baden-Württemberg, dessen Wertefundament und Prinzipientreue für uns wegweisend bleiben werden", sagte der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende in Baden-Württemberg, Andreas Stoch.

Olaf Scholz: "Ein leidenschaftlicher Streiter"

Bei Twitter würdigten zahlreiche SPD-Politiker das Lebenswerk Epplers. Er sei "ein großer Sozialdemokrat, kritischer Mahner und leidenschaftlicher Streiter" gewesen, schrieb Vizekanzler Olaf Scholz. "Erhard Eppler war ein Vordenker und Impulsgeber, einer der jenseits von national engstirniger Politik gedacht hat", schreibt Generalsekretär Lars Klingbeil. Außenminister Heiko Maas (SPD) twitterte: "Ein großer politischer und gesellschaftlicher Vordenker geht. Sein Engagement für Frieden, Solidarität und Ökologie bleibt."

Erhard #Eppler ist tot. Zu seinem 90. Geburtstag hatten wir ihn im ⁦⁦@Landtag_BW⁩ als „sozialdemokratischen Vordenker einer humanen Welt“ gefeiert. Es war eine Freude, mich mit ihm auszutauschen. Das Bild zeigt ihn mit ⁦@LeniBreymaier⁩ ⁦⁦@StochAndreas⁩ https://t.co/QkdSzQQSG5

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte: "Auch wer seine politische Position nicht teilte, achtete seine intellektuelle Schärfe." Eppler sei aufrecht und konsequent für seine Haltung und seine Überzeugung eingetreten.

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Viele Ämter und Funktionen

Der promovierte Gymnasiallehrer Eppler, 1926 in Ulm geboren, kam 1956 zur SPD und übernahm dort im Laufe der Jahrzehnte eine Vielzahl an Ämtern und Funktionen. Er war Mitglied im Bundesvorstand und Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, saß im Bundestag und später im Stuttgarter Landtag. Unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) wurde er 1968 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und blieb dies auch unter Kanzler Willy Brandt (SPD). Knapp sechs Jahre später legte er den Posten im Streit mit Brandts Nachfolger Helmut Schmidt (SPD) nieder. Eppler war Vorsitzender der SPD-Grundwertekommission und zweimal auch Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Zweimal trat er zudem erfolglos als Spitzenkandidat der SPD in Baden-Württemberg an.

Schon früh vertrat Eppler Positionen im Bereich Umweltschutz und Ökologisierung oder in der Friedensbewegung, die heute eher von den Grünen eingenommen werden - und stand damit nicht selten im Widerspruch zur Parteilinie. "Er war immer auf der Höhe der Zeit, wie es Willy Brandt von uns Sozialdemokraten so eindringlich eingefordert hat", betonte Stoch. "Dabei hat er es anderen nicht immer leicht gemacht. Sich selbst aber auch nicht."

"Der Sache nach Recht behalten"

Im Sommer 1991 verabschiedete sich Eppler aus allen politischen Funktionen, aber nicht aus der öffentlichen Debatte. Zu seinem 90. Geburtstag 2016 sagte die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, Eppler habe oft wie eine "Kassandra" gewirkt. Kassandra sieht in der griechischen Mythologie das Unheil voraus, aber sie wird nicht gehört. "An ihm kann man sehen, dass man der Sache nach Recht behalten kann, auch wenn man keine Mehrheiten bekommen hat", sagte Schwan damals.

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