Einmarsch Russlands in die Ukraine

SPD-Landeschef Stoch: Altkanzler Schröder schadet dem Land und der Sozialdemokratie

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Bereits vor Beginn des Russland-Ukraine-Krieges eckte der frühere SPD-Bundeskanzler Schröder immer wieder aufgrund seiner Haltung gegenüber Putin an. Für viele in der SPD ist das Maß aber jetzt endgültig voll.

Die Kritik am früheren Bundeskanzler Deutschlands, Gerhard Schröder (SPD), wird angesichts der Entwicklungen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine immer lauter. Der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch hat das Verhalten Schröders scharf verurteilt. "Auch wenn Gerhard Schröder die Entscheidungen der Bundesregierung und der SPD nicht mehr beeinflusst, schadet er durch sein Handeln unserem Land und den Werten der Sozialdemokratie", so Stoch auf SWR-Anfrage.

Stoch: Versagen Schröders gegenüber Putin groß

Schröder habe große Verdienste, groß sei aber auch sein Versagen gegenüber Putin und seiner Regierung. Es reiche nicht, den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu verurteilen. "Glaubwürdig wäre Schröder nur, wenn er alle seine geschäftlichen Kontakte zur russischen Regierung sofort abbricht", so Stoch weiter.

Andreas Stoch, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, stellt die Ergebnisse der Fraktionsklausur vor. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Christoph Schmidt)
SPD-Fraktionschef Andreas Stoch Foto: Christoph Schmidt

Zuvor hatte bereits der Bundesvorsitzende der SPD, Lars Klingbeil, den Altkanzler dazu aufgerufen, seine geschäftlichen Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zu beenden. Er erwarte in diesen Tagen auch ein klares Verhalten von Schröder, betonte Klingbeil via Facebook. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Rolf Mützenich, hatte Schröder aufgefordert, seine Ämter in Russland abzugeben. "Mit dem System Putin zusammen zu wirken in wirtschaftlichen Fragen, das verbietet sich zurzeit sehr", hatte er am Sonntag im ARD-"Morgenmagazin" betont.

Schröder gilt als Freund Putins

Der frühere Bundeskanzler gilt als langjähriger Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Zuletzt war Schröder aufgefallen, weil er vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine ukrainische Forderungen nach Waffenlieferungen als "Säbelrasseln" kritisierte. Auch dass Schröder im Aufsichtsrat etwa des staatlichen russischen Energiekonzerns Rosneft sitze, halte er für einen Fehler, so Klingbeil. Schröder hat auch Führungspositionen bei den Pipeline-Projekten Nord Stream und Nord Stream 2.

Gerhard Schröder bei Wladimir Putin (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP | Alexei Druzhinin)
Wladimir Putin (links) bei einem Empfang im Kreml 2018 mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder picture alliance/dpa/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP | Alexei Druzhinin

Schröder hatte sich nach Kriegsbeginn am Donnerstag über das Online-Netzwerk LinkedIn zum russischen Angriff auf die Ukraine geäußert. Er hatte die Regierung in Moskau aufgefordert, den Krieg schnellstmöglich zu beenden. Schröder hatte zugleich betont, bei notwendigen Sanktionen dürften die politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Verbindungen zwischen Europa und Russland nicht ganz gekappt werden.

Altkanzler verliert alle Mitarbeitenden in Bundestagsbüro

Jetzt verliert Schröder alle Mitarbeitenden in seinem Bundestagsbüro. "Ich kann bestätigen, dass die vier Mitarbeiter in dem Büro gebeten haben, wieder in anderen Funktionen zu arbeiten", sagte der Büroleiter Albrecht Funk auf Anfrage. Die vier sind formal beim Kanzleramt angestellt und werden nun an anderer Stelle beschäftigt. Zu den Gründen will sich Funk nicht äußern. Hintergrund dürften aber unterschiedliche Auffassungen zu dem Ukraine-Russland-Konflikt sein.

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SWR