Die Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams zieht in einem Alten- und Pflegeheim den Impfstoff von BiontechPfizer in eine Spritze auf. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Andere Bundesländer mit mehr Impfungen

Spahn kritisiert Corona-Impfquote in Süddeutschland

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Bundesgesundheitsminister Spahn hat eine höhere Impfquote in einigen Bundesländern gefordert. Im Vergleich mit anderen Ländern hinkt Baden-Württemberg bei den Impfungen hinterher.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Samstag auf die Unterschiede beim Fortschritt der Corona-Impfungen zwischen den Bundesländern hingewiesen. Dabei stellte er dem Nordwesten Deutschlands ein gutes Zeugnis aus. Der Süden Deutschlands, wie Baden-Württemberg und Bayern, erhielt jedoch die Aufforderung, bei der Quote nachzulegen. "Im Nordwesten sind wir fast am Ziel, im Südosten sollten wir noch deutlich höhere Quoten erreichen", schrieb der CDU-Politiker bei Twitter.

62,9% (52,3 Mio) Bürgerinnen und Bürger haben in 🇩🇪 den vollen Impfschutz, 67,1% (55,8 Mio) mindestens eine Impfung. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind deutlich. Im Nordwesten sind wir fast am Ziel, im Südosten sollten wir noch deutlich höhere Quoten erreichen.

Zwei Drittel aller Bürger mit mindestens einer Impfung

Nach Angaben Spahns haben mittlerweile 62,9 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland (52,3 Millionen Menschen) den vollen Impfschutz. 67,1 Prozent (55,8 Millionen) erhielten demnach mindestens eine Impfung. Vergleicht man die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) der einzelnen Bundesländer, dann stellt man fest, dass im Nordwesten der Bundesrepublik deutlich mehr Menschen gegen Corona geimpft sind als zum Beispiel im Südosten.

Baden-Württemberg bei Impfungen im Mittelfeld

In Baden-Württemberg sind laut den aktuellen RKI-Zahlen 61,5 Prozent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft, 64,3 Prozent haben mindestens eine Impfung bekommen (Stand 18.9.). Damit liegt Baden-Württemberg im Mittelfeld aller Bundesländer.

Bundesweiter Spitzenreiter ist Bremen: Hier wurden 77,7 Prozent der Bürger einmal geimpft und 73,3 Prozent haben einen vollständigen Schutz. Auch in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordrhein-Westfalen erhielten mehr als 70 Prozent der Einwohner mindestens eine Corona-Impfung. In Ostdeutschland liegen die Impfquoten weiterhin zumeist deutlich niedriger als im Westen. In Sachsen beispielsweise haben bisher nur 56,9 Prozent einen ersten und 53,6 einen zweiten Piks erhalten. Auch in Thüringen liegt die Impfquote noch unter 60 Prozent. Auch Bayern liegt mit 63,8 Prozent Erstimpfungen und 60,8 Prozent Zweitimpfungen deutlich hinter dem Nordwesten Deutschlands zurück.

Strengere Regeln für Ungeimpfte

Weil die Impfquoten noch nicht in den von Politik und Ärzten gewünschten Bereichen sind, wächst die Sorge, dass im Herbst die Zahl der belegten Intensivbetten wieder steigen wird und das Gesundheitssystem überlastet werden könnte. Baden-Württemberg hat wie andere Bundesländer deshalb neue Regeln für Ungeimpfte erlassen. Für sie gelten neue Regeln und Einschränkungen mit einem Warnsystem. Abhängig von der Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patientinnen und Patienten und der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz gelten drei Stufen, in denen entweder die 3G-Regeln oder die 2-G-Regeln gelten.

Kretschmann wendet sich an Ungeimpfte

Baden-Württembergs Ministerpräsdient Kretschmann (Grüne) hatte sich in einer Videobotschaft an die Ungeimpften gewandt. Darin rief er die Menschen erneut auf, sich gegen Corona impfen zu lassen. Zwar äußerte er Verständnis für die Entscheidung dagegen, diese bringe aber auch andere in Gefahr. Kretschmann wies darauf hin, dass die Inzidenz bei Geimpften bei knapp 20 und bei Ungeimpften deutlich über 200 liege. Deswegen brauche es jetzt strengere Corona-Regeln für Ungeimpfte.

Impfaktionswoche der Bundesregierung geht zu Ende

Am Sonntag (19. September) ist die Impfaktionswoche der Bundesregierung zu Ende gegangen. Mit speziellen Angeboten sollte die Impfbereitschaft vor dem Herbst erhöht werden. Der Städtetag fordert nun eine Fortsetzung kreativer Maßnahmen. "Gelegenheit macht Impfungen. Umso wichtiger ist es, dass es diese wirksamen Angebote auch nach dem Ende der Impfzentren zum 1. Oktober 2021 gibt", sagte Städtetag-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Kassenärztechef Andreas Gassen sprach sich in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" für das Ende aller Corona-Beschränkungen zum 30. Oktober als Anreiz zum Impfen aus. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält dies für "ethisch nicht vertetbar". Die Welle, die dann käme, wäre zu groß, warnte der SPD-Politiker auf Twitter.

Jetzt zu sagen, wie KBV, wir öffnen voll Ende Oktober, wer dann nicht geimpft ist hat Pech gehabt, ist nicht ethisch vertretbar. Die Welle, die dann käme, wäre zu gross. Besser wäre: wir öffnen, wenn 85% geimpft sind. Bis dahin machen wir 2G https://t.co/r5mP1Ps71D

Um mehr Menschen zum Impfen zu bewegen, schlug Lauterbach in der "Passauer Neuen Presse" eine staatliche Impfprämie vor.

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SWR