Homeoffice soll bis Juni gelten  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Tag der Arbeit am Sonntag

Kritik an Arbeit an Sonn- und Feiertagen: Familie und Freizeit immer mehr im Hintergrund

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Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schützen und den freien Sonntag bewahren: Das fordert die "Allianz für den freien Sonntag und sozialverträgliche Arbeitszeiten" in Baden-Württemberg.

Ob in der Gastronomie oder in der Pflege und Versorgung alter, kranker und behinderter Menschen, aber auch in der Produktion und im Homeoffice - Menschen arbeiteten immer häufiger auch sonntags. Das kritisierte die "Allianz für den freien Sonntag und sozialverträgliche Arbeitszeiten" in Baden-Württemberg. Man sehe die aktuellen Veränderungen in der Arbeitswelt kritisch, so die Allianz. Es werde deutlich, wie wichtig Unterbrechung der Arbeit und gemeinsame freie Zeit im Leben der Menschen seien. Anlass für die Kritik des Zusammenschlusses ist der Tag der Arbeit am 1. Mai, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt.

Die voranschreitende Digitalisierung und immer stärker vernetzte Arbeitsabläufe höhlten den Sonntag immer weiter aus. Die damit einhergehende Entgrenzung der Arbeit und das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen, drohe zu einer Dauerbelastung für die Menschen zu werden. Nahezu selbstverständlich würden Erholung und Zeit für Familie, Freunde und Hobbies hintenangestellt und um die Arbeit drumherum geplant. Die "Atempause" an Sonn- und Feiertagen müsse erhalten bleiben, so die Allianz.

Allianz kritisiert verkaufsoffenen Sonntag

In Nagold (Kreis Calw) soll am Sonntag (1.Mai), auf den der Tag der Arbeit dieses Jahr fällt, ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden. Dieses Vorhaben kritisierte die Allianz beispielhaft für eine "Vereinnahmung der Sonn- und Feiertage als regulären Arbeitstag". Die Gewerkschaft ver.di hat beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim einen Eilantrag gestellt, um die beabsichtigte Sonntagsöffnung zu verhindern. Ob der Verkauf stattfinden darf, wird nun rechtlich geprüft.

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Arbeitsmarktexpertin der Grünen: Feiertage nachholen

Die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Beate Müller-Gemmeke, forderte am Montag Feiertage nachzuholen. Es sei nun an der Zeit, "gesellschaftlich darüber zu diskutieren, dass Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachgeholt werden können, wie es bereits in einer ganzen Reihe von Ländern der Fall ist", so Müller-Gemmeke gegenüber der Rheinischen Post. Auch die Linke, so der Parlamentarische Geschäftsführer im Bundestag Jan Korte, wolle den Entfall von Feiertagen verhindern und auf diese Weise den "sozialen Zusammenhalt im Land stärken".

Kretschmann für Erhöhung der Arbeitszeit

Diesen Forderungen nach Entlastung und mehr Freizeit steht der jüngste Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) entgegen. Er forderte am Dienstag in Stuttgart, die Mindestarbeitszeit für Teilzeit-Lehrkräfte zu erhöhen. Er wolle mit seinem Vorschlag gegen den Fachkräftemangel vorgehen. Dieser sei in allen Branchen der Wirtschaft spürbar. Die Strategie der Bundesregierung, mit "forcierter Einwanderung" gegen den Fachkräftemangel vorzugehen, halte er nicht für die alleinige Lösung, so Kretschmann. Wenn alle in Teilzeit arbeiteten, dann bekäme man insgesamt ein Fachkräfteproblem.

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Auf den Vorstoß seiner Parteikollegin nahm Kretschmann Bezug, indem er zu bedenken gab, dass die Jahresarbeitszeit innerhalb der Europäischen Union in Deutschland mit Abstand am geringsten sei.

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