STAND

Viele Covid-19-Todesfälle in Baden-Württemberg gehen auf Ausbrüche in Pflegeheimen zurück. Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) sieht jedoch keine Fehler bei der Politik.

Das baden-württembergische Sozialministerium hat am Donnerstag erneut bestätigt, was SWR-Recherchen bereits vor einer Woche gezeigt hatten: Fast 40 Prozent aller bisherigen Corona-Todesfälle im Land sind auf Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen zurückzuführen. Insgesamt sind laut Ministerium bisher 7.566 Menschen (Stand: 10. Februar) in Baden-Württemberg an oder mit Covid-19 verstorben, 2.846 davon in Alten- und Pflegeheimen. Der Anteil liegt demnach bei 37,6 Prozent.

Lucha: Quote in vielen anderen Bundesländern höher

Aus diesen Zahlen jedoch den Schluss zu ziehen, dass Schutzmaßnahmen fahrlässig vernachlässigt worden wären, sei so nicht akzeptabel, sagte Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Donnerstag in einer Sondersitzung des Sozialausschusses im Landtag. Damit verteidigte er sich gegen Kritik von SPD und FDP. Die hatten die Sondersitzung nach der Veröffentlichung der SWR-Recherche beantragt. Die Landesregierung hatte den Anteil der Toten in Pflegeheimen zuvor deutlich niedriger angegeben. Die SPD warf Lucha vor, Todeszahlen kleingerechnet zu haben.

Video herunterladen (2,6 MB | MP4)

Dem widersprach der Minister vehement. Er sei zu jedem Zeitpunkt mit den Pflegeeinrichtungen im Gespräch und über die Zahlen im Bilde gewesen, so Lucha. In vielen anderen Bundesländern sei der Anteil der Toten, die auf Ausbrüche in Pflegeheimen zurückzuführen sind, deutlich höher als in Baden-Württemberg. Das gehe aus einer Länderabfrage des Sozialministeriums hervor. In Brandenburg betrug die Quote demnach 47,8 Prozent, in Schleswig-Holstein sogar 71 Prozent.

Todesfalle Pflegeheim (Foto: SWR)
Hat die Landesregierung beim Schutz von Alten- und Pflegeheimen vor Corona zu spät reagiert?

Opposition wirft Lucha Beschwichtigung vor

Lucha sieht insgesamt keine Versäumnisse der Politik beim Schutz der Alten- und Pflegeheime vor dem Coronavirus: Er verwies auf die inzwischen regelmäßigen Tests für Pflegepersonal, Bewohner und Besucher und die FFP2-Maskenpflicht. Die Opposition warf ihm daraufhin Beschwichtigung vor: Sabine Wölfle (SPD) sagte, Lucha habe die Testpflicht für Besucher Wochen zu spät eingeführt, die Bewohner im Vergleich zu anderen Bundesländern viel zu langsam geimpft und Schutzmasken geliefert, die er jetzt wieder einsammeln müsse.

Der FDP-Abgeordnete Jochen Haußmann sagte, von Minister Lucha habe man stets nur gehört, wie hervorragend angeblich alles laufe. Doch der schöne Schein bekomme beim genauen Hinsehen erhebliche Kratzer: Das gelte für die Impfstrategie, bei den FFP2-Masken oder der klaren und transparenten Darstellung der Todesfälle in Pflegeheimen, so Haußmann weiter.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: 39 Stadt- und Landkreise derzeit von Notbremsen-Regelungen betroffen

Das Coronavirus bestimmt den Alltag der Menschen im Land. Im Live-Blog fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie und die Beschränkungen zusammen.  mehr...

Kritik an Teststrategie in Baden-Württemberg 40 Prozent aller Corona-Todesfälle in zweiter Welle in Pflegeheimen

Die Quote der Covid-19-Opfer in Baden-Württemberg, die in Pflegeheimen gestorben sind, ist deutlich höher als bisher bekannt. Experten kritisieren vor allem, dass Antigen-Tests zu spät eingeführt worden seien.  mehr...

Stuttgart, Mainz, Berlin

COVID-19: Impfungen im Südwesten Corona-Impfen: Aktuelle Zahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird seit Ende Dezember gegen das Coronavirus geimpft. Hier finden Sie die aktuellen Impfzahlen.  mehr...

Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen

Schwäbisch Gmünd

Seniorenzentrum Wetzgauer Berg Corona-Ausbruch: Keine weiteren Todesfälle in Gmünder Pflegeheim

Im Schwäbisch Gmünder Seniorenzentrum Wetzgauer Berg hat es seit dem Wochenende keine weiteren Todesfälle gegeben. Das teilte das Landratsamt des Ostalbkreises am Montag mit.  mehr...

STAND
AUTOR/IN