STAND

Für die Schüler in Baden-Württemberg beginnen am Mittwoch sechs Wochen Sommerferien. Komplett frei haben aber nicht alle. Manche Schüler können ihre Wissenslücken aus der Corona-Lockdown-Zeit schließen.

Für rund 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg haben am Mittwoch die Sommerferien begonnen. Auch zehntausende Lehrer im Land starten in die unterrichtsfreie Zeit.

Aber nicht alle haben über die kompletten sechs Wochen schulfrei: Wer versäumten Stoff nachholen will oder muss, kann an 54 Standorten so genannter Sommerschulen im Land freiwillig pauken. Rund 2.000 Schüler werden dort Lesen, Schreiben und Rechnen üben.

Kommentar Zweite Corona-Welle? "Es gibt keinen Plan B für die Schulen"

In dieser Woche gibt es in Baden-Württemberg Zeugnisse. Ganz akkurat zeitlich gestaffelt, in unterschiedlichen Stufen und unter Einhaltung der Abstandsregeln. Und kommende Woche beginnt in Mecklenburg-Vorpommern wieder die Schule. Ohne Abstand und im Regelbetrieb. Und das obwohl die Infektionszahlen gerade wieder steigen und die Angst vor einer zweiten Corona-Welle wächst. Es fehlt ein Plan B für die Schulen, findet Anja Braun.  mehr...

"Lernbrücken" sollen Wissenslücken schließen

Das Angebot findet in der Regel in den letzten beiden Ferienwochen statt - in diesem Sommer parallel zu den sogenannten Lernbrücken. Mit diesem Nachhilfeprogramm sollen schwächere Schüler ihre Wissenslücken aus der Corona-Zeit schließen können.

Mit dem kostenlosen Programm wolle man die Schüler auf einen gemeinsamen Lernstand bringen, hatte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) im Juni erklärt. Die Teilnahme an dem Unterricht sei für die Schüler freiwillig. Dennoch sei man zuversichtlich, dass Viele es annehmen werden, so die Kultusministerin.

Kritik der FDP: Nachhilfe schlecht vorbereitet

Die FDP wirft Kultusministerin Eisenmann vor, die sogenannten Lernbrücken seien nicht ausreichend vorbereitet. Es stünden nicht ausreichend Lehrkräfte bereit, kritisiert die FDP. Dadurch seien Förderkurse in Fremdsprachen oder individueller Förderunterricht in Gefahr. Das Kultusministerium hätte fertig ausgebildete Referendare und angestellte Lehrer über die Ferien weiterbeschäftigen sollen, anstatt viele in dieser Zeit zu entlassen.

Die SPD sieht die Freiwilligkeit der Nachhilfe als Problem. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Stefan Fulst-Blei, fordert stattdessen ein eigenes Budget für Nachhilfe im nächsten Schuljahr, über das die Schulen frei verfügen können. Sonst werde die Bildungsmisere weiter verschärft.

Elternbeiräte: Schwächere Familien werden benachteiligt

Auch die Gesamtelternbeiräte im Land kritisierten den Fahrplan des Kultusministeriums für die sogenannten Lernbrücken. Christoph Eberlein vom Gesamtelternbeirat Heilbronn hatte die Kurzfristigkeit kritisiert. "Bedürftige Kinder werden da unter Umständen nicht erreicht und das ist schwierig", hatte er erklärt. Auch sei es schwer, Lehrkräfte für die Lehrbrücken zu finden, da es auf Freiwilligkeit beruhe.

Gewerkschaft fordert "Rettungspaket" für Schulen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wirft Kultusministerin Eisenmann vor, die Verantwortung anderen zuzuschieben. Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sagte: "Am Ende sind es wieder die ohnehin überlasteten Schulleitungen, die dafür kämpfen müssen, dass zum Beispiel tagsüber zusätzliches Reinigungspersonal an die Schulen kommt." Außerdem fordert die Gewerkschaft mehr Geld zur Unterstützung der Schulen während der Corona-Pandemie. Für Unternehmen gebe es ja auch milliardenschwere Rettungspakete.

Nach den Ferien: Kostenlose Tests und Maskenpflicht

Am 14. September beginnt das neue Schuljahr. Nach dem Plan des Kultusministeriums sollen die Schülerinnen und Schüler im Land dann wieder mehr Zeit im Klassenzimmer verbringen, die Abstandsregeln entfallen. Auf den Pausenhöfen und in den Fluren sollen Kinder und Jugendliche ab der fünften Klasse Maske tragen.

Dafür soll es weiter feste Gruppen geben, die sich nicht durchmischen. Klassenfahrten sind nach wie vor gestrichen. Zwischen Mitte August und Ende September sollen sich Beschäftige an Schulen und Kitas zweimal kostenlos und freiwillig testen lassen können.

Kein Reiseverbot für Beamtinnen und Beamte

Vor den Sommerferien hat das Land noch diskutiert, ob man seinen Beamtinnen und Beamten das Reisen in Risikogebiete verbieten könne. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte nun dem SWR, dass man ihnen zwar nicht untersagen könne, in Risikogebiete zu reisen, aber selbstverständlich gälte auch für sie die Quarantäne nach der Einreise entsprechend der Coronaverordnung. Während der Quarantäne müssen die Beamtinnen und Beamten  im Homeoffice arbeiten. Wenn dies nicht möglich ist, müssen sie Urlaub und freie Tage abbauen. Wenn auch das nicht mehr möglich ist, kommen auch unbezahlte Quarantäne-Tage in Betracht.

Bildung in Corona-Zeiten Debatte über Schulpolitik: Opposition wirft Kultusministerin Versagen vor

Ein mittleres Desaster - so bezeichnet die SPD die Schulpolitik von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Sie war unter anderem Thema bei der Landtagsdebatte am Mittwoch.  mehr...

Nachhilfeprogramm geplant Kultusministerin Eisenmann kündigt "Lernbrücken" für die Sommerferien an

Durch die Corona-Pandemie haben viele Schüler in Baden-Württemberg Unterrichtsstoff verpasst. Den können sie jetzt nachholen. Das Land gibt dafür Millionen aus.  mehr...

Kurz vor Ferienbeginn in Baden-Württemberg Zu wenig freiwillige Lehrer für geplantes Nachhilfeprogramm in den Sommerferien?

Kurz vor Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg gibt es noch einige Unklarheiten zu den sogenannten "Lernbrücken". Mit dem Förderunterricht soll in den letzten beiden Ferienwochen der wegen der Corona-Schulschließungen versäumte Stoff aufgeholt werden.  mehr...

Bildung in der Corona-Krise "Schulleben in Gefahr": Schüler fordern Antworten von Kultusministerin Eisenmann

Der Unterricht an Schulen in Baden-Württemberg soll nach den Sommerferien wieder durchstarten - doch AGs könnten auf der Strecke bleiben. Dagegen wehren sich Schüler, die reine "Lernfabriken" befürchten.  mehr...

Für die Zeit nach den Sommerferien Zur Eindämmung des Coronavirus: Maskenpflicht an weiterführenden Schulen in BW

Der Schulalltag nach den Sommerferien wird ein anderer sein: Auf den Pausenhöfen und in den Fluren sollen Kinder und Jugendliche ab der fünften Klasse Maske tragen. Lehrer und Erzieher können sich nach dem Sommer mehrfach testen lassen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN