Imfpstoff von verschiedenen Herstellern mit einer Spritze. (Foto: imago images, IMAGO / MiS)

Anreize durch spontane Termine und wenig Wartezeit

Corona-Impfungen: So will das Land BW die Menschen überzeugen

STAND

In der Corona-Pandemie stellt sich jetzt die Frage: Wie überzeugt man noch die restlichen Menschen von einer Impfung? Ideen gibt es viele, auch über Impfbelohnungen wird diskutiert.

Mehr als 56 Prozent der Bevölkerung in Baden-Württemberg haben bereits mindestens eine erste Impfung erhalten. Jetzt gehe es darum, auch die restliche Bevölkerung von einer Impfung zu überzeugen, auch um sich gegen die ausbreitende Delta-Variante zur Wehr setzen zu können. Das teilte das Sozialministerium in Stuttgart mit. Aber: Impfzentren, Betriebsärzte und teilweise auch Hausärzte berichten von freibleibenden Terminen.

Eine neue Kampagne der Landesregierung soll nun Fragen von Menschen beantworten, die beim Thema Impfen noch zurückhaltend sind und ihnen ganz konkret und niedrigschwellig den Weg zur Impfung aufzeigen. "Impfstoff ist gerade gut verfügbar und es ist leicht, an einen Impftermin zu kommen. Diese Chance sollten wir nutzen", sagte Staatssekretärin Ute Leidig (Grüne) am Donnerstag.

Bundesweite Forderung nach Kreativität bei Impfkampagnen

Deutschlandweit werden gegenwärtig neue Impfangebote gefordert, zum Beispiel von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund: "Da ist etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen. Je niedrigschwelliger, desto besser."

Darüber hinaus wird auch darüber diskutiert, ob man "Impfmuffel" durch Belohnungen von einer Impfung überzeugen sollte. Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sprach sich für solche zusätzliche Anreize in Form von Lotterien aus. "Man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird", sagte der Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Idee ist nicht neu: In den USA können Impfwillige sogar durch eine Lotterie Millionär werden.

Impfprämien könnten auch in Deutschland erfolgreich sein

Die Professorin Nora Szech vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat zum möglichen Erfolg von Impfbelohnungen eine Studie durchgeführt. Dem SWR sagte sie, dass eine Prämie in Höhe von 100 Euro in Deutschland zu einer Impfbereitschaft von 80 Prozent führen könnte.

Karlsruhe

Neue Studie veröffentlicht 100 Euro Prämie für alle, die sich gegen Corona impfen lassen?

Eine Professorin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat untersucht, wie man mehr Menschen zu einer Corona-Impfung überreden kann. Ihre Empfehlung: Indem man sie belohnt.  mehr...

Belohnungssystem müsste in Landesregierung abgestimmt werden

Die aktuelle Impfkampagne in Baden-Württemberg beinhalte keine Belohnungen für Impfwillige, bekräftigte eine Sprecherin des Sozialministeriums am Donnerstag gegenüber dem SWR. Impfbelohnungen müssten innerhalb der Landesregierung abgestimmt werden, das werde nicht das Sozialministerium entscheiden und auf den Weg bringen. In der aktuellen Kampagne stehe die Überzeugungsarbeit im Fokus. Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) erklärte bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag: "Wie Impffortschritt und Impfwilligkeit belohnt wird, ist ein bundespolitisches Thema, das in den nächsten Wochen ganz intensiv auf der Tagesordnung steht."

Start der neuen Impfkampagne in Heilbronn

Der Auftakt zur neuen Impfkampagne in Baden-Württemberg hat in Heilbronn stattgefunden: Dort sollen mobile Infoteams in der Stadt unterwegs sein und die Menschen über eine mögliche Impfung gegen das Coronavirus informieren. Weitere solche Teams in weiteren Kommunen sollen folgen. Auch Infoteams, die in mehreren Sprachen Aufklärungsarbeit leisten können, seien geplant, so das Sozialministerium. Heilbronn sei ein guter Startpunkt für die Kampagne, denn die Stadt habe schon früh mit Vor-Ort-Impfaktionen in den Stadtteilen gezielt für das Impfen geworben. Außerdem findet beispielsweise am Samstag eine Impfaktion im Stadtteil Kirchhausen statt und am 18. Juli auf der Theresienwiese.

Vom Impfen vor dem Supermarkt über Radiowerbespots bis Social Media

Man wolle die Menschen dort erreichen, wo sie sind, so eine Sprecherin des Sozialministeriums gegenüber dem SWR. Nach wie vor stehe die Möglichkeit offen, sich online über das Portal www.impfterminservice.de für Impfungen anzumelden. Aber es soll auch Möglichkeit geben, niederschwellig und spontan einen Impftermin zu vereinbaren. "Wir wollen die Menschen direkt auf der Straße erreichen." Dabei seien die Kommunen aufgefordert, selbst kreativ zu werden und zu überlegen, wo sie ihre Bürgerinnen und Bürger am besten erreichen.

Giengen

Aktion auf Parkplätzen Giengen: Corona-Impftermin beim Einkaufen buchen

Unkompliziert und schnell: Impfwillige können seit Montag auf einem Supermarktparkplatz in Giengen (Brenz) Termine vereinbaren und sich zeitnah gegen Corona impfen lassen.  mehr...

Lucha: Wir sind für jede Initiative dankbar

Ebenfalls Teil der Aktion: sich komplett ohne Terminanmeldung impfen lassen. Das Robert-Bosch-Krankenhaus bietet aktuell erstmals spontane Impftermine an. Bereits am Dienstag hatte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) diese Impfaktion in der Regierungspressekonferenz angekündigt. Dort könne man einfach vorbei gehen und sich direkt impfen lassen. Auch weitere Angebote sind geplant: "Hierzu gehören Impfaktionen vor dem Supermarkt, auf dem Marktplatz oder an anderen zentralen und gut zugänglichen Orten", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten". "Wir sind dankbar für jede Initiative, die Impfungen einfach und unkompliziert zu den Menschen bringt. Wir setzen sozusagen auf Impfen-to-Go."

Stuttgart

Nach großem Andrang beim "Freien Impftag" Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart impft ab Montag ohne Terminpflicht

Der "Freie Impftag" am Robert-Bosch-Krankenhauses in Stuttgart war am Donnerstag ein voller Erfolg. Deshalb bietet das Impfzentrum freies Impfen künftig dauerhaft an.  mehr...

Darüber hinaus sollen ab dem Wochenende Radiowerbespots gesendet und eine Social-Media-Kampagne unter dem Hashtag #dranbleibenBW gestartet werden. Auch der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) werde in den kommenden Wochen die Impfkampagne unterstützen. In welcher Form das sein wird, sei noch nicht klar.

So weist das Sozialministerium auf Twitter auf freie Impftermine hin:

Mehr zum Thema

Heidelberg

1.200 Dosen für junge Menschen Impfaktion für Studierende der Uni Heidelberg gestartet

Nach über einem Jahr Online-Lehre hofft man in Heidelberg darauf, dass der Uni-Alltag wieder in Präsenz möglich wird. Auch deswegen wurden am Montag Studierende gegen Corona geimpft.  mehr...

Heidelberg

Zweiter Impftermin wird immer öfter verpasst Impfschwänzer und Überangebot in Rhein-Neckar

Immer mehr Impfschwänzer: Auch in der Rhein-Neckar-Region kommen viele nicht zu ihrem zweiten Impftermin, ohne ihn abzusagen. Dafür ist es so leicht wie nie, Impfstoff zu bekommen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN