Ein Auto steht in Wassermassen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz

Schutz vor Hochwasser: Stuttgart & Co. sollten "Schwamm-Städte" werden

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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)

Die Hochwasser-Katastrophe hat erneut gezeigt, wie gefährlich Starkregen sein kann. Stadtplanungs-Experte Franz Pesch erklärt, wie sich Städte gegen das Problem wappnen können.

Das Jahr 2021 hat nach Ansicht von Städteplaner Franz Pesch noch einmal verdeutlicht, welche große Rolle Wetterphänomene wie Starkregen in dicht besiedelten Gegenden spielen. Der langjährige Professor für Stadtplanung an der Universität Stuttgart sagt im SWR-Interview:

"Starkregen gab es immer, aber in der Häufigkeit und Dimension, wie wir es jetzt zurzeit erleben, gerade in diesem Jahr, ist es ein völlig neues Thema, und wir müssen im Städtebau, in der Stadt, im Stadtleben natürlich darauf reagieren."

Doch was bedeutet das konkret, wenn in kurzer Zeit viel Regen fällt - muss da künftig vor allem die Kanalisation einer Stadt ganz anders gedacht und gemacht werden? Davon hält Pesch jedenfalls nichts: Die Kanalisation einfach zu vergrößern, wäre aus seiner Sicht ein gigantisches Infrastruktur-Projekt ohne Nutzen.

Das Ziel: Die "Schwamm-Stadt"

Er schlägt einen anderen Weg vor:

"Wir müssen von der 'Teflon-Stadt', die alles ableitet und zu großen Infrastrukturen bringt, zur 'Schwamm-Stadt' kommen."

Das bedeutet, dass der Regen dort, wo er auftritt - auf dem Dach, auf den Freiflächen und auf den Straßen - bereits verzögert abgeleitet oder aufgesaugt werden soll - eben wie bei einem Schwamm.

Die Lösung ist das Gegenteil von Hightech

Städteplaner Pesch spricht daher in diesem Zusammenhang davon, die Lösung der Zukunft sei "eher Lowtech (…) als Hightech mit Teflon-Strategien".

Außerdem müsse heute ein Fehler der Vergangenheit vermieden werden: nämlich, in großem Stil Flächen zu versiegeln, die deshalb kein Wasser aufnehmen können.

"Wir versiegeln nach wie vor viel zu viel Flächen für Infrastruktur, für das Bauen."

So seien beispielsweise früher - und das natürlich auch in hochverdichteten Städten wie Stuttgart - permanent unter die Höfe Tiefgaragen gebaut worden - mit dem Ergebnis, dass kein Tropfen Regenwasser wirklich dauerhaft versickern oder abgeleitet werden konnte.

"Entsiegelung ist das Gebot der Stunde"

Heute werde das anders gemacht, beispielsweise bei den neuen Stuttgarter Quartieren in Mühlhausen: Hier werden Pesch zufolge Höfe unversiegelt gelassen, damit sie Niederschlag aufnehmen können. Außerdem würden Quartiersgaragen gebaut werden, um auf kleinem Raum möglichst viele Stellplätze unterzubringen. Ziel sei es, so der Städteplaner, dass das Niederschlagswasser versickern könne und dass es nicht mehr unmittelbar in die Kanalisation abgeleitet werde.

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