Ein Einkaufswagen mit Lebensmitteln wird durch einen Supermarkt in Hannover geschoben (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Statistisches Landesamt veröffentlicht Jahresbericht

Inflation: Preise für Verbraucher in Baden-Württemberg steigen 2021 um 3 Prozent

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Die Preise sind im vergangenen Jahr stark gestiegen. Für Energieprodukte wie Benzin oder Heizöl mussten die Verbraucher durchschnittlich sogar 9,6 Prozent mehr bezahlen.

Im Jahr 2021 stiegen die Preise für die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg um 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das teilte das Statistische Landesamt Baden-Württemberg am Freitag mit. Die Teuerung lag damit im Land leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 3,1 Prozent.

Hohe Preissteigerung bei Energieprodukten um 9,6 Prozent

Besonders stark stiegen die Preise in Baden-Württemberg bei den Energieprodukten: Durchschnittlich mussten die Verbraucher 9,6 Prozent mehr bezahlen. Zu berücksichtigen ist hier jedoch, dass die Preise 2020 um 4,6 Prozent niedriger lagen als im Vorjahr.

Besonders heftig waren die Preissteigerungen bei Dieselkraftstoff (+23,3 Prozent) und Benzin (+23,0 Prozent). Auch die Preise für Heizöl (+14,2 Prozent), feste Brennstoffe (+3,1 Prozent) und Gas (+2,7 Prozent) legten deutlich zu. Für die starke Preiserhöhung sei außer den sehr niedrigen Preisen im Jahr 2020 auch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe verantwortlich, so das Statistische Landesamt.

Lebensmittelpreise stiegen 2021 um 3,6 Prozent

In Baden-Württemberg lagen 2021 die Preise für alle Nahrungsmittelgruppen höher als im Vorjahr - im Schnitt um 3,6 Prozent. Besonders spürbar war dies bei Molkereiprodukten und Eiern (+5,0 Prozent) sowie Speisefetten und Speiseölen (+4,6 Prozent). Brot und Getreideerzeugnisse verteuerten sich um 4,2 Prozent, Gemüse um 3,8 Prozent.

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Auch bundesweit ist die Inflationsrate so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Um 5,3 Prozent nahm sie allein im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, im November sogar um 5,7 Prozent. Im Jahresdurchschnitt 2021 legte die Inflationsrate bundesweit seit 2020 um 3,1 Prozent zu, so die Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2020 lag die Inflationsrate demnach noch bei 0,5 Prozent. Nur 1993 lag sie zuletzt höher als 2021 - damals lag die Teuerungsrate bei 4,5 Prozent.

Die große Preissteigerung im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr hat verschiedene Gründe. Zum einen war 2019 der Mineralölpreis zeitweise eingebrochen. Dazu kam, dass 2020 die Mehrwertsteuer als Reaktion auf die Corona-Krise zeitweise gesenkt wurde. Insofern war eine gewisse Steigerung der Verbraucherpreise für 2021 statistisch erwartbar, so Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Das nennen Fachleute "temporäre Basiseffekte".

"Neben den temporären Basiseffekten aus der Vergangenheit wirken zunehmend krisenbedingte Effekte, wie Lieferengpässe und die deutlichen Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Diese schlagen sich teilweise im Verbraucherpreisindex nieder."

Experte: Die Preise könnten weiter steigen

Die Preissteigerungen werden die Menschen in Baden-Württemberg voraussichtlich auch weiterhin spüren. Gerade Lebensmittel und der Energiesektor würden teuer, sagte Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht, von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf SWR-Anfrage. Während man das bei den Lebensmitteln in Kauf nehmen müsse, rät er in Sachen Energie dazu, seriöse Anbieter zu suchen. Bei denen stiegen die Preise zwar auch, aber nicht so sprunghaft. Trotzdem spürten alle Menschen derzeit die Inflationsrate.

"Die Menschen merken das insofern, dass jeder am Ende des Monats weniger im Geldbeutel hat, weil die Reallöhne in vielen Branchen nicht steigen - vor allem im Niedriglohnsektor, in dem die Menschen eh schon wenig verdienen."

Buttler rechnet damit, dass die Preise weiter steigen. Lohnerhöhungen könnten die Lage zwar beruhigen. In der Pandemie seien Lohnerhöhungen für viele Unternehmen aber gar nicht möglich.

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SWR