Ein Auto fährt vor einer Straßenbahn (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow)

Mehr ältere Menschen in Bussen und Bahnen

Senioren in BW können Führerschein gegen kostenloses ÖPNV-Jahresticket tauschen

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Für Autofahrerinnen und Autofahrer ab 65 soll der ÖPNV attraktiver werden. Dafür hat das Verkehrsministerium das Projekt "Bus und Bahn statt Führerschein" auf den Weg gebracht.

Wer in Baden-Württemberg wohnt, über 65 Jahre alt ist, den öffentlichen Nahverkehr nutzen will und auf seinen Führerschein verzichten kann, hat demnächst eine spezielle Tauschmöglichkeit.

Tausch ab 1. Dezember: ÖPNV-Ticket gegen Führerschein

Ab 1. Dezember können Autofahrerinnen und Autofahrer ihren Führerschein einmalig gegen ein kostenloses Jahresticket des öffentlichen Personennahverkehrs eintauschen. Das kündigte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) an. Das Angebot soll in 14 Verkehrsverbünden Baden-Württembergs gelten. Bedingung für den Tausch sei der Erstwohnsitz im Gebiet des Verkehrsverbunds.

"Es braucht keinen Führerschein, um mobil zu sein. Für viele Regionen Baden-Württembergs gilt, dass Ziele mit Bus und Bahn gut erreichbar sind (...)."

Nach einem Jahr wird dieses Tausch-Angebot allerdings kostenpflichtig - Seniorinnen und Senioren können das ÖPNV-Ticket dann aber weiter für einen verminderten Preis bekommen. Ebenfalls nach dem Jahr kann auch der Führerschein wieder aktiviert werden.

Straßenverkehr soll für alle sicherer werden

Mit dem Projekt soll einerseits Bus- und Bahnfahren für ältere Menschen attraktiver, andererseits der Straßenverkehr sicherer gemacht werden. Es gehe nicht um eine pauschale Verurteilung von Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr, erklärte Verkehrsminister Hermann. Es sei aber eine Tatsache, dass Menschen mit zunehmenden Alter körperlich eingeschränkt seien. Der Umstieg auf Bus und Bahn könne eine Alternative sein.

Laut Angaben aus dem Verkehrsministerium sind mehr als ein Drittel der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmenden 65 Jahre und älter. Sie trügen als Fahrerinnen und Fahrer zudem in mehr als zwei von drei Fällen die Hauptschuld an den Unfällen.

"Bus und Bahn statt Führerschein" - diese Verkehrsverbünde sind dabei

Nach Informationen aus dem Landesverkehrministeriums sind bisher folgende Verkehrsverbünde beim Kooperationsvertrag "Bus und Bahn statt Führerschein" dabei:

  • bodo (Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund GmbH)
  • DING (Donau-Iller-Nahverkehrsverbund-GmbH)
  • HNV (Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr GmbH)
  • htv (Heidenheimer Tarifverbund)
  • KVV (Karlsruher Verkehrsverbund GmbH)
  • OstalbMobil (OstalbMobil GmbH)
  • RVL (Regio Verkehrsverbund Lörrach GmbH)
  • VHB (Verkehrsunternehmen Hegau-Bodensee Verbund GmbH)
  • VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar)
  • VVR (Verkehrsverbund Rottweil GmbH)
  • VVS (Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH)
  • WTV (Waldshuter Tarifverbund GmbH)

Schon gute Erfahrungen mit Tausch Führerschein gegen ÖPNV

Der Vorsitzende des baden-württembergischen Landessenionrenrats, Bernd Ebert, sagte, das Angebot könne der "Anstoß sein, eine lange aufgeschobene Entscheidungen zu fällen". Er schlug vor, den Seniorinnen und Senioren über das Jahr hinaus ein 365-Tage-Ticket zugänglich zu machen. Außerdem kritisierte Ebert das oft lückenhafte Angebot des öffentlichen Nahverkehrs auf dem Land.

VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger sagte: "Wir haben schon seit 2015 gute Erfahrungen mit der Aktion 'Führerscheinrückgabe gegen SeniorenTicket' gemacht. Der Landkreis Ludwigsburg war damals Vorreiter, der Landkreis Esslingen und die Landeshauptstadt Stuttgart haben 2020 nachgezogen. Bislang haben rund 5.300 Seniorinnen und Senioren von dieser Aktion des VVS profitiert und konnten ein Jahr lang ohne tarifliche Zugangshürden kostenlos Busse und Bahnen benutzen."

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