Ein Boot segelt vor der Uferpromenade auf dem Bodensee. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Felix Kästle / Montage: SWR)

Interview zum "See Dialog"

Nachhaltigkeit und Tourismus: Den Bodensee langfristig lebenswert erhalten

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Der Bodensee ist nicht nur Lebensraum vieler Menschen, sondern auch Urlaubsort. Wie sich Tourismus und Nachhaltigkeit in Einklang bringen lassen, dazu die Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH im Interview.

Eine zukunftsfähige Region Bodensee ist das Ziel der Initiative "ECHT nachhaltig Bodensee". In Überlingen, Lindau, Immenstaad, Kressbronn und Uhldingen-Mühlhofen findet deshalb noch bis Mittwoch der "See Dialog" statt. Die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH will mit den Menschen in der Region ins Gespräch kommen und nach Lösungen für die Zukunft suchen. Der SWR hat dazu mit der Geschäftsführerin Ute Stegmann gesprochen.

SWR: Was erhoffen Sie sich von diesen Diskussionsrunden?

Ute Stegmann: Wir als Deutsche Bodensee Tourismus GmbH haben vor einem guten Jahr damit begonnen, uns mit kleineren Projekten dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen. Wir wollen jetzt mit den "See Dialogen" mit den Menschen, die es direkt betrifft, in Kontakt kommen. Auf der einen Seite sind es Gastgeber aber auch Mitarbeiter in Touristen-Informationen und Verantwortliche in den Gemeindegremien. Wir wollen einfach unsere Ideen erstmals näherbringen, wollen in Diskussionen kommen und schauen, wie wir in den Orten Stück für Stück mehr bewegen können.

Sie fangen natürlich im Bereich Nachhaltigkeit jetzt nicht bei Null an. Es ist sicherlich schon einiges passiert. Was würden Sie sagen? Wo wird denn in welchen Bereichen am Bodensee schon besonders viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt?

Was wir schon seit einigen Jahren machen ist, dass wir sehr auf den Verkehr achten. Menschen, die an den Bodensee reisen, wissen, dass es einfach viel Pkw-Verkehr gibt. Da schauen wir schon seit längerem darauf, dass wir den Gästen tolle Alternativen anbieten, wie sie ihr Auto im Urlaub stehen lassen können. Wir haben eine Gästekarte, wie es sie auch in vielen anderen Urlaubsregionen gibt, mit der alle Urlaubsgäste Bus und Bahn ohne Extrakosten nutzen können. Bei uns gilt sie in einem großen Gebiet, also im ganzen Gebiet des Verkehrsverbundes BODO am Bodensee. Der Landkreis Konstanz bietet auch die Möglichkeit, dort mit der VHW-Gästekarte zu fahren. Wir sind also sehr gut abgedeckt. Außerdem hat das Thema Regionalität, also regionale Produkte, beispielsweise in der Gastronomie, schon einen ganz großen Stellenwert. Da wird schon sehr lang drauf geachtet.

Hört sich so an, als würden viele schon an einem Strang ziehen. Oder gibt es da auch einzelne, die eigentlich lieber in eine ganz andere Richtung gehen wollen würden?

Da sind wir jetzt eben gespannt auf den Dialog. Die Gespräche, die wir bisher hatten, waren überwiegend mit unseren Tourismuspartnern - das bedeutet konkret mit den Tourist-Informationen in den einzelnen Gemeinden. Da haben wir schon den Eindruck, dass die Ideen alle in eine ähnliche Richtung gehen und dass man sich da auch sehr gut gegenseitig bereichert und das Thema Nachhaltigkeit überall einen sehr großen Stellenwert hat. Wie es bei den Betrieben aussieht und wie es die Politik sieht, da sind wir jetzt gespannt auf die ersten Gespräche.

Schauen wir vielleicht noch mal auf den Tourismus. Wird das klappen, Tourismus und Nachhaltigkeit zusammenzubringen? Oder muss man am Ende vielleicht den Tourismus sogar auch ein bisschen runterschrauben?

Was wir nicht wollen, ist, den Tourismus prinzipiell zu reduzieren. Aber eine große Aufgabe, die neben dem Bodensee auch viele andere Tourismusregionen haben, ist, dass wir Spitzen haben. Es gibt gewisse Zeiten im Hochsommer, wenn wir warme, schöne Wochenenden haben und schon viele Übernachtungsgäste da sind und dann auch noch viele Tagesgäste an den Bodensee kommen, dann gibt es immer mal wieder Zeiten, wo einfach sehr viel los ist. Unsere Aufgabe ist es sicherlich, das ein bisschen zu entzerren, den Gästen zu zeigen, dass auch außerhalb der Hauptreisezeiten konkret im Frühjahr und im Herbst und über die Wintermonate der Besuch am Bodensee absolut lohnenswert ist. Das ist nicht einfach. Das Ziel stecken sich viele Regionen. Aber dorthin versuchen wir zu arbeiten.

Aber ist das auch vielleicht etwas, was jeder einzelne Tourist schon mal tun kann, um ein bisschen was für die Nachhaltigkeit zu tun: Zu sagen, ich komme eben nicht an den Wochenenden, an denen sowieso jeder an den Bodensee fährt?

Ja, ich glaube, das ist schon ein Punkt. Es ist die Frage, wie die Gäste reisen. Ich hatte die Punkte ja schon ein wenig angesprochen: Wie bewege ich mich vor Ort? Lasse ich das Auto mal stehen, nehme ich das Fahrrad, nehme ich den Bus oder die Bahn? Da sind wir ja auch ganz gut ausgestattet mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier am See. Was unternehme ich? Wo gehe ich essen? Ich glaube, das sind Punkte, die der Gast beachten kann. Das Thema Müll hatte ich noch nicht angesprochen. Das ist ein Thema, das auch nicht nur uns betrifft. Es betrifft ja auch alle Städte, die nicht nur vom Tourismus leben und auch andere Urlaubsregionen. Da kann man auch noch ganz viel tun. Wie verhalte ich mich, wenn ich in der Natur unterwegs bin? Dann ist es gar nicht so wichtig wann ich reise, sondern was tue ich, wenn ich hier vor Ort bin.

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